Orson Welles: Der Prozeß, Die Spur des Fremden

Unter seinen Filmen schätzte Orson Welles besonders Der Prozeß (Le Procès), der 1963 in Europa als lupenreiner Autorenfilm unter Welles’ völliger Kontrolle entstand. Dem Film Noir Die Spur des Fremden (The Stranger), 1946 als Auftragsarbeit in Hollywood realisiert, stand er hingegen besonders kritisch gegenüber. Nun gibt das Fernsehen die Chance zur direkten Gegenüberstellung dieser beiden Pole: Für einen Kafka-Themenabend zeigt Arte heute um 0.00 Uhr den Prozeß, worin Welles Kafkas Vorlage in delirante Alptraum-Räume der Bürokratie, Autorität und Paranoia auflöst, bevölkert mit Anthony Perkins, Romy Schneider, Jeanne Moreau und ihm selbst. Der MDR dagegen zeigt Die Spur des Fremden in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 1.40 Uhr: Edward G. Robinson jagt einen Exil-Nazi (wieder Welles), der sich als respektierter Schullehrer in eine amerikanische Kleinstadt eingeschlichen hat. Obgleich von Welles nur abgeliefert zum Beweis, auch ohne besondere persönliche Eigenwilligkeiten für die Hollywood-Filmfabrik solide konventionelle Genre-Ware produzieren zu können, schafft er hier dennoch mittels ausdrucksstarker Bildkompositionen eine eindringliche Verwandlung der heilen, hellen Kleinstadt-Welt in einen dunklen Ort der Schatten, Schuld und (wieder) Paranoia, die weit über das ihm vorgesetzte Drehbuch hinausgeht. ()

Seite drucken

Sendetermine

, MDR

, Arte

Kommentare zu „Orson Welles: Der Prozeß, Die Spur des Fremden

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.