Die schöne Querulantin

Von Die schöne Querulantin (La Belle Noiseuse, 1991), seiner vierstündigen Meditation über Kreativität, Malerei und Kino, fertigte Rivette vornehmlich für das Fernsehen noch im selben Jahr eine Version mit halbierter Laufzeit und dem Titelzusatz Divertimento an. Hierbei handelt es sich jedoch keineswegs um eine lediglich herunter gekürzte Fassung des frei nach einer Erzählung von Balzacs entstandenen Films, vielmehr um eine Variation, in der Rivette alternative Takes benutzt und seinen Fokus teilweise nicht ganz unwesentlich verschiebt: Zeichnet er im Original den Entstehungsprozess eines Aktbildes in überaus ausgiebigem Detail nach und konzentriert sich aus nächster Nähe auf das intime Verhältnis zwischen Maler (Michel Piccoli) und Modell (Emmanuelle Béart), so privilegiert er diesmal oft den Blickwinkel der Frau des Künstlers (Jane Birkin), die die Sitzungen eher nur von außen betrachten kann. Eine Distanz, die dann in diesen Momenten auch der Divertimento-Zuschauer zu ihnen behält. Jacques Rivette feiert am 1. März seinen 80. Geburtstag.
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Kommentare zu „Die schöne Querulantin“
Martin Z.
Es ist ein intellektueller Kampf zwischen dem Maler und seinem Model um die Wahrheit in der Kunst, genauer gesagt die Wahrhaftigkeit. Dabei kann man die verschiedenen Entstehungsphasen des Kunstwerks wunderschön nachempfinden. Von den ersten zaghaften s/w Skizzen bis zum farbigen Gemälde. Da gibt es unterwegs Momente des Zweifelns und der Resignation, augenblickliche Aggression und verkrampfte Lethargie, aber auch eine lockere, entspannte Atmosphäre. Die latent vorhandenen sexuellen Gelüste der Zuschauer und des Künstlers (wahnsinnig beeindruckend Michel Piccoli) kreisen natürlich um den makellosen, nackten, Körper von Emmanuelle Béart. Aber der ist nur Medium bei der Suche nach selbstständiger Individualität. Die Auseinandersetzung und die daraus folgende Erkenntnis finden im Kopf statt. Und als überraschender Geniestreich am Ende kommt sogar der Originaltitel von Balzac ’Das unbekannte Meisterwerk’ voll zum Tragen. Das vierstündige Original muss man sich nicht antun.