Krzysztof Kieslowski: Drei Farben-Trilogie

Kieslowskis Dekalog (1988-1989) dramatisierte die Zehn Gebote, anschließend widmete er sich mit ebenso großem Erfolg und seiner charakteristischen Mischung aus Skepsis und Humanismus einer Umsetzung der Ideale der Französischen Revolution. Drei Farben: Blau (Trois couleurs: Bleu, 1993), der erste Teil von Kieslowskis Trilogie, ist eine faszinierende Studie über Freiheitskonzepte in der modernen Gesellschaft und schafft mit Farbgebung und Musik einen ganz subjektiven Leinwandkosmos: Nach dem Unfalltod ihrer Familie versucht sich Julie Vignon (Juliette Binoche) eine neue, anonyme Existenz in Unabhängigkeit von ihrem früheren Leben zu erschaffen. In der schwarzen Komödie Drei Farben: Weiß (Trzy kolory: Bia?y, 1993) untersucht Kieslowski Vorstellungen von politischer und persönlicher Gleichheit im Polen seiner Zeit und am Beispiel eines Mannes, der gerade von seiner Ehefrau verlassen wurde. Ein unsentimentaler Film mit gegen Ende ebenso lyrischen Momenten. Der das Ideal von Brüderlichkeit behandelnde Drei Farben: Rot (Trois couleurs: Rouge, 1994) beschließt die Trilogie und ist womöglich ihr Meisterwerk: Der Regisseur taucht hier in verschiedene Leben ein, zentriert sich aber maßgeblich auf die Begegnung zwischen einem jungen Model und einem alternden Richter. Kieslowskis letzter Film vor seinem Tod im Jahre 1996 besticht durch formale Brillanz, die die abstrakten Entwürfe von heutigen Entfremdungsformen mit großer Klarheit illustriert. (kst)
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