Endstation Schafott

Der Bewährungshelfer als Gewissen des Systems in Gestalt von Jean Gabin in seiner letzten Rolle.

Endstation Schafott

Irgendwann wird jeder zu dem als den man ihn behandelt. Der ehemalige Bankräuber Gino Strabliggi (Alain Delon) macht diese Erfahrung. Als Vorzeigekandidat des Rehabilitationsprogramms provoziert ihn sein Gegenspieler Oberinspektor Goitreau (Michel Bouquet) zu einem fatalen Rückfall in die Täterschaft.

José Giovannis engagiertes Plädoyer gegen Behördenwillkür und die Todesstrafe unterscheidet sich von vergleichbaren heutigen Filmen vor allem dadurch dass diese Themen Anfang der 70er Jahre tatsächlich gesamtgesellschaftlich diskutiert wurden, also genuin politisch waren. Der appellative Charakter von Endstation Schafott (Deux Hommes Dans La Ville, 1973) ist hier noch nicht Masche, nicht rein auf Effekt bedachte Unterhaltung, wie in späteren Filmen gleichen Themas und besonders US-amerikanischer Art wie The Green Mile (1999).

Der Protagonist ist einem an Kafka erinnernden klaustrophobischen Universum ausgeliefert. Hier wie dort wird das gesellschaftliche, politische und Gerichtssystem mit der Metapher der Maschine dargestellt. (nbk)

Fotos: © Arte F

Sendetermine

Nacht von Sa auf So, 01.10-02.10.2011, 00:45 Uhr, NDR

Nacht von Fr auf Sa, 12.08-13.08.2011, 01:20 Uhr, Das Erste

Mo 04.04.2011, 23:30 Uhr, HR

Di 28.12.2010, 23:30 Uhr, HR

Nacht von Sa auf So, 13.11-14.11.2010, 01:10 Uhr, RBB

Nacht von Do auf Fr, 11.11-12.11.2010, 00:20 Uhr, ARD

Di 03.02.2009, 14:45 Uhr, Arte

Mo 26.01.2009, 21:00 Uhr, Arte

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Kommentare zu Endstation Schafott

Martin Z. 13.08.2011 13:03

Unter den zahllosen Gerichtsthrillern fällt hier die Sichtweise aus dem Rahmen: ein Ex-Knacki (Alain Delon) zwischen integrativer Sozialarbeit (Jean Gabin) und schikanöser Überwachung durch einen von Vorurteilen getriebenen Kommissar (Michel Bouquet), der ihn so heftig und so lange piesackt, bis er ausrastet. Hier gibt es nicht nur Action um der Action willen, sondern hier werden Sinnfragen gestellt. Gibt es den geborenen Verbrecher? Darf man nicht nur das Verbrechen an sich beurteilen, sondern muss man nicht auch seine Ursachen mit heranziehen? Und klafft da nicht die ewige Lücke zwischen Recht und Gerechtigkeit? Mildernde Umstände werden in ihr Gegenteil verkehrt und unmenschliche Zustände im Strafvollzug angeprangert. Zwei emotionale Tupfer beeindrucken besonders: am Anfang die ersten Schritte in die Freiheit. Da wird es dem Entlassenen fast schwindelig und am Ende der Gang zur titelgebenden Guillotine; fast wortlos und ohne Kommentar. Das System wird der Lächerlichkeit preisgegeben, wenn Geschworene einschlafen und der Richter Kreuzworträtsel löst.
Ein Gangsterdrama, das einen von der Erzählweise her menschlich berührt und schauspielerisch überzeugt, vor allem Alain Delon und das natürlich die Todesstrafe verurteilt. Spannung mit Tiefgang also, anspruchsvoll und gut gemacht.

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