Filmkritische Jugend: In ihrem Haus – Oberstufenzentrum Handel
Die Kritiken zum Modellprojekt (2): Texte der Berliner Schüler des Oberstufenzentrums Handel 1 zu François Ozons In ihrem Haus.
*** 11. Klasse ***
Ruhe und doch keine Stille

Jeder Mensch hat das Bedürfnis und das Verlangen nach einer Familie und Zuneigung. Dennoch halten wir uns an Regeln und versuchen, keine Grenzen zu überschreiten.
Das Bedürfnis einer „Fortsetzung“ seiner Geschichte ließ Claude Garcia (Ernst Umhauer) die Grenzen nicht erkennen und manche überschreiten. Er ist ein Junge, der auf Anweisung seines Lehrers einen Aufsatz über sein Wochenende schreiben soll und daraus eine Geschichte entwickelt. Er schreibt über die Besuche bei seinem Freund Rapha Artole (Bastien Ughetto), dem er Nachhilfe in Mathe gibt, und dessen Familie, die er immer wieder besuchen geht, um das nächste Kapitel zu schreiben. Darüber hinaus entwickelt er eine besondere Zuneigung für Esther Artole (Emanuelle Seigner), die Mutter seines besten Freundes. Bei den Nahaufnahmen von Claudes Gesicht ist deutlich zu erkennen, was er gerade denkt und was er fühlt.
Der Film wechselt zwischen der Ich-Perspektive und den Dialogen der Darsteller. An manchen Stellen kommt er einem wie eine vorgelesene Geschichte vor, zu der schon fertige Bilder vorhanden sind. Da es nicht allzu viele Bildwechsel gibt und immer wieder die gleichen Kamerapositionen für bestimmte Darstellungen (Claude beobachtet die Eltern von der Treppe aus) verwendet werden, strahlt der Film eine gewisse Ruhe aus. Doch es ist eine beunruhigende Ruhe, die dauerhaft besteht. Dennoch wirkt sie nicht einschläfernd, und es bleibt die ganze Zeit über eine innere Anspannung.
Man hat nicht das Gefühl, einer der Protagonisten zu sein, sondern eher eine zusätzliche Figur, die sich alles mit ansehen muss und nichts dagegen tun kann.
Auf ganz eigene Weise befremdend und doch realitätsnah – François Ozon hat es geschafft, Gegensätze zu vereinen.
Jacqueline Hühn
Im Regen tanzend auf gelbem Laub
Wann sprechen wir von Leidenschaft? Leidenschaft ist die Begeisterung, die Freude etwas zu tun. Jeder Mensch besitzt eine Leidenschaft, die Ausprägungsgrade sind jedoch bei jedem Individuum unterschiedlich. Doch kann Leidenschaft übertrieben sein? Wird sie in uns größer, wächst die Gefahr, dass unsere Schattenseiten zum Vorschein kommen. Wollte uns François Ozon genau dies mit seinem Film In ihrem Haus mitteilen?
Frankreich: In einem Gymnasium mit gewöhnlichen Schülern in Uniform fällt niemand wirklich auf. So ist auch die 10c eine Klasse, welche sich nicht sonderlich für Literatur interessiert. Beim Lesen einiger Hausarbeiten entdeckt der Lehrer Germain das Talent eines vorher unscheinbaren Schülers. Claude Garcia bezaubert mit außergewöhnlichem Schreibstil und blendendem Wortschatz. Germains Neugier ist geweckt, doch als er beginnt, den talentierten Claude zu fördern, ahnt der Lehrer nicht, welche Gefahren und Probleme dies zur Folge hat. Ist das Verlangen immer weiterzuschreiben noch Leidenschaft oder mehr eine Besessenheit bzw. Sucht?
Claude ist einsam, sein behinderter Vater kann ihm das, wonach er sucht, nicht geben. Kann er die gesuchte Liebe und Zuneigung bei der Familie seines besten Freundes finden? Die Motivation durch den Lehrer und das eigene Verlangen nach Familie und Liebe verleiten Claude zum Schreiben. Doch er ist verwirrt, schwach im Herzen, sein Schreiben verursacht Konflikte in ihm und in seiner ersehnten Familie. Sind die Beschreibungen Claudes Fiktion oder Realität? Entscheiden Sie selbst!
In ihrem Haus ist ein packender Film, dessen Genre-Mix aus Drama und Psychothriller bewegt. Ozon zeigt uns, zu welchem Ausmaß an Leid Leidenschaften führen können. Leidenschaft und Sucht sind – wie Liebe und Hass – nah beieinander. Nur wenn man Leidenschaft kontrolliert, kann man im Einklang mit sich selbst und seinem Umfeld leben.
David Kuschel
Ich spiele das Spielchen...

Es ist sehr heikel, das Vertrauen seines besten Freundes aufs Spiel zu setzten, um dessen Mutter näher zu kommen und mit ihr zu spielen.
In François Ozons In ihrem Haus gibt sich der Französischlehrer Germain sehr große Mühe, dem 16-jährigen Claude die Literatur näherzubringen. Da die Schüler aus der Klasse 10c eher desinteressiert sind, gibt der Lehrer ihnen eines Tages eine Hausaufgabe auf: Sie sollen einen Bericht über ihr letztes Wochenende schreiben. Germain ist sehr enttäuscht von den Ergebnissen, weil die Schüler unkreativ sind und sich mit den Texten keine Mühe gegeben haben. Doch als er den Bericht von Claude liest, ist er sprachlos, weil Claude aus der Menge der Schüler heraussticht. Claude ist begabt und kreativ, aber trotzdem stockt dem Lehrer der Atem: Claude beschreibt bis ins kleinste Detail, wie er das Vertrauen von seinem Freund Rapha missbraucht. Doch mit seiner literarischen Begabung zieht er seinen Lehrer in den Bann, der seinen Schüler zum Weiterschreiben motiviert.
In dem dramatischen Thriller überkreuzen sich Fiktion und Wahrheit, die unerwarteten Wendungen überraschen uns Zuschauer. Der Film ist sehr beeindruckend, da die Aufnahmen sehr gut eingeteilt wurden. Claude ist eine sehr verrückte und starke Person, ein Junge, der nach seinem Ziel strebt. Im Film gibt es sehr spannende Stellen, aber auch Stellen, an denen man die Handlung nicht ganz versteht – deshalb kann man sich nicht direkt von Anfang in den Film hineinversetzen.
Scherin Rawas
Die Vernunft außer Kontrolle
Wenn die Neugier, die einen Menschen antreibt, außer Kontrolle gerät; wenn die Freundschaft nur dem Zweck dient, sich private Einblicke in dessen Haus zu verschaffen – Handlungsabläufe, bei denen die Vernunft auf der Strecke bleibt. All diese Motive sind im Film In ihrem Haus wiederzuerkennen. Ein 16-Jähriger junger Mann namens Claude, der wissen möchte, wie eine „normale Familie“ lebt und nebenbei auch ganz andere Ziele verfolgt – wie etwa die Mutter des Freundes. Ein Mensch, der sich wie ein Freund verhält und seinem Klassenkameraden Rapha sogar privat Mathe-Nachhilfe gibt.
In einer Szene ist Claude im Flurbereich des Hauses und belauscht die Eltern von Rapha beim Reden. Er beobachtet sie regelrecht und bekommt somit Einblick in ihre Beziehung und in die Probleme, die sie haben – all das, was ihn nicht interessieren sollte. Doch er wird ertappt von der Mutter Raphas. Der verlogene Claude weiß natürlich, wie er begründen kann, im Flur zu stehen: Er guckt sich die Bilder an, die an den Wänden hängen.
Ein Film der unglaublich viele spannende Szenen beinhaltet, ein Junge, dessen Psychologie schwer zu verstehen ist: Das macht den Film so besonders und interessant.
Der Film von François Ozon ist ein Drama zum Mitempfinden.
Gülnihal Yildirim
Gefährliche Passion

Claude ist kein gewöhnlicher Junge. Dass er eine große Leidenschaft fürs Schreiben hat, dies erkennt auch sein Lehrer Monsieur Germain, nachdem er einen Aufsatz von Claude über sein Wochenende liest. Er sieht großes Potenzial in dem Jungen. Jedoch ist es nicht mit rechten Dingen zugegangen, als Claude den Aufsatz verfasst hat. Denn er erzählt, wie er einen Mitschüler ausnutzt, um sein Haus und seine Familie auszuspionieren – unter dem Vorwand, Mathe-Nachhilfe zu geben. Er hat den Mitschüler Rapha ausgewählt, weil dieser seiner Meinung nach „normal“ ist, während er selbst „anders“ ist. Claude hält Raphas Familie für eine sogenannte „happy family“, eine Bilderbuchfamilie. Esther, die Mutter von Rapha wird hierbei als „Mittelklasse-Frau“ betitelt. Dies wird in übertriebener, fast schon ironischer Weise dargestellt: durch ihre Kleidung, Haltung, Auftreten und ihren „Duft“.
Der Film In Ihrem Haus baut eine faszinierende Spannung auf, indem Claude seine Aufsätze mit den Worten „Fortsetzung folgt...“ beendet. Er nutzt jede Gelegenheit, um in die Privatsphäre der Familie einzudringen und seinen Aufsatz fortzuführen, von dem Monsieur Germain so begeistert ist. Wahrheit oder Fiktion?
Diese Frage stellt man sich oft, während man den Film schaut. Dies gibt dem Film die gewisse Pointe. Es wird immer gefährlicher für Claude, jedoch ist es wie eine „Sucht“ für ihn, weiter zu spionieren und somit Monsieur Germain zufrieden zu stellen. Claude genießt das Familiengefühl bei der Familie Artole, das er zuvor nicht kannte und das ihn immer wieder dazu treibt weiterzuschreiben.
Dem Regisseur François Ozon kann man dieses hochspannende Drama verdanken, das einen Blick durchs Schlüsselloch gewährt. Wie wird es ausgehen?
Yesim Tapan
Fortsetzung folgt…
Die Worte „Fortsetzung folgt...“ stehen am Ende von jedem Aufsatz von Claude. Diese Worte fesseln einen an die Geschichte und zwingen einen förmlich weiterzulesen.
Der Film In ihrem Haus handelt von einem jungen Mann namens Claude und seinem Französischlehrer Germain. Germain ist von seinem Beruf nur wenig angetan. Er gibt eine Aufgabe, die lautet: „Schreiben Sie einen Aufsatz, in dem Sie Ihr Wochenende beschreiben!“ Von den Aufsätzen seiner Schüler ist er sehr enttäuscht, bis auf den von Claude. Claude hat einen sehr guten Aufsatz geschrieben, jedoch ist dieser genauso erschreckend und verstörend wie beeindruckend. Er schreibt darüber, wie er durch eine List in das Haus seines Klassenkameraden Rapha gelangt ist – und wie Rapha und seine Familie leben. Dies tut er, weil er sehen will, wie eine „normale“ Familie lebt, denn er selbst lebt nur mit seinem auf Hilfe angewiesenen Vater zusammen. Der Lehrer, der selbst gescheiterter Schriftsteller ist, sieht in dem 16-jährigen Claude eine Möglichkeit, seinen geplatzten Traum doch noch zu verwirklichen. Deshalb ermutigt er ihn, weiter an der Geschichte zu schreiben und begeht sogar eine Straftat, um Claude zu ermöglichen, die Geschichte weiterzuschreiben.
In ihrem Haus zeigt viele Szenen, in denen man verwirrt wird, weil man auf den ersten Blick nicht erkennt, ob es Realität oder Fiktion ist. Außerdem übt der Film Kritik an der Gesellschaft. Denn es gibt (leider) immer wieder Eltern, die sich durch ihre Kinder „verwirklichen“ wollen. Sei es eine Mutter, die es nicht zum Model geschafft hat und nun ihre Kinder dazu zwingt, an Model-Castings teilzunehmen oder ein Vater, der selbst nicht das Talent zum Fußballprofi hatte und jetzt seinen Sohn dazu zwingt, seine fußballerischen Fähigkeiten immer weiter zu trainieren – so ist das auch im Film: Monsieur Germain, der es nicht zum Schriftsteller geschafft hat, versucht nun alles, um aus Claude einen erfolgreichen Schriftsteller zu machen.
Meiner Meinung nach basiert der Film auf einer Weltklasse-Filmidee. Durch die hohen Erwartungen, die durch den atemberaubenden Trailer bei mir geweckt wurden, war ich dennoch etwas enttäuscht, was allerdings nichts daran ändert, dass es, im Gesamtpaket, ein sehr guter Film ist. Dem hinzuzufügen ist noch, dass der Film eher für gebildete Menschen ist, da es viele Szenen gibt, in denen man logisch schlussfolgern muss.
Emincan Karabulut
Endlich alleine mit Esther… in ihrem Haus…

Der Kinofilm In Ihrem Haus wurde im Jahr 2012 von François Ozon gedreht. In dem Film geht es um einen Jungen, Claude Garcia, der im Verfassen von Texten sehr begabt ist. Sein Lehrer ist davon begeistert und will, dass er weiterschreibt. Dafür gibt er Claude Einzelunterricht, um ihm weitere Tipps zu geben, wie er seine geschriebenen Texte noch besser gestalten kann. Doch Claude schreibt über die Familie von seinem Klassenkameraden Rapha Artole immer mehr Texte – bis er sich in dessen Mutter Esther Artole verliebt. Doch später hat das schwerwiegende Folgen für Claude und seinen Lehrer...
Meiner Meinung nach ist dieser französische Kinofilm gut und empfehlenswert, aber als ich mir den Trailer angesehen habe, habe ich mehr Spannung erwartet. Beim Ende habe ich nicht so richtig verstanden, was Claude erreichen wollte. Ich denke mal, dass der Regisseur mit dem Film bewirken will, dass zum Schluss eine Verwirrung darüber entsteht, warum Claude wieder zu seinem Lehrer zurückkehrt, mit ihm andere Menschen beobachtet und Geschichten darüber erzählt. Fortsetzung folgt...
Pinar D.
Wenn Literatur unheimlich und gefährlich wird
Als der Lehrer Germain sich die Ergebnisse der Wochenendberichte seiner Schüler verzweifelt und enttäuscht anschaut, sticht ein Werk aus der Masse der Mittelmäßigkeit heraus. Ein Werk von einem 16-jährigen Jungen, der sich immer zurückhaltend in die letzten Reihen des Klassenzimmers verzieht. Der Junge Claude Garcia (Ernst Umhauer) schreibt über die Nachhilfestunden, die er als Vorwand genommen hat, sich im Haus seines Freundes Rapha (Bastien Ughetto) einzunisten. Claude begehrt Esther, die Mutter seines besten Freundes, die er mit „dem typischen Duft einer Frau aus der Mittelklasse“ beschreibt.
In ihrem Haus ist eine Mischung aus Thriller und Drama, die aufgrund ihrer Handlung Emotionen und Spannung auslöst, ein Film von dem Regisseur François Ozon, der die Zuschauer fasziniert und mitreißt. Als der Junge davon besessen wird, andauernd in diesem Haus anwesend zu sein und darüber zu berichten, brechen bei seinem Lehrer Zweifel auf, und er weiß nicht mehr weiter. Dennoch motiviert er seinen Schüler, der schließlich aufhören will, weiterzuschreiben. Ein Film zwischen Realität und Fiktion. So entstehen rätselhafte und reizvolle Fragen bei den Zuschauern. Äußerst faszinierend weiß François Ozon, Spannung und Gänsehautfeeling in Szene zu setzen. Was ist echt und was passiert wirklich?
Amne-Sirin Sawidan
Verstörte Literaturliebe

Germain, der eigentlich Schriftsteller werden wollte, arbeitet als Französischlehrer. Frustriert liest er die fantasielosen Schulaufsätze. Nur Claudes Arbeit fesselt ihn. Der 16-Jährige erzählt, wie er sich an seinen Mitschüler Rapha heranmachte, um dessen Familie in ihrem Haus aus der Nähe beobachten zu können. Claude macht daraus eine Art Fortsetzungsroman, und Germain kann es kaum erwarten weiterzulesen.
In ihrem Haus entwickelt sich auf zwei Ebenen. Eine davon ist gewissermaßen die Realität, in der sich Lehrer und Schüler bewegen. Die zweite ist nicht so genau festzumachen: Zunächst handelt es sich um die Visualisierung von Claudes Aufsätzen. Wir hören den Text aus Claudes Werken und tauchen in die Szene ein. Dabei können wir nicht zwischen real und irreal unterscheiden.
In ihrem Haus kreist um die Beziehung zwischen Autor und Lesern (bzw. Regisseur und Publikum) und um das Verhältnis von Wirklichkeit und erzählerischer Fiktion. Lässt Esther sich von dem Mitschüler ihres Sohnes küssen, bildet Claude sich das nur ein oder erfindet er die Szene für seinen Fortsetzungsroman? Wie manipuliert der Autor die Leser, der Regisseur die Zuschauer?
In ihrem Haus ist eine meisterliche Reflexion über das Lehren, den kreativen Prozess und das Wesen der Fiktion. Insbesondere ist der Film aber eine geniale Anleitung zu literarischen Höchstleistungen und erweckt unterbewusst die Hoffnung, dass auch aus der heute die Schulbank drückenden Generation mal der eine oder andere richtig kluge Kopf hervorgeht.
Reto Gubler
Der Drang nach ihr
Ein Angebot für Mathenachhilfe, dabei aber doch etwas ganz anderes im Sinn: Claude Garcia (Ernst Umhauer), ein guter Mathe-Schüler, bietet Rapha Artole jr. (Bastien Ughetto) seine Unterstützung an, um in dessen Haus zu gelangen. Aber warum? Um Freundschaft zu schließen und ihm dann zu sagen, wie toll sein Haus sei? Nein! Die Mutter von Rapha ist Claudes Ziel.
François Ozon, der Regisseur von In ihrem Haus, vermittelt seinen Film den Zuschauern auf nachdenkliche Weise. Oft muss man überlegen, ob die jeweilige Situation gerade passiert oder ob diese den Gedanken des Lehrers beim Lesen entspringen. Durch diesen ständigen Wechsel der Handlungen bewegt man sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Doch warum Vergangenheit? Claude schreibt Aufsätze an den Lehrer über Eindrücke, die er kurz vor dem Schreiben erlebt hat. Der Film zeigt, wie sich die Obsession des Lehrers für die Aufsätze steigert. Er unterstützt Claude mit den verschiedensten Büchern und Tipps, was er anders hätte machen können, damit dieser seine Aufsätze weiterschreiben kann. Interessant ist, was Claude als nächstes schreibt, da er seine Aufsätze immer mit „Fortsetzung folgt...“ beendet.
Die Zuschauer können auf ein Drama gefasst sein, das sie mit verschiedensten Emotionen aus dem Film entlässt.
Melanie Weinitschke
Der etwas andere Schüler

Und plötzlich küsst er die Mutter seines besten Freundes. Er ist so sehr in seiner Welt vertieft, dass er in diesem Moment das richtige Leben vergisst und einfach seinem Verlangen folgt, ohne darüber nachzudenken, ob jemand sie sieht, oder welche Folgen dieser Kuss auslöst. Alles ist von diesem „etwas anderen“ Jungen Claude geplant. Schon ein Jahr zuvor saß er im Sommer Tag für Tag auf der Bank im Park gegenüber des Hauses und stellte sich vor, wie es wohl eingerichtet wäre und wie so ein Alltag einer ganz normalen Familie abliefe. Dieses Gefühl ist ihm fremd – er hatte nie eine heile Familie.
Als er mitbekommt, dass Rapha Probleme in Mathe hat, nutzt er seine Chance und kommt durch Nachhilfe und eine vorgespielte Freundschaft endlich in das Haus. Was sich daraus entwickelt und welche Folgen sich durch die Besuche für Claude und für den Lehrer ergeben, kann man nicht erahnen. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Wahrheit und einer doch etwas zu sehr ausgeprägten Fantasie eines 16-jährigen Jungen. Auf einmal springt der Lehrer aus der Kammer hervor, obwohl man eben noch dachte, in einer anderen Ebene zu sein.
Ist es nun Realität oder findet alles nur im Kopf eines jungen talentierten Schriftstellers statt?
Louisa Müller
*** 12. Klasse ***
Fortsetzung folgt!
In ihrem Haus: Ein Titel, der auf den ersten Blick vieles vermuten lässt, aber auch mithilfe verschiedenster Spekulationen gedeutet werden kann: ein Liebhaber, der sich in dem Haus seiner Geliebten befindet, oder ein Stalker der sich in das Haus eingeschlichen hat – man malt sich das schlimmste Schreckensszenario aus. Alles falsch! Der Titel beschreibt das Eindringen des literaturbegabten Schülers Claude Garcia in das Haus seines Schulkameraden. Claude, ein junger Mann, der seine unbeholfenen Gedanken in Textform wiedergibt, trifft auf Germain Germain, einen erfahrenen und stolzen Französischlehrer, der in Claude ein Talent im Feld der Literatur sieht.
Der Film drückt nicht die alltägliche Beziehung zwischen Lehrer und Schüler aus, sondern schildert, wie nah Genialität und Wahnsinn beieinander liegen – und sich auf Dauer nicht unterscheiden. Die Genialität zeigt sich, indem Claude Tag für Tag neue Ideen für seine Texte entwickelt und sie dem Lehrer, wenn sie angefordert werden, überreichen kann. Dieses Talent wird aber durch zu tiefes Eindringen in die Privatsphäre der Familie gestört, das nach einiger Zeit nichts mehr mit der geliebten Literatur zu tun hat, sondern Grenzen überschreitet. Durch die exzellente Kameraführung sowie die Musik verschiedenster Stile wirkt das Geschehen um Claude und dessen Umfeld spannend und lässt einen nicht los.
Ein französischer Film, der nach Ziemlich beste Freunde (2011) Chancen auf großen Erfolg verspricht. Für Zuschauer, die auf Story und Emotionen setzen, ist er ein Muss.
Marlon Hummel
Ein unangenehmes Ende

Der Film In ihrem Haus, der durch seinen Trailer viel spannender wirkt, als er ist, handelt von einem frustrierten Lehrer namens Germain, der seinen Schülern die Aufgabe gibt, über ihr Wochenende zu schreiben. Keiner der Aufsätze seiner Schüler spricht ihn wirklich an, bis er auf den Aufsatz von Claude trifft. Der 16-jährige Schüler hat über seinen Besuch bei seinem Mitschüler Rapha geschrieben. Im Aufsatz macht Claude sich über die Familie lustig, gleichzeitig ist er aber sehr neugierig, mehr über das Leben der Familie zu erfahren. Dank der Komplimente des Lehrers der glaubt, dass aus ihm mal etwas wird, lässt sich Claude zum Schreiben bewegen. Immer wieder schleicht er sich in das Leben der Familie von Rapha und schreibt über deren Privatsphäre, was keine angenehmen Folgen für die Familie und den Lehrer Germain hat. Das lässt den Film spannender wirken, als er am Anfang ist.
Sarah Chahrour
Stille Wasser sind tief
Ein normaler Tag im Leben des Lehrers Germain, der zu Hause sitzt und die Aufsätze seiner Klasse korrigiert. In der seiner Meinung nach schwächsten Klasse, die er je hatte, findet er unter den vielen miserablen Aufsätzen schließlich den von Claude Garcia, der ihn sehr verwundert. Der ruhige und eher unauffällige Schüler schleicht sich bei seinem Schulkameraden Rapha Artole jr. unter dem simplen Vorwand, ihm Mathematik beizubringen, in die Familie und schreibt Aufsätze über deren privates Leben. Das hat Folgen für die Familie Artole und auch für den Lehrer.
In ihrem Haus ist kein Film, bei dem man sich gemütlich zurücklehnen kann, um ihn ohne Weiteres anzuschauen, sondern ein Film, bei dem man sich auch hinterher Gedanken macht, da er die Tiefe und die Unberechenbarkeit der menschlichen Psyche widerspiegelt.
Die Regie von François Ozon, der auch das Drehbuch geschrieben hat (nach dem Stück El chico de la última fila von Juan Mayorga), führt dazu, dass man auch als Zuschauer Bedenken bekommt, ob die Fortsetzungen der Geschichten des Claude Garcia real sind oder doch nur Fiktion. „Fortsetzung folgt...“
Cansu Yașar
Ein verführerischer Parasit

Ein Parasit, getarnt als ein harmloser Junge, der sich von anderen Lebewesen ernährt und diesen dabei Schaden zufügt.
Ein Haus, eine Familie, ein Junge und ein verbitterter, alter Französischlehrer. Wie die Nadel im Heuhaufen scheint es, als der Lehrer den jungen, talentierten, aber auch hemmungslosen 16-jährigen Schüler Claude gefunden hat. Er behandelt ihn wie den Sohn, den er nie kriegen konnte, und führt ihn in die Geheimnisse des Beobachtens ein. Nichts ahnend zerstört er dabei seine Lehrerkarriere und die Familie des ebenso ahnungslosen Raphael.
Turan Abbasli







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