Dreileben am Montag im TV
Nur wenige Tage, nachdem Dominik Grafs großartiger Polizeiruf 110 Beitrag Cassandras Warnung Fernsehpremiere feierte, legt die ARD nach: Dreileben vereint mit Graf und Christian Petzold die beiden herausragenden deutschen Filmemacher. Mit im Boot haben sie den Revolver-Autor Christoph Hochhäusler, der sich gerne an Debatten beteiligt und auch jene über die Berliner Schule lostrat, welche im gemeinsamen Filmprojekt mündete.
Petzolds Etwas Besseres als den Tod beginnt mit den Überwachungskameras, die immer auch Farocki mitdenken, und endet ganz bei sich, auf der Landstraße, beim Autofahren, an einem Scheideweg. Zwischendurch immer wieder die Wege, hier Laufstrecken, die Menschen zurücklegen müssen. Das Wasser, die Brücken. Viele Geräusche – Hubschrauber, Polizeisirenen, ungewöhnlich viel Musik, und dann „Cry me a river“.
Grafs Komm mir nicht nach ist das Mittel- und Herzstück des Werks. Hier spricht der Regisseur selbst, läuft Petzold durchs Bild, ist die sich anbahnende Erfolgsgeschichte von Hannover 96 verewigt. Der Film hat noch vieles mehr zu bieten, unter anderem sensationelle Dialoge von Graf und Markus Busch. Komm mir nicht nach ist überhaupt so gut geschrieben, dass er auch als Literatur oder Hörbuch funktionieren würde.
Auch bei Hochhäusler immer wieder das Überwachungsvideo, hier dient es zum twist. Eine Minute Dunkelheit mäandert, verfolgt erfolgreich die Spur eines schwerhörigen gebrechlichen Polizisten, heftet sich parallel an die Fährte eines vermeintlichen Serienkillers. Da gibt es durchaus großartige Aufnahmen, etwa bei einer unspektakulären und einer spektakulären Flucht.
Drei Filme, die kein Ganzes ergeben, aber jede Menge Berührungspunkte aufzeigen: Thoreaus Walden auf Deutsch, nicht so explizit wie in Es geschah am hellichten Tag, aber – auch sicherlich dank der Kameraarbeit Reinhold Vorschneiders – in Reminiszenz an den überragenden Räuber von Hochhäuslers Revolver-Kollegen Benjamin Heisenberg.
Die ARD strahl Dreileben am Montag, den 29.08.2011 ab 20h15 aus.




Kommentare zu „Dreileben am Montag im TV“
Hoerst-Röhl, Friederike
Es wäre wohl besser gewesen nicht alle drei Filme hintereinander zu zeigen. So viele Stunden vor der Glotze hält man beim besten Willen nicht durch. Keine Ahnung, wer sich so was ausdenkt. "Etwas Besseres als den Tod" hätte mehr Tempo vertragen. Da konnte auch die gute Schauspielbesetzung nichts mehr retten. Es muss ja kein Szenenwechsel wie bei "Lola rennt" sein, aber derart einschläfern muss man sich als Zuschauer ja auch nicht lassen. "Komm mir nicht nach" war da schon überraschend besser vom Inhalt, von den Dialogen sowie vom Temperament. Man hätte diesen Film auf den ersten Sendeplatz setzen sollen, dann hätte man mit der übrigen Zeit "Etwas Besseres als die Langeweile" gehabt. Den dritten Film("Eine Minute Dunkelheit") habe ich mir dann erspart und gegen "Mehrere Stunden Schlaf" getauscht. Alles in allem hätte ich mehr Übereinstimmung des Inhalts in allen 3 Filmen erwartet, mehr vom Mädchenmörder und den Fragen nach den Hintergründen. Wenn das also hohe Qualität im ARD gewesen sein soll, dann ist wohl die Qualität insgesamt gesunken. Einzig Dominik Graf hat mich überzeugt.