Doku.Arts 2016
Vom 6. bis zum 23. Oktober präsentiert das Berliner Festival Doku.Arts zum zehnten Mal Dokumentarfilme über Kunst. Die neueste Regiearbeit von Rithy Panh ist ein guter Grund, das Zeughauskino zu besuchen – aber längst nicht der einzige.

Den kambodschanischen Regisseur Rithy Panh zieht es thematisch immer wieder zum Schreckensregime der Roten Khmer. Mal entsteht durch seine Beschäftigung mit der dunklen Vergangenheit ein Spielfilm wie Rice People (1994) – der sich dem harten Alltag einer Bauernfamilie nach der Vertreibung des Diktators Pol Pot widmet –, mal ein Essayfilm wie The Missing Image (2013), der mithilfe von Tonfiguren Panhs Kindheit in einem Arbeitslager rekonstruiert. Bei der neuesten Arbeit des Regisseurs handelt es sich wohl um seinen bisher persönlichsten Film, weil er den Zuschauer direkt in Panhs komplexe Gedankenwelt wirft. Exil verarbeitet dokumentarisches Archivmaterial, stilisierte Spielszenen und poetische Reflexionen über die eigene Migrationserfahrung zu einem anregend überfordernden Bewusstseinsstrom.

Das Berliner Festival Doku.Arts präsentiert nun schon seit zehn Jahren dokumentarische Filme über Künstler, künstlerische Schaffensprozesse sowie die sozialen, politischen und ästhetischen Bedingungen, unter denen Kunst entsteht. Zum Jubiläum legt das Festival bei seinen 22 neuen Produktionen einen Schwerpunkt auf den Essayfilm, weshalb auch Exil auf dem Programm steht, ein besonders gelungenes Beispiel dieser Gattung. Gleich einen Tag nach der Eröffnung, am Freitag, den 7.10., findet außerdem ein Symposium statt, das sich mit den „Herstellungszusammenhängen und der Zukunft von Essayfilmen auseinandersetzt“. (Das Line-up kann man hier einsehen)

Auch neben diesen beiden Programmpunkten gibt es einige Gründe, im Oktober das Zeughauskino zu besuchen. Beth B., deren Wurzeln im Umfeld der skandalträchtigen Cinema-of-Transgression-Bewegung liegen, hat einen Film über ihre Mutter gemacht – die Bildhauerin und Malerin Ida Applebroog. Vom Ansatz her vermutlich konventioneller, aber deshalb nicht zwangsläufig weniger interessant dürften zwei Dokumentationen sein, die sich dem Hollywood-Regisseur Sidney Lumet und dem Experimentalfilm-Berserker Paul Sharits widmen.

Die recht einzigartige Kollaboration Film (1964), bei der Samuel Beckett das Drehbuch verfasste und Buster Keaton vor der Kamera stand, wird in Ross Lipmans Notfilm: A Kino-Essay by Ross Lipman von verschiedenen Seiten beleuchtet. Und Bill Morrisso blickt in seiner neuen Arbeit in ungewohnter Weise auf ein bekanntes Kapitel in der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Beyond Zero: 1914-1918 verarbeitet Archivmaterial aus dem Ersten Weltkrieg zu einem psychedelischen Höllentrip, bei dem die Zerstörung des Krieg im abgenutzten Zelluloid ihre Entsprechung findet.
Das gesamte Programm gibt es hier: http://www.dhm.de/zeughauskino/filmreihen/dokuarts.html




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