Berlinale 2011: The Drifters

Am ersten Tag des größten deutschen Filmfestivals können sich die Presseleute abgesehen vom Eröffnungsfilm vor allem in Vorführungen des Forums tummeln. Erstes Zwischenfazit: die Bandbreite ist groß, Tendenzen sind dennoch erkennbar.

Das kongolesische Kolpotrage-Stück Viva Riva! nimmt sich recht lustvoll klassischer Genreversatzstücke an, wirft dabei einen beachtlichen Blick auf das afrikanische Land und seinen Nachbarn. Geld und Korruption, das ist von Anfang bis Ende deutlich, dominieren so ein Land, bei dem die soziale Schere auseinandergeht, als hätte die FDP jahrzehntelang gewütet.

Während Viva Riva! der einladenden Berlinale vor allem ob seiner politischen Deutlichkeit gefallen haben dürfte, steht En terrains connus auch im Erzählstil deutlich in der Forum-Tradition. Diese Distanz zum Mainstream erfreut einen als geneigten Festivalbesucher zuallererst, ehe sich manche Beiträge dann darin erschöpfen. So weit geht der kanadische Film nicht, doch Regisseur Stéphane Lafleur lässt sich so viel Zeit bei seiner Erzählung um zwei Geschwister, die unglücklich und aus der Bahn geworfen sind, dass ein gewisses Driften auf der Leinwand auch den Zuschauer erfasst.

Stärker noch setzt dieser Effekt bei Hi-So ein, dem beachtlich eigenwilligen dritten Langfilm des Thailänders Aditya Assarat (im Pressetext ist sogar von einem "Film der Drifter" die Rede). In großartigen Sequenzen verfolgt der Film zwei aufeinanderfolgende Beziehungen eines Millionärssohns und angehenden Schauspielstars, ohne zu klären, in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.

Der in Deutschland gedrehte Swans sieht so aus, als hätte jemand versucht, einige Leitsätze der sogenannten Berliner Schule zu verfilmen - und als habe er vergessen, sie mit Leben zu füllen. Hier driften wieder Protagonist und Zuschauer, letzterer vermisst allerdings jegliche Dramaturgie und wird zum unfreiweilligen Opfer einer künstlerischen Ladehemmung.

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