Eine Frau ist eine Frau

„Lights, camera, action“ ruft eine Stimme und läutet Godards fröhliche Hommage an das amerikanische Musical ein, gleichsam einen Film, der seiner damaligen Gemahlin Anna Karina ein Denkmal setzt.

Jean-Luc Godard: Eine Frau ist eine Frau

Eine Frau ist eine Frau (Une femme est une femme, 1961) war Godards erster Film in Farbe und CinemaScope, wahlweise eine Komödie oder Tragödie über die Stripteasetänzerin Angela (Karina), die unbedingt ein Kind haben will, sei es von ihrem Lebensgefährten (Jean-Claude Brialy) oder dessen Freund (Jean-Paul Belmondo). Für das Publikum, vor dem sich das Trio nicht selten vor der Kamera verneigt, werden Gags inszeniert, Filme zitiert und Ständchen gesungen, alles vor der (Geräusch-)Kulisse eines eher tristen Pariser Arrondissements. Godard bezeichnete Eine Frau ist eine Frau dann auch als ‚neorealistisches Musical’.     (kst)

Sendetermine

, BR

, 3sat

, RBB

, Das Erste

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, 3 Sat

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Kommentare zu „Eine Frau ist eine Frau“


Martin Zopick

Der Inhalt dieses Films ist nicht so wichtig: Angela (Anna Karina) will von ihrem Freund Émile (Jean-Claude Brialy) ein Kind. Da der nicht will, droht sie ihm mit seinem Freund Alfred Lubitsch (sic!) (Jean-Paul Belmondo). Natürlich sieht man vom Machen nichts. Wir sind ja schließlich im Jahre 1961! Interessant ist das Innovative an Godards Film. Nicht die posenhaften Einlagen zur Musik oder die Betonung der Handlung durch den Soundtrack, nicht die Dialogstellen in Richtung Dada wie ‘Soll ich bleiben?‘ –‘Ja.‘ ‘Soll ich weggehen?‘ ‘Ja‘. Es ist die Machart: Filme werden nicht nur zitiert wie ‘Außer Atem‘ und ‘Vera Cruz‘, sondern die wirklichen Darsteller werden mit Cameos in die Handlung eingebunden. Belmondo fragt Jeanne Moreau an der Bar ‘Wie geht’s Jules und Jim?‘ und Marie Dubois formt mit drei Fingern eine Pistole und sagt ‘Schießen sie auf den Pianisten‘. Ungewöhnlich ist, dass manche Dialoge nur über Buchtitel gehen, andere werden mit der Zahnbürste im Mund geführt und ganze Erläuterungen werden erstmals schriftlich eingeblendet. Und ein Gag krönt die Vorstellung: die Flugeinlage von Anna Karinas Spiegelei. Ihre Gesangseinlagen sind nicht gerade ihre Stärke. Mehrmals kommt das Chanson von Charles Aznavour vor ‘Da lass dich geh’n‘. Das beschreibt allerdings die Phase die die beiden Liebenden noch vor sich haben. Denn am Ende landen Angela und Émile doch wieder gemeinsam im Bett. Am Ende beantwortet Angela die Frage ‘ Was ist eigentlich eine Frau?‘ mit dem Filmtitel.
Interessant und voll jugendlichen Elans.






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