Netto

Von Mecker-Ossis und Besser-Wessis. 15 Jahre nach der Einheit begräbt Robert Thalheim solche Stereotype und erzählt eine universaltaugliche Geschichte vom Selbstbetrug.

Netto

Robert Thalheims mit dem Nachwuchspreis der Berlinale ausgezeichneter Debütfilm von 2005 verdeutlicht wie Marcels aus der Ferne gehegter Traum vom Westen mit der Wiedervereinigung geplatzt ist. 15 Jahre später hat ihm die gründlich missverstandene Verheißung eines Anything Goes keinen Erfolg beschert. Nicht dazu bereit, sich dem tatsächlichen Grundbetrag seines Lebens zu stellen, verharrt Marcel (Milan Peschel) in unrealistischen Plänen. Als sein 15(!) jähriger lebenstüchtiger Sohn Sebastian (Sebastian Butz) bei ihm einzieht treten Marcels Lebenslügen konfliktreich zutage.

Ostdeutsche Country-Musik von Peter Tschernig ist eines der wenigen Überbleibsel seines verklärten Traums vom Westen. Das Bild vom Westen entspringt in Netto vor allem Marcels Weltsicht: Dort sind die Reichen, die Smarten, die Arroganten und die Schönen. Die Überzeichnung des schnöseligen Schöneberger Besser-Wessi ist amüsant und einer der komödiantischen Aspekte des tragikkomischen Films.

Die improvisiert wirkenden, ungeschliffenen Dialoge, verleihen dem darüber hinaus mit wackeliger Hand-Video-Kamera und vielen Nahaufnahmen operierenden Netto etwas Authentisch-Alltägliches. Sie verweisen auf das, was hinter dem Informationswert der Sprache liegt. (nbk)

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Fotos: © ZDF / Yoliswa Gärtig

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