Sie küssten und sie schlugen ihn

Der Film von morgen wird individuell und autobiographisch sein wie ein Tagebuch, schrieb François Truffaut während seiner Zeit als Filmkritiker. Sein eigenes Leben war immer auch der rote Faden für sein filmisches Werk, in dem sich die bedeutenden Momente seines Daseins zusammenfügten.

Sie küssten und sie schlugen ihn

Insbesondere in seinem Debütfilm Sie küssten und sie schlugen ihn (Les quatre cents coups), der auf den Filmfestspielen von Cannes 1959 den Regiepreis gewann und damit die kinoästhetische Revolution der Nouvelle Vague so richtig ins Rollen brachte, ist die autobiographische Dimension ganz eindeutig. Truffaut erzählt in der Geschichte des zwölfjährigen Antoine Doinel (Jean-Pierre Léaud) seine eigene schwierige Kindheit. Als uneheliches Kind von der Mutter ungeliebt und von den Erwachsenen unverstanden, reiht Antoine Streiche und Possen aneinander, bis er mit dem Diebstahl einer Schreibmaschine im Büro seines Stiefvaters den Bogen überspannt. Aufgrund der zahlreichen Parallelen zur Kindheit des Regisseurs wirkt der Film wie eine scharfe Abrechnung mit seiner familiären Vergangenheit. Indigniert brachen Truffauts Eltern nach dem Kinostart den Kontakt zu ihrem Sohn für drei Jahre ab. Sie küssten und sie schlugen ihn, dem vier weitere Filme über zwei Jahrzehnte folgen werden, eröffnet den Zyklus Antoine Doinel, der eine wahre éducation sentimentale des jungen Antoine als Alter Ego des Regisseurs erzählt. (as)

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