Semaine Internationale de la Critique de Cannes 2005

Die (Ganz) Junge Kritik

 

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Die Semaine Internationale de la Critique (SIC) - eine Parallel-Sektion zum größten Filmfestival der Welt - präsentiert dieses Jahr zum 44. Mal erste und zweite Werke junger Regisseure, die oftmals im Anschluss eine internationale Auswertung erfahren. So erging es letztes Jahr nicht nur der Entdeckung Die Perlenstickerinnen (Les Brodeuses, 2004), dem die Filmkritiker-Gewerkschaft den Preis für den besten französischen Erstling verlieh und der in Kürze auch in den deutschen Kinos anläuft (siehe Kritik).

Schon das vierte Jahr in Folge treffen sich vom 12. bis 20. Mai in Cannes Jugendliche unter dem Titel der (Toute) Jeune Critique zum Schreiben von Filmkritiken und zur Wahl des besten Kurz- und Langfilms der Sektion. Zum ersten Mal wurden dabei dieses Jahr auch deutsche Schüler von der SIC, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dem französischen Fernsehsender TV5 eingeladen. Insgesamt 40 Franzosen aus Paris, Cannes und Ingré und 12 Deutsche aus Laubach, Bochum, Koblenz und Berlin schreiben jeden Tag in Gruppen Kritiken zu den Filmen, die sie am selben Morgen gesehen haben. Veröffentlicht werden die Artikel in regionalen Zeitungen, auf den Internetseiten der Organisatoren und hier auf critic.de.

 

22.5.2005


Die Preisverleihung: Ich, Du und mein Fremder, Atme!

Der TV5-Preis der (Toute) Jeune Critique geht dieses Jahr gleich an zwei Langfilme: den US-amerikanischen Me, You and Everyone We Know von Miranda July und an A Stranger of Mine (Unmei Janai Hito) des japanischen Regisseurs Kenji Uchida. Bester Kurzfilm wurde Respire (Hu Xi) von Wi Ding Ho.

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18.5.2005

Grain in Ear (Mang Zhong)

Schmetterlinge in den Füßen – Stroh im Bauch – Loch überm Kopf. Naja klar, wenn es immer über einem regnet, dann ist es nass. So oder so ähnlich wollte der Regisseur Zhang Lu seinen Film Grain in Ear (Mang Zhong) verstanden wissen, erklärte er in flüssigem chinesisch. Er wolle zeigen, wie es einer armen Koreanerin in China mit Sohn, sterbenden Hausratten, rosa tapezierten Wänden und einem Ventilator ergeht. Dass es dann aber gar nicht regnet, verwundert kaum.

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17.5.2005

Orlando Vargas

Was darf's denn sein? Eine Pinie oder eine Palme? Menschen haben natürlich ein bisschen von beidem – der sozialen Pinie und der einsamen Palme. Orlando Vargas, der Titelheld der uruguayisch-französischen Koproduktion fühlt sich zuletzt mehr als Palme denn als Pinie. Am Ende seines Palmendaseins, löst sich der Einzelgänger, unter starken politischen Druck, schließlich in den dominierenden Landschaftsaufnahmen auf. Verwirrung und Müdigkeit machte sich unter den Nachwuchskritikern der (Ganz) Jungen Kritik breit.

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16.5.2005

La petite Jérusalem

Wie weit darf eine Frau ihrem Verlangen folgen? Die jüdisch orthodoxe Familie von Laura hat nicht nur was den Glauben und die Sexualität, sondern auch die Freiheit betreffend andere Vorstellungen als die Philosophiestudentin. Ihren Gelüsten und Trieben gebietet Laura dennoch Einhalt, denn sie folgt dem Ideengerüst eines gewissen Immanuel Kant – frei will sie sein, indem sie starren Regeln folgt – ein allabendlicher Spaziergang inklusive.

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15.5.2005

The Great Ecstasy of Robert Carmichael

Wie soll bloß solch ein Film beurteilt werden? "Geschmacklos", "ekelig", "abscheulich" meinten die deutschen Schüler – erstaunlich einig waren sich die Franzosen auch: Die Gewaltdarstellung sei zwar schrecklich aber notwendig, die Gemüter erhitzende Szene öffne die Augen.

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14.5.2005

A Stranger of Mine (Unmei Janai Hito)

Um Unterhaltung soll es gehen in Uchida Kenjis Erstling A Stranger of Mine (Unmei Janai Hito). Am Besten sei sein Zeit- und Perspektivenspringender Film mit Popcorn und einer Cola zu genießen. Bei so einer Einleitung ließ es sich der französische Moderator natürlich nicht nehmen, französische Süßigkeiten als Alternative anzupreisen - auf die Schnelle ein französisches Getränk zu empfehlen gelang ihm allerdings nicht - Orangina, als Kultgetränk inzwischen auch in Deutschland bekannt, ist ja bereits seit Jahren in amerikanischen Händen. Die kulturelle Komponente des Films hat allerdings weniger mit Frankreich und den USA als mit Japan zu tun und dem Blick des Westens darauf. Der in den Vereinigten Staaten ausgebildete japanische Regisseur spielt mit karikativen und klischeehaften Vorstellungen gegenüber Japanern, sein besonderes Anliegen war aber "alles, was ich im Kino liebe" einzubauen. Über das Ergebnis lässt sich streiten.

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13.5.2005

L'Orizzonte Degli Eventi

Am zweiten Tag der Semaine de la Critique stand ein außerordentlich schwierig zu besprechender Film auf dem Programm. Noch vor der Vorstellung wird das Publikum auf eine Interpretationslinie eingestimmt, zwischen dem Dokumentarischen und dem Fiktionalen wandle L'Orizzonte Degli Eventi – was soviel heißt wie "der Horizont der Ereignisse" und indirekt als Referenz an Antonionis Artikel in den Cahiers du Cinéma aus 1968 zu verstehen sei, erklärt nach der Vorführung der Regisseur. Die komplexen Zusammenhänge und Kontexte eröffnen sich aber nicht von alleine – gerade wenn der Regisseur für ein Wiederaufleben des italienischen Kinos paroliert, bleibt der Zuschauer verdutzt in seinem Sessel sitzen und fragt sich: Wie soll dieser, sowohl inhaltlich als auch formal unentschiedene, zwischen Aktionismus und Lethargie schwebende Film dazu beitragen?

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12.5.2005

Me and You and Everyone We Know

Zu Beginn des Programms erwartete die Schüler ein von der Schrulligkeit der Protagonisten getragener Erstling, den die Amerikanerin Miranda July mit Unterstützung des Sundance Institutes – eine Drehbuchwerkstatt des Filmfestivals – entwickelte und in diesem Jahr dort präsentierte. Bedacht wurde ihr humorvolles, abgedrehtes Werk über gar nicht durchschnittliche Durchschnittsamerikaner mit dem Spezialpreis der Jury. Wegen der unterschiedlichen Ankunftszeiten der deutschen Gruppen, schrieben nur die Schüler aus Koblenz über Me and You and Everyone We Know.

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Kommentare zu „Semaine Internationale de la Critique de Cannes 2005“

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