Der Klavierstimmer der Erdbeben
Vielleicht versteht man Der Klavierstimmer der Erdbeben (The Piano Tuner of Earthquakes, 2005) am besten als eine auf Spielfilmlänge ausgedehnte Weiterführung der künstlerischen Interessen der Quay-Zwillinge – das Narrative löst sich hier ebenfalls in den Bildern auf, und obwohl neben den animierten Puppen Schauspieler agieren, reihen sie sich doch nur ein als weitere Objekte im wundersamen Mikrokosmos der Quays.

Das größtenteils Kurzfilme umfassende Oeuvre der Quay Brothers schöpft seit jeher aus bestimmten literarischen und visuellen Traditionen: So finden sich neben dem Expressionismus und Surrealismus unter anderem Motive aus der Welt des Märchens und eine Anlehnung an das Werk des tschechischen Animationsmeisters Švankmajer. Bei Der Klavierstimmer der Erdbeben stand Böcklins Gemälde der Toteninsel Pate, und genauso unheimlich eingefroren und zeitlos mutet auch die entfärbte Landschaft an, in die die schöne Opernsängerin Malvina (Amira Casar) vom wahnsinnigen Dr Droz (Gottfried John) verschleppt wird. Zu ihrer Rettung kommt der Klavierstimmer Felisberto (Cesar Sarachu), der dorthin bestellt wurde, um Drozs seltsame Musikautomaten zu reparieren. Das Mechanische steht bei den Quays stets neben dem oft im Zerfall begriffenen Organischen, das ist in dieser mythischen Gothic-Fabel nicht anders. Und letztlich zollen die Brüder mit ihr wieder einmal dem phantasmagorischen Potential des Kinos Tribut. (kst)
Seite druckenFoto: © ZDF/Nic Knowland
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Kommentare zu „Der Klavierstimmer der Erdbeben“
Martin Z.
Der Film besitzt die Logik von Träumen. Manches erinnert an die Filme von Cocteau. Im Handlungsverlauf erscheint alles möglich. Nichts Genaues weiß man nicht. Düstere, nur schwer auszumachende Bildkompositionen bringen unerwartete Dialoge und Wendungen, die sich einem nicht leicht erschließen. Alles durchwabert eine sonderbare Musik, oder sind es eher Geräusche? Man ahnt mit der Zeit, dass die Pappmachékulissen eine Art Wald innerhalb einer Nervenheilanstalt darstellen sollen. Und ein Klavierstimmer wurde beauftragt hydraulische Musikautomaten zu reparieren. Dabei umschweben ihn zwei sich ähnelnde Frauen; in eine davon verliebt er sich wohl und will sie retten. . . .
Es ist voll Arthouse, das nicht jeder als künstlerisch wertvoll einordnen wird. Und falls der Durchblick fehlt und um der geistigen Verstopfung zu entgehen sollte man zu einem Laxativ greifen. Vielleicht ein Pfeifchen Hasch…