Zwei Schwestern
Kim Je-Woons koreanischer Horrorfilm variiert das klassische Märchenthema von der bösen Stiefmutter, an deren Hand ein Geschwisterpaar leiden muss. Doch da hören die Referenzen nicht auf.

Zwei Schwestern (Janghwa, Hongryeon, 2003) spielt in einem modernen Spukhaus, das eine unliebsame Geschichte hat, die wir nicht kennen, die aber jede Einstellung von Beginn an beklemmend penetriert und sich bald in bedrohlichen Erscheinungen veräußerlicht. Man fühlt sich an Kubricks Shining (1980) erinnert. Die satte Farbgebung der Innenräume, an sich nichts Ungewöhnliches im asiatischen Kino, erinnert hier an den italienischen Horrormeister Bava. Der Vater und Ehemann bleibt durchweg passiv und der Film wird somit von den drei weiblichen Figuren dominiert – die Motive von toten, blutüberströmten, schließlich kurz gar menstruierenden Mädchen lassen einen Richtungswechsel ins Fach des Körperhorrors vermuten. Doch dann kommt alles noch mal ganz anders, sobald sich die unbekannte, verdrängte Vorgeschichte langsam zur Vergangenheit der Protagonistinnen zusammenfügt. Und auf dem Weg dorthin darf man sich gehörig fürchten. (kst)
Foto: © Arte F
Sendetermine
Nacht von Do auf Fr, 02.10-03.10.2008, 03:00 Uhr, Arte
Nacht von Fr auf Sa, 19.09-20.09.2008, 03:00 Uhr, Arte
Fr 12.09.2008, 23:25 Uhr, Arte
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
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Kommentare zu Zwei Schwestern
Martin Z. 09.06.2011 18:49
Mit Logik ist dem Film nicht beizukommen. Manche tun die Handlung mit innerhäuslicher Gewalt beziehungsweise mit pubertären Fantastereien ab. Und für diese und andere Sehweisen gibt es wahrlich Anhaltspunkte genug. Doch je länger man zuschaut, desto mehr wird man in den Bann des Horrors gezogen. Und man beginnt sogar einige Facetten zu verstehen. Die Geräusche beziehungsweise die akustische Untermalung tragen neben den schockierend schnellen Überraschungsschnitten dazu bei, dass sich ein Gänsehaut-Feeling einstellt.
Da ist zunächst die böse Rabenmutter, die wir aus unseren Märchen kennen, die von den beiden – oder ist es doch nur eine – Stieftochter /Töchter gehasst wird und umgekehrt. Beide Seiten liefern sich blutige Auseinandersetzungen: es kommt zu Mord und Todschlag – oder spielt sich das Ganze nur im Kopf der Akteure und der Zuschauer ab? Anders als bei anderen Filmen dieses Genres gibt es hier keine sichtbare Lösung oder keine Figur, die im Strudel der Ereignisse eine feste Größe ist, und die alles aufklärt. Darin liegt der Reiz des Films, über den man noch lange diskutieren kann.
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