Werkschau Nikolaus Geyrhalter
In die Ferne schweifen, oder auch nur an die Donau. Nikolaus Geyrhalter zeigt uns Orte, die wir nicht kennen. Vom 8. bis 20. Mai widmet ihm das Berliner Arsenal eine Retrospektive.

Durch eine Dokumentation lernt man im Idealfall etwas, was man vorher noch nicht wusste. Frederick Wiseman etwa beleuchtet in seinen Filmen Institutionen, die zwar jeder kennt, aber nur wenige von innen gesehen haben. Mit dem österreichischen Regisseur Nikolaus Geyrhalter verhält es sich anders. Er widmet sich in seiner Arbeit entlegenen Orten, die man entweder gar nicht kennt oder zumindest mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht besucht hat. In Elsewhere (2001) nimmt der Regisseur das neue Jahrtausend zum Anlass für eine einjährige Rundreise durch die vergessenen Regionen dieser Welt und zeigt, wie die Menschen dort leben und arbeiten – manchmal völlig isoliert von einer Gemeinschaft, beschäftigt mit anderen Problemen und ständig vom Verlust der Tradition bedroht. Geyrhalter setzt dies einerseits mit entschiedenem Realismus (kein Voice-over, keine Musik) um, andererseits aber auch mit einem ausgeprägten Stilbewusstsein (statische Einstellungen, symmetrische Bildkompositionen), das die Präsenz der Kamera nie zu verschleiern versucht.

Das Fremde muss in Geyrhalters Filmen jedoch nicht in der Ferne liegen. Sein Debüt Angeschwemmt (1994) widmet sich etwa den Fischern, Migranten, Soldaten und Mönchen, die es sich an den Ufern der Donau – gar nicht so weit von Wien entfernt – eingerichtet haben. Sein neuestes, auf der diesjährigen Berlinale präsentiertes Langzeitprojekt Über die Jahre findet seine Parallelwelt im niederösterreichischen Waldviertel. Über zehn Jahre folgt der Film den Angestellten einer Textilfabrik, in der eines Tages die Maschinen stillstehen. Mit aufrichtigem Interesse für die Betroffenen begleitet die Dokumentation sie auf ihrem weiteren Weg. Mit Über die Jahre eröffnet heute im Berliner Arsenal eine Werkschau, die bis zum 20. Mai Geyrhalters Filme präsentiert. Am Eröffnungswochenende wird der Regisseur mit seinem Cutter Wolfgang Widerhofer bei allen Vorführungen anwesend sein. Zusätzlich gibt es am Sonntag um 17:00 Uhr ein Werkstattgespräch bei freiem Eintritt.
Das gesamte Programm gibt es hier




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