Der freie Wille

Auf der Berlinale 2006 wurde Matthias Glasners Der freie Wille kontrovers diskutiert wie lange kein deutscher Beitrag mehr.

Der freie Wille

Einige Feuilletonisten hatten es sich merklich zur Aufgabe gemacht, das Projekt regelrecht zu verdammen. Deren Logik: Ein Film aus der Perspektive eines Vergewaltigers gehöre nicht gezeigt. Die vermeintliche Gefahr: Erklärungen für das Unerklärliche, Empathie und Sympathie mit und für das Monströse.

Dabei ist Glasners Annäherung an ein gesellschaftliches Problem vielleicht die einzig mögliche: die ratlose, beobachtende, konstatierende. Hier wird auf ein Übel hingewiesen, auf unüberwindbare Dilemmata, denen man sich stellen muss. Erklärt werden sie nicht, auch Lösungswege, seien sie soziologisch oder medizinisch, bekommt man keine aufgezeigt. Der freie Wille konfrontiert einen erstmal über eine sehr lange Zeit konkret mit etwas, das man eigentlich nicht sehen möchte, schon gar nicht so explizit, wie es hier vorgetragen wird. Jürgen Vogel hat die Rolle des Triebtäters angenommen und in Bereiche ausagiert, die für ihn schmerzhaft gewesen sein müssen und es für den Zuschauer definitiv sind. Nach viel Schmerz, Gewalt, Leiden und Liebe strebt Der freie Wille einem sehr filmischen Ende entgegen. Was im Sinne der Figuren als logischer Schlusspunkt fungiert, erdet den Diskurs im Rahmen einer Erzählung. Das bereitet Unbehagen, weil man eigentlich keinen Strich unter das Geschehene und das Thema ziehen und die Tortur vielleicht nur als Endlosschleife denken kann. (sk)

Sendetermine

, Festival (ARD digital)

, Das Erste

, arte

, ARD

, Arte

Kommentare zu „Der freie Wille“

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.