Dexter
Ein Serienmörder als Serienheld. Doch damit nicht genug: Der Killer ist ein Künstler im Umgang mit Blut.
Die Serie Dexter positioniert ihren gleichnamigen Protagonisten auf beiden Seiten des Gesetzes. Als Rächer der Guten bringt er jene um, die die Polizei nicht fasst, oder die Gerichte wieder frei lassen. Tags analysiert er für die Polizei die Blutspritzer besonders kniffliger Morde. Darin ist er der Experte schlechthin.
Wer bitte möchte sich in einen Serienmörder einfühlen? Dexter velangt vom Zuschauer Experimentierbereitschaft und einen aufmerksamen Blick. Entgegen Fernsehkonventionen funktioniert die Serie nicht im Modus des flüchtigen Schauens, sondern setzt auf eine differenzierte Figurenzeichnung und die Ambivalenz des Sujets.
Mit dem Morden verbindet Dexter ein Ritual. Er ist ein Neat-Freak, ein Sauberkeits-Fanatiker: Mit einer Spritze setzt er seine Opfer außer Gefecht. Sie sollen sich nicht wehren können, wenn er sie fein säuberlich auf dem Seziertisch mit Zellophan-Folie umhüllt, bevor er sie zum Schuldeingeständnis bringt. Das Töten muss gerecht und ordentlich sein.
Die auf Romanen von Jeff Lindsay basierende Serie bringt uns den Mörder mit einem klassischen Kniff nahe. Sein Bedürfnis fürs Töten ist pathologisch, er kann den krankhaften Trieb nicht lange unterdrücken. Gelernt hat er lediglich, ihn auf diejenigen zu lenken, die den Todesstoß in seinen Augen verdienen. Im Lauf der Folgen wird das psychologische Porträt dichter und es schälen sich Auslöser und Motivation von Dexters Drang heraus. Zuweilen bewegt es sich allerdings gefährlich nahe an der Grenze zur Rechtfertigung seines Handelns.
Mit einem weiteren Kniff gelingt es den Machern, die in der Figur angelegte Ambivalenz noch zu verstärken: In seinem bürgerlichen Dasein ist Dexter nicht zugänglicher. Er ist ein biederer Spießer, der stets nach Normalität strebt. Aus dem Off kommentiert er als distanzierter Beobachter sein eigenes Leben. Zentrales Motiv ist dabei der Anschein. Um nicht aufzufallen, baut er sich die Fassade eines gewöhnlichen Lebens auf.
Michael C. Hall, der vor allem durch die Serie Six Feet Under (2001-2005) bekannt sein dürfte, nimmt man den Langweiler sofort ab. Er gibt den perfekten Schwiegersohn und den traumatisierten Killer mit der Abgehobenheit eines Verdammten. Umso eindringlicher wirkt das „shock and awe“-Prinzip der Serie: mit einer Reihe an überraschenden Wendungen und beeindruckenden Szenen vermittelt sie die Besonderheit des apathischen Protagonisten und lädt ihre Story mit Bedeutsamkeit auf. Überraschenderweise lässt dessen Faszination nicht nach.
RTL II zeigt Dexter ab 29.09.2008 montags in einem Double-Feature mit Californication. (fj)
Fotos: © RTL II/Showtime
Sendetermine
Mo 29.09.2008, 22:55 Uhr, RTL 2
Californication
Sex, Sex, Sex. Einen eindeutigen Fokus hat die auf RTL 2 anlaufende Serie Californication zweifelsohne. Und eine Message obendrauf: David Duchovny alias Hank Moody kriegt sie alle.
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