Top 10 Filme der 2000er
Sascha Keilholz über seine Favoriten von 2000 bis 2009
Bestenlisten sind grundsätzlich so eine Sache. Wir lieben doch gerade die Vielfalt der Kinematografie. Und wie vergleicht man Béla Tarr mit David Lynch, wie François Ozon mit Lars von Trier?
Aber wenn sie erscheinen, die Listen der Sight and Sound oder Steady Cam, liest man sich doch interessiert durch die Meinung der anderen. Die ist uns besonders wichtig auf critic.de, wo wir in einen Dialog treten und Diskussionen führen wollen. Insofern stellen auch wir erstmals eine Bestenliste vor – als Gesprächsgrundlage. Wichtig ist uns dabei nicht nur Ihre Reaktion, sondern auch Ihre eigene Meinung. Denn während wir von Redaktionsseite aus nur eine ganz subjektive Stimme sprechen lassen, sind wir gespannt auf das Leserecho und das sich dort abzeichnende Bild. Welche Filme des vergangenen Jahrzehnts sind Ihrer Meinung nach besonders wieder-sehenswert, welche haben Ihnen die vergnüglichsten, aufregendsten, nachdenklichsten Kinostunden geschenkt?
Von August bis November werden wir Ihnen im 10-Tages-Rhythmus für jedes Jahr der sich dem Ende neigenden Dekade eine „Top Ten“ vorstellen und zur Wahl Ihres Favoriten aufrufen. Kurz vor Jahresende stehen dann die Leser-Top-10 fest, aus denen Sie Ihren Lieblingsfilm des Jahrzehnts wählen können. >> Zur Abstimmung
Bei Bestenlisten gibt es immer Opfer. Nicht nur solche, die aus vermeintlichen Qualitätsdefiziten ausgemustert werden, sondern auch solche, die „zwischen den Jahren“ oder eben den Jahrzehnten starten. Überhaupt ist selten geklärt, worauf man sich eigentlich beziehen soll, denn wann man einen Film wirklich gesehen hat, sagt doch in vielen Fällen nichts über das Produktionsjahr aus. Wir halten uns in der Folge, aus der überlegenen Retro-Perspektive der Vergleichbarkeit wegen an das Produktionsjahr, wollen vorher aber noch auf einige Filme aufmerksam machen, die ich 2000/2001 gesehen habe, weil sie erst dann in den deutschen Kinos liefen und denen insofern auch eine Erwähnung gebührt.
Als da wären:
Zwischenfilme – chronologisch
Öffne die Augen (Abre los oyos), Alejandro Aménabar, Spanien 1997
Rushmore, Wes Anderson, USA 1998
Junta (Garage Olimpo), Marco Bechis, Argentinien 1999
The Insider, Michael Mann, USA 1999
The Audition (Ôdishon), Takashi Miike, Japan 1999
The Limey, Steven Soderbergh, USA 1999
The Virgin Suicides, Sofia Coppola, USA 1999
The War Zone, Tim Roth, Großbritannien 1999
Summer of Sam, Spike Lee, USA 1999
Felicia, mein Engel, Atom Egoyan, Kanada, Großbritannien 1999
Magnolia, Paul Thomas Anderson, USA 1999
Auch über die hier erwähnten Filme hinaus war 1999 ein starkes, vielleicht das stärkste Kinojahr der ohnehin bemerkenswerten 90er, die viel Trostloses aus den 80ern vergessen ließen. Es schien, als ob das amerikanische Erzählkino erstmals seit den Zeiten des New Hollywood auf breiter Ebene wieder mit Mut und Innovation glänzen könnte. Für einen Augenblick meinte man, die Studios hätten die Vorlage des starken amerikanischen Independentkinos der 80er und vor allem 90er Jahre aufgenommen. Außergewöhnliches und Unerwartetes schwappte aus Los Angeles herüber. M. Night Shyamalan debütierte mit einem Blockbuster namens The Sixth Sense und erwies sich dabei als Ästhet von feinstem Gespür, unterstützt durch die Kameraarbeit Tak Fujimotos. Umso trauriger, wenn man sich die Entwicklung des Talents seitdem vergegenwärtigt. Die Wachowski-Brüder, deren Talentprobe Bound – Gefesselt (Bound, 1996) für Aufsehen gesorgt hatte, realisierten mit Matrix den stilprägenden Film seiner Zeit, vielleicht den Millenium-Film schlechthin. Auch wenn schon beim ersten Teil erahnbar war, was die Fortsetzungen bestätigten – geistige Inkontinenz am Rande des hybriden Wahnsinns – präsentierte er doch visuell ein Feuerwerk an Neuerungen. Während sich über die Qualität der zuletzt genannten Filme noch streiten lässt, gelang David Fincher mit Fight Club ein Geniestreich. Und dann gab es da ja noch Terrence Malicks Berlinale-Sieger Der schmale Grat (The Thin Red Line), ein Meisterwerk der Filmgeschichte.
Man ging folglich mit hohen Erwartungen ins neue Kinojahrtausend und wurde, vor allem in der Breite, ziemlich enttäuscht.
Veröffentlicht am 27.08.2009
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