Im Reich der Sinne

Nagisa Oshima: Im Reich der Sinne

Im Reich der Sinne (Ai No Corrida / L'Empire des Sens, 1976), Nagisa Oshimas Meilenstein des Erotikfilms, reduziert die Beziehung seiner Charaktere im obsessiven Liebesspiel auf seine Essenz. Fernab jeglicher Psychologisierung zeigt er den Rückzug des Paares von der soziopolitischen Realität Japans im Jahre 1936 in eine eigene, persönliche Welt der Ekstase, die zunehmend von der Transgression bis hin zur Selbstzerstörung reguliert wird. Als solches erforscht Oshima Sexualität im Bezugsrahmen Georges Batailles, der in ihr eine fundamentale Nähe von Eros und Thanatos sah und hervorhob. Oshimas Film arbeitet mit expliziten Bildern, erzielt jedoch durch formale Strenge gleichsam eine Distanz zu ihnen und führt fast nebenbei einen kalkulierten Diskurs über die Natur von Voyeurismus.   (kst)

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Kommentare zu „Im Reich der Sinne“


Martin Z.

Was in den 70er Jahren als Porno galt, der verboten wurde, schockiert uns vielleicht heute immer noch wegen der gewagten Kameraeinstellungen im Genitalbereich. Doch jetzt fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit mehr auf das intellektuelle Konstrukt von Nagisa Oshima. Er beschreibt die Entwicklung einer sexuellen Obsession. Die Schreie der Lust werden immer mehr von den Schreien der Schmerzen überdeckt. Gewalttätigkeit kommt hinzu. Logischerweise kann dann die letzte und höchste Lust erst bei gleichzeitig eintretendem Tod empfunden werden. Die Frage, die man sich dabei allerdings stellen kann, ist die: Überwiegt nicht der natürliche Überlebenswille des Menschen gegenüber dem Wunsch nach ultimativem Lustgewinn. Oshima gibt eine fürchterlich blutrünstige Antwort, obwohl er sie kurz davor noch durch einen Verfremdungseffekt abmildert. Egal, was man von dem gewagten Kunstwerk hält, unbestritten sind seine optischen Qualitäten.






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