Gegenüber

Jan Bonnys ungemein präzises Ehedrama Gegenüber (2007) ist ein Pflichttermin!

Gegenüber

Die aktuelle auf dem Filmfest München entflammte Diskussion über das Niveau junger deutscher Filme und ihrer Regisseure hat auch Gegenüber wieder ins Gedächtnis gerufen – dabei kann ohnehin niemand, der den Film einmal sah, ihn wieder verdrängen. 2007 hatten Christina Ebelt und Jan Bonny den Drehbuch-Förderpreis Deutscher Film erhalten. Ohne Übertreibung darf man behaupten, dass Bonnys Kinodebüt noch einige andere Auszeichnungen verdient hat.

Matthias Brandt und Victoria Trauttmansdorff spielen das vermeintlich glückliche Ehepaar Georg und Anne. Hinter verschlossenen Türen tut die Grundschullehrerin ihrem Mann Unvorstellbares an. Psychisch und vor allem physisch bringt sie Georg in Grenzbereiche. Schmerzen, die umso grausamer sind, als dass sie beinahe unausweichlich scheinen. Bonny nähert sich dieser Pathologie mit einer fast bestürzenden Einsicht. Seine Akteure agieren mit ungeheurem Mut, ohne Rücksicht auf sich selbst. Dem Schlagwort „häusliche Gewalt“ begegnen die am Film beteiligten Akteure nicht aus dem Klischeewinkel, was sich bereits in der Geschlechteranordnung andeutet. Sie legen es auch nicht auf Erklärungsmodelle an und schaffen es, trotz deutlicher Rollenverteilung, einer schematischen Aufteilung in Protagonisten und Antagonisten zu entgehen.

Gegenüber ist einer der schmerzhaftesten Filme der vergangenen Jahre und einer der sehenswertesten. (sk)

Sendetermine

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