The Revolution that wasn’t

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blickte Russland hoffnungsvoll in einer bessere Zukunft. Das Berliner Arsenal präsentiert im April eine Reihe mit verschiedenen dokumentarischen Positionen, die sich der post-revolutionären Wirklichkeit widmen.

The Event

Auf den Straßen des damaligen Leningrad schieben sich die Menschen planlos durch die Straßen. Wir schreiben das Jahr 1991. Ein laienhafter Putschversuch reaktionärer Kommunisten führt zunächst zu einem dreitägigen Ausnahmezustand und anschließend zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa verarbeitet in seinem nüchternen, mit sanfter Ironie montierten Found-Footage-Film The Event (Sobytie, 2014) Archivmaterial, das das St. Petersburger Dokumentarfilmstudio damals auf der Straße drehte. Den Revolutionskitsch treibt er den schwarz-weißen Bildern dabei gehörig aus. Was bei ihm im Mittelpunkt steht, ist vor allem eine orientierungslose Bevölkerung, der leere Versprechen gemacht werden. Die wirtschaftlichen Probleme, die sozialen Missstände und die politische Korruption sollen sich mit einem neuen Staat einfach von selbst erledigen.

Mr Cain

Am Freitag, den 1. April eröffnet Loznitsas Film die Reihe „The Revolution that wasn’t“ im Berliner Arsenal. Passenderweise, weil die von Tatiana Kirianova kuratierte Retrospektive verschiedene Positionen des russischen Dokumentarfilms vereint, die vom damaligen Augustputsch bis heute reichen. Viele der Regisseure, die sich mit unterschiedlichen Facetten der post-revolutionären russischen Wirklichkeit auseinandersetzen, sind im Westen kaum bekannt. Etwa Askold Kurov, der das letzte verbleibende Lenin-Museum besucht (Leninland), Aliona Polunina, die zwei Mitglieder der mittlerweile verbotenen Nationalbolschewistischen Partei porträtiert (The Revolution That Wasn’t), oder Antoine Cattin und Pavel Kostomarov, die dem aufopferungsvollen Überlebenskampf einer alleinerziehenden Mutter in der Provinz ein Denkmal setzen (Die Mutter). Unter den prominenteren Regisseuren befinden sich Aleksandr Sokurov, der mit seinem Jelzin-Porträt An Example of Intonation (Primer Intonatsii, 1991) vertreten ist, sowie Loznitsa, von dem gleich mehrere Arbeiten auf dem Programm stehen. Letzterer wird neben anderen Gästen auch anwesend sein und seine Filme The Event und Portrait (Portret, 2002) persönlich vorstellen.

Das gesamte Programm gibt es hier

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