Schirmherr Andreas Dresen wünschte sich für das Studierenden-Filmfestival Sehsüchte nicht zuletzt Anarchie und Chaos. Und manche der Filme geraten tatsächlich in ein spannendes Wanken: Eine klischeebedrohte Prekariatsdoku spinnt allmählich feine Fiktionen, und eine Kamera entdeckt unverhofft ein menschliches Zuviel im Bett.
Special
In Dänemark kichern die Jungs über Tinder, in Bulgarien hat Gott aufgehört zu antworten, und in Rumänien stehen drei Frauen unter einer Brücke: Über drei Filme aus dem Spielfilm-Wettbewerb des Crossing-Europe-Festivals in Linz. Special
Der Schriftsteller Jonathan Littell hat einen Film über die Lord’s Resistance Army in Uganda gedreht. Eine monumentale Dokumentation, die das Grauen des Krieges ganz beiläufig entstehen lässt. Filmkritik
Kaiju-Ästhetik trifft Polit-Soap: In Shin Godzilla kämpft eine Koalition aus Wissenschaft und Politik gegen die bisher größte Inkarnation des nuklearen Ungeheuers und für japanische Souveränität. Filmkritik
Passionsgeschichte in Close-ups: Die Kamera hält aufs Gesicht einer Vierzehnjährigen, die einen Familienhaushalt schmeißen muss – und bleibt in der Schwebe zwischen unbeteiligter Beobachterin und Erfüllungsgehilfin eines Traums. Filmkritik
Neu auf Netflix: In Deutschland war Sam Raimis Debütfilm Tanz der Teufel einst Synonym für alles, was verboten und jugendgefährdend war – und demnach unbedingt gesehen werden musste. Damit ist es jetzt vorbei. Filmkritik
Ein Leben lang am Milchshake nuckeln: The Founder schildert die Entstehung von McDonald’s als Geschichte einer ungehemmten Expansion und erforscht am Rande die Gründe unseres Verlangens nach Nuggets und Happy Meal. Filmkritik
Ein Film ohne Untertitel in einer Sprache, die keiner mehr spricht. Klingt mutiger, als Der Mann aus dem Eis tatsächlich ist. Filmkritik
Die Aufmerksamkeit wecken, die Aufmerksamkeit zerreiben: Laura Israel montiert ein atemloses Porträt des großen Fotografen, der auf sein eigenes Werk mit der Bohrmaschine losgeht. Filmkritik
Ein Jahr nach seiner umjubelten Premiere kommt Nate Parkers ambitionierter Film über einen Sklavenaufstand wie ein geprügelter Hund in die deutschen Kinos – nach der enthüllten Verwicklung des Regisseurs in einen Vergewaltigungsfall, einem Flop an den Kassen und einem Kritiker-Backlash. Versuch eines eigenen Bildes. Filmkritik