Weltabgewandtheit einmal anders: Ein junger bhutanischer Mönch hängt zu viel vorm Smartphone und lernt im Chat eine Sängerin kennen. Der Blick auf diesen verlorenen Sohn im Dokumentarfilm Sing Me a Song ist distanziert-liebevoll und ein wenig ratlos. Filmkritik
DVD: Plansequenz mit Zeitreisen. In seinem Regiedebüt stürzt Junta Yamaguchi einen Cafébetreiber mittels zweier magischer Webcams ins Chaos. Die logistische Mammutaufgabe stört zu keiner Zeit die verspielte Leidenschaft von Beyond the Infinite Two Minutes. Filmkritik
Lady Gaga als I-Tüpfelchen auf einem lustvollen Trip durch eine wahre Familiengeschichte. Der operettenhafte Overload von House of Gucci sollte Ridley Scott endgültig den längst verdienten Ruf des vulgären Künstlers einbringen. Filmkritik
Mediatheken-Tipp: Benedatta hat Körperkontakt mit Jesus und saugt an der Brust einer Marienstatue. Paul Verhoevens Schlüssellochblick hinter Klostermauern des 17. Jahrhunderts schielt auf ein Arthouse-Publikum, lässt sich aber das Bürgerschreckhafte nicht nehmen. Filmkritik
Zum ersten Mal auf Blu-ray: In Georg Tresslers zwischen Heimat- und Horrorfilm pendelndem Sukkubus - Den Teufel im Leib (1989) werden drei Berghirten von einem nackten Lustdämon terrorisiert. Das Parodistische bleibt implizit, die lüsternen Schweinereien sehen fast nach großbudgetiertem Kino aus. Filmkritik
Ein falscher Messias in strahlendem Weiß, Kellerkinder, die den Aufstand proben, und Dreck, der das Saubere befleckt: Aus diesen Zutaten macht A Pure Place kein Drama, sondern eine Farce. Filmkritik
Kodi Smit-McPhee lässt Benedict Cumberbatch an einer Zigarette ziehen, der begleitet Kirsten Dunst ungefragt auf dem Banjo. Über Blicke und Gegenstände loten die Figuren in Jane Campions Western The Power of the Dog die Machtverhältnisse aus. Filmkritik
In Gábor Altorjas DDR-Dystopie von 1983 fliegt Udo Kier über Kuckucksnest. Das neu restaurierte psychedelische Stück Zeitgeschichte widmet sich weniger der Systemfrage als grundsätzlichen Ideen von Widerstand und Flucht. Filmkritik
Perspektive statt Thema: Das Film Restored Festival suchte in diesem Jahr die Erfahrung der Migration ins Zentrum zu stellen und ließ von dort aus den Blick schweifen: von Wolfsburg nach Bali, von Helsinki nach Frankfurt. Und warf auch filmpolitische Fragen auf. Special
Die Wirklichkeit als Wunderland: Mit neuen Indizien und Lewis-Carroll-Referenzen spinnt Oliver Stone in JFK Revisited die Fäden aus Tatort Dallas weiter und will aus Verschwörungstheorien Verschwörungstatsachen machen. Filmkritik