Die Frau nebenan

Mit Anleihen des Thrillers erforscht Truffauts vorletzter Film Abgründe im bourgeoisen Milieu, ein Feld, in dem sich sein Regiekollege und Landsmann Chabrol seit jeher verdient gemacht hat. Truffaut bleibt dabei aber ganz er selbst.

François Truffaut: Die Frau nebenan

Für viele von Truffauts männlichen Charakteren sind Frauen entweder Heilige oder Huren, oft sind sie nicht greifbar und werden deswegen umso mehr verehrt oder eben verdammt. Im Zentrum von Die Frau nebenan (La Femme d’à côté, 1981) steht eine beide Tendenzen vereinende L’Amour Fou, eine Hassliebe, die Bernard (Gérard Depardieu) mit Mathilde (Fanny Ardant) verbindet und umgekehrt. Acht Jahre nach ihrer Trennung sind sie in einem kleinen provinziellen Ort plötzlich Nachbarn, beide scheinbar glücklich verheiratet mit anderen Partnern. Es dauert nicht lange, bis ihre Obsession wiederbelebt wird, mit fatalen Folgen.

In Truffauts Erzählkino steht die Inszenierung meist ganz im Dienste der Beobachtung der Protagonisten. In Die Frau nebenan ist es eine eigenwillige Mischung aus Nähe und Distanz zu diesen, und so scheint es fast, als wäre der wahre Gegenstand des Films vielmehr deren destruktive Gefühlslage selbst, die Emotionen der Charaktere in ihrer Absolutheit. Die Thrillerelemente von Die Frau nebenan schöpfen sich dann auch ganz konsequent in erster Linie aus diesem inneren Brodeln der Figuren. (kst)

Sendetermine

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