Woody Allen: Die letzte Nacht des Boris Gruschenko, Innenleben & Der Schläfer

Drei Filme von Woody Allen auf ARD, die fast in Abfolge entstanden und die Vielseitigkeit des Mannes bestens unter Beweis stellen: Der Schläfer (Sleeper, 1973) entwirft eine Sci-fi-Zukunftsvision angesiedelt im Jahre 2174. Jazzmusiker Miles Monroe (Allen) erwacht hier nach zwei Jahrhunderten des Tiefschlafs und avanciert eher per Zufall zum Widerstandskämpfer gegen den totalitären amerikanischen Staat.
Weniger stilisiert, aber gleichermaßen voller skurrilem Wortwitz ist der in historischer Verkleidung daherkommende Nachfolger Die letzte Nacht des Boris Gruschenko (Love and Death, 1975), in dem Allen Motive des russischen Romans auf die Schippe nimmt. Er selbst tritt auf als Boris Gruschenko, eingekerkert während Napoleons Russland-Feldzug. Gags kreisen um Schlachtszenen, Gevatter Tod, Tolstoi und Dostojevski, und garantieren den üblichen Slapstickspaß Allens.
Nach Der Stadtneurotiker (Annie Hall, 1977) zog der Regisseur wieder neue Register, diesmal jedoch nicht als Darsteller mitwirkend: Innenleben (Interiors, 1978, s. Bild) schlägt weitestgehend ernsthafte Töne an und erkundet mit lyrischer Präzision die Disintegration einer amerikanischen Mittelklassefamilie. Im Fokus stehen drei Schwestern (Diane Keaton, Kristin Griffith und Mary Beth Hurt), die nach der elterlichen Trennung ihre Beziehungen zueinander neu ordnen müssen. Oberflächlich gesehen mag der Film Allens erklärtem Vorbild Bergman nachempfunden sein, gerät aber keinesfalls zu einem Pastiche und kann vielmehr als eine ganz eigenständige Ausarbeitung von bestimmten Ansätzen des Schwedens gelten. (kst)
Foto: © ARD Degeto
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