Werkschau Claire Denis im Berliner Kino Arsenal

White Material

Das Berliner Kino Arsenal zeigt ab dem 1.10. das Gesamtwerk der französischen Regisseurin Claire Denis. Den Anfang macht Denis’ zehnter und neuester Spielfilm White Material (2009), der letztes Jahr in Venedig Premiere feierte. Die Regisseurin, aufgewachsen als Tochter eines Kolonialbeamten in Burkina Faso, Kamerun und Dschibuti, kehrt ein weiteres Mal - wie zuvor in Chocolat (1988) und Beau Travail (1999) - nach Afrika zurück. Isabelle Huppert verkörpert die Frau eines Gutsbesitzers, die zwischen die Fronten eines Bürgerkriegs gerät. Der düstere, harte Film beschreibt, wie das „weiße Material”, das den Kontinent einst ursupiert hatte, von ihm wieder ausgeschieden wird. Obwohl Yves Cape anstelle von Denis’ regulärer Mitarbeiterin Agnès Godard hinter der Kamera steht, entwickelt auch dieser Film wieder die immersiv-körperliche Bildsprache, die spätestens seit Beau Travail das Kino der Regisseurin bestimmt.

Cockfighter

Die Retrospektive macht es möglich, ein inzwischen recht umfangreiches Werk in seiner Gänze in den Blick zu nehmen. So laufen im Arsenal auch Denis’ Kurz- und Dokumentarfilme - zum Beispiel Vers Mathilde (2005) über die Tanzchoreografin Mathilde Monnier sowie ein Porträt Jacques Rivettes, das im Rahmen der Reihe Cinéma, de notre temps entstanden ist - sowie die selten gezeigten frühen Spielfilme. Eine Entdeckung ist beispielsweise der Hahnenkampffilm S’en fout la mort (1990), in dem zwei junge Schwarze in einem heruntergekommenen Spielsalon ihr Glück suchen. Vielleicht eine Art Gegenfilm zu Monte Hellmans großartigem Cockfighter: anstatt mit Warren Oates von Ort zu Ort zu gleiten und dabei langsam den Halt zu verlieren, zieht sich der Film immer weiter zusammen, bis es nicht mehr viel anderes gibt, als die winzige Hahnenkampfarena.

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