Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen

Keine Orientierung, keine Gewissheiten, keine Sicherheiten.

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Der Sonntagabendkrimi ist ein Ritual. Das Format verspricht zusätzliche Sicherheit. Die Inszenierung passt sich dem an: Formalisiert geht es vom Tatort ins Polizeibüro, in den Dienst-BMW, zum Zeugen, zum Verdächtigen … bis hin zur Aufklärung.
Niemanden kümmert die Hülle, denn auf die launigen Sprüche des Ermittlerduos und auf das „brisante“ gesellschaftliche Thema der Woche kommt es an. Tatort als Spiegel der Gesellschaft, oder eben doch als Heraufbeschwörung des Erzkonservativismus. Dazu gibt es viele und gute Abhandlungen.

Doch alle paar Monate werden die Zuschauer aus ihrer Routine und Gemütlichkeit gerissen. Das passiert, wenn Regisseure wie Dominik Graf oder jetzt Jan Bonny sich des Formats annehmen, es abtasten, aushöhlen, im vermeintlichen Formalismus plötzlich etwas anderes, Fundamentales, etwas Zählbares finden. Häufig handelt es sich dann um einen Polizeiruf, häufig um ein Buch von Günter Schütter.

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Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) muss zur Psychotante. Zu unorthodox der Mann. Kollegen lugen an der Tür, begackern sich. Surreal all das, diese überzeichnete Seelenklempnerin, der fröhlichdreist lügende Beamte, die infantilen Kollegen. Übergangslos fallen die Szenerien in eins; plötzlich soll van Meuffels intern ermitteln, bei den Kollegen von der PI 25 ist eine „Transe“ gestorben. Der Polizist bewegt sich im Kreis, zwischen unwirtlichen hyperrealistischen Behördengebäuden und einem zwischen Metropole und Kleinstadt mäandernden München.
Schütter und Bonny haben einen Polizeiruf kreiert, der dem Zuschauer keine Orientierung, keine Gewissheiten und keine Sicherheiten mehr schenkt. Das ist mal ein Sonntagabend! (sk)

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