Julia und die Geister

Federico Fellinis erster Farbfilm war der Aufbruch in die Tiefen des weiblichen Unbewussten.

Julia und die Geister

In Julia und die Geister (Giulietta degli spiriti, 1965) kappte Fellini endgültig alle Verbindungen zu einem vordergründig realistischen Erzählen. Versichert durch den weltweiten Erfolg von La Dolce Vita (1960) und (1963) inszenierte der Meister des Traumkinos einen Film, in dem sich die Sphären des Vergangenen, Aktuellen und Fantastischen ganz und gar durchdringen.

In vielerlei Hinsicht lässt sich die Erzählung über die von ihren verdrängten Erinnerungen, unterdrückten Begierden und Altersängsten heimgesuchte Julia als feminines Komplementärstück zum weltbekannten Vorgänger verstehen. Und ähnlich der Debatten um rissen die Spekulationen, wie viel des Inhaltes autobiographisch sei, nie ab. Die krisengeschüttelte Ehe der Fellinis zumindest zog sich bis in die Dreharbeiten und die Geschichte: Giulietta Masina spielt Julia (im italienischen Original Giulietta), vom Ehemann betrogen, von der Mutter verachtet und auf der Suche nach einem autonomen Leben.

Chaotisch in seiner Erzählung, quietschbunt und hochartifiziell in der Mise-en-scène (Fellini drehte zum ersten Mal komplett im Studio, sogar der Rasen vor Julias Landhaus ist aus Plastik), kann Julia und die Geister durchaus Kopfweh bereiten. Restriktiver Katholizismus trifft auf okkulte Seancen, ausschweifende Sixties-Parties wechseln sich ab mit Reminiszenzen an Film Noir und Melodram. Trotz oder wohl gerade deswegen lohnt sich ein Wiedersehen, denn in all seiner überambitionierten Vielfalt ist dies ein reicher und inspirierender, zu Unrecht vernachlässigter Film des Italieners.

Der größte Respekt gebührt derweil Masina. Es ist ihr reduziertes, fast schüchternes Spiel, das diesem nach allen Richtungen forttreibenden Film einen sinnstiftenden Zusammenhang und ein erkennbares Gesicht verleiht. (nkl)

Sendetermine

, 3 Sat

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