Die Frau, von der man spricht

In George Stevens Screwball-Komödie ist Katherine Hepburn die Herrin der Worte.

Woman of the Year 01

„Frauen sollten ungebildet gehalten werden und sauber, wie Kanarienvögel“, entgegnet einer der Kollegen dem erfolgreichen Sportjournalisten Sam Craig (Spencer Tracy) in Die Frau, von der man spricht (Woman of the year, 1942). Für die smarte Kolumnistin Tess Harding (Katherine Hepburn) kommt dieser Appell aber schon lange zu spät. Sie ist intelligent, erfolgreich und weltgewandt. Im Übrigen spricht sie scheinbar alle Sprachen der Welt fließend. Sie herrscht über das geschriebene und gesprochene Wort wie keine andere. Gekonnt macht Stevens Komödie Sprachlichkeit zum essenziellen filmischen Mittel. Aus dem Wechsel von Wortreichtum und Wortlosigkeit generiert der Film nicht nur viel Witz, sondern er charakterisiert damit auch seine weibliche Hauptfigur. Worte sind die Waffe der intelligenten Tess, in allem, was sie tut. Sobald es der Sprache nicht mehr bedarf, muss sie kapitulieren, so in der Szene, in der sie versucht, ein Frühstück zuzubereiten. Tess ist überfordert und der Situation nicht mehr mächtig, denn sie erfolgt vollkommen wortlos. Stevens inszeniert daraus ein romantisch-komisches Spiel mit Geschlechterrollen, vertauscht sie, unterläuft sie, macht sich über sie lustig. Ein mutiger Schritt für eine Unterhaltungskomödie während der Kriegszeit. Die Frau, von der man spricht war der gelungene Auftakt für das Duo Tracy und Hepburn. (jlo)

Sendetermine

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