Film & Philosophie: Les Unwanted de Europa

Flucht und die pechschwarze Nacht: Am Samstag, den 26.5.2018 zeigt die Volksbühne Fabrizio Ferraros Essayfilm über Walter Benjamin und einen klandestinen Weg durch die Pyrenäen.

Die Filmhandlung beginnt mit einer langen, merkwürdigen, faszinierenden Einstellung. Zwei Menschen gehen an einem Ufer entlang, der Hintergrund verändert sich kaum, Wasser fließt von rechts nach links, die Kamera bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung und folgt dabei den beiden Protagonisten. Sie scheinen auf der Stelle zu treten. Eine Stimme, es könnte die der im Bild zu sehenden Frau sein, spricht von einem Fluchtplan. Der Mann schweigt. In der zweiten Einstellung drohen Landschaft und Gebäude die beiden zu schlucken. Fabrizio Ferraros Les Unwanted de Europa, der am Samstag einmalig in der Berliner Volksbühne zu sehen ist, ist ein Film, der um Mysterien herum gebaut ist. Oder genauer gesagt: Der von der Unmöglichkeit erzählt, historische Wirklichkeit in Spielfilmform zu gießen.

In einer Mischung aus Essay, Erfahrungsexperiment und dann doch Spielfilm zeigt er Walter Benjamin auf seiner Flucht über die Pyrenäen vor den Nationalsozialisten. Heute ist der Weg, den er damals antrat, nach ihm benannt. Doch von Heldentum weiß Les Unwanted nichts. Stattdessen Schwarz-Weiß-Bilder, die stellenweise tranceartige Effekte erzielen. Überhaupt hat Ferraro einen Film gemacht, den man nur im abgedunkelten Saal mit großer Leinwand wirklich wahrnehmen kann. So dunkel sind einige Szenen, die nicht durch Aufregung oder Hast ein Leben auf der Flucht einzufangen versuchen, sondern das Klandestine in die pechschwarze Nacht übersetzen.

Nach seiner Premiere beim Festival von Rotterdam wird der Film nun einmalig in Berlin am Samstag, den 26.5.2018 um 20 Uhr gezeigt. Im Anschluss findet eine Diskussion mit Ferraro und dem Philosophen Georg W. Bertram (Professor für Ästhetik an der Freien Universität) statt.

Die Vorführung findet in Zusammenarbeit mit critic.de statt und wird von Frédéric Jaeger moderiert.

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Website der Volksbühne

Ankündigung der Volksbühne:

Film & Philosophie
Fabrizio Ferraro: Les Unwanted de Europa
Deutschland-Premiere

8 / 6 €

Samstag, 26.05.18, 20:00

Les Unwanted de Europa, 2017, 111’, DCP
Regie: Fabrizio Ferraro
Französisch, Deutsch, Katalanisch mit englischen Untertiteln

Film-Screening und Diskussion über die Philosophie des Kinos und das Kino der Philosophie mit Fabrizio Ferraro und Georg W. Bertram (FU Berlin), moderiert von Frédéric Jaeger. Die Diskussion findet auf Deutsch statt.

Ein Philosoph, das Exil, die Flucht - mitten in Europa, in berstendem Schwarz-Weiß und intensiven Plansequenzen. Ein historisches Ereignis, weit weg und unmittelbar zugleich.

Was kann das Kino über die Philosophie vermitteln, erzählen, von ihr heraufbeschwören? Welche Philosophie kann Schlüssel geben, um sich der Erfahrung des Kinos anzunähern? Gemeinsam mit dem Professor für Ästhetik Georg W. Bertram (u.a. "Kunst als menschliche Praxis") und Regisseur Fabrizio Ferraro wollen wir uns den Ungewollten Europas und ihrem ästhetischen Entwurf in einem filmphilosophischen Gespräch widmen.

Les Unwanted de Europa

Der Film, der in leuchtendem Schwarz und Weiß entlang der Hügel der südöstlichen Pyrenäen gedreht wurde, zeichnet die letzten Tage des Philosophen Walter Benjamin nach, während er von Frankreich nach Spanien flieht, um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen. In geduldigen Schritten und mit nur wenig Dialog nimmt Benjamin eine kleine Gruppe von Geflüchteten auf, und gemeinsam machen sie sich auf den Weg durch die üppige, imposante Landschaft. Indem er lange Passagen aus stillen Beobachtungen mit kurzen Dialogen und mitreißenden, von John Cage vertonten Interludien kombiniert, verlässt Ferraro traditionelle narrative Wege. Auf diese Weise gestaltet er Benjamins Reise eher kontemplativ und zeigt zugleich die Resonanzen mit Europas anhaltender Flüchtlingskrise auf. In Anklang an Stimmung und Ästhetik von Albert Serras früher Folklore-Neuinterpretationen (Honor of the Knights, Birdsong) weist Les Unwanted de Europa Ferraro als einen Künstler mit ausgeprägtem Gespür für filmische Zeit und historisches Gedächtnis aus. (Jordan Cronk, Film Comment)

Mit: Euplemio Macrì, Catarina Wallenstein, Marco Teti, Bruno Duchêne, Pau Riba, Vicenç Altaió, Marta Reggio

Kamera: Giancarlo Leggeri

Ton: Amanda Villavieja, Erwan Kerzanet, Francesco Principini, Albert Roig

Künstlerische Leitung & Kostüme: Sebastian Vogler

Produziert von Passepartout (Italien), Eddie Saeta (Spanien) und RAI Cinema.

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