Schreiben über Film (2): 100-Wörter-Texte

Miniaturen zum Festival. Drei kurze Texte über Filme des aktuellen Berlinale-Programms, verfasst von Studierenden des Seminars „Schreiben über Film – Berlinale 2017“ (Stiftung Universität Hildesheim).

Devil’s Freedom (La libertad del diabolo, 2017, Regie: Everardo González)

Devil's Freedom 1

Drogenkriminalität, Verschleppung, Auftragsmord. Das Vokabular der Programmankündigung kann nur ein Versuch bleiben, den mexikanischen Dokumentarfilm Devil’s Freedom zu fassen. Eine sandfarbene Stoffmaske mit Ausschnitten für Mund, Nase und Augen verdeckt das Gesicht der Interviewten, Opfer wie Täter. Das eines Mannes, dessen erster Mord sein Leben für immer verändert hat. Das einer Mutter, die vom Auffinden und Ausgraben der Leichen ihrer Söhne berichtet. Unklar bleibt beim Ansehen, was mehr verstört: die Verluste der Opfer, von deren Tränen die Masken langsam durchnässt werden, oder die fehlende Empathie der Täter, deren Augen mir hart und todtraurig erscheinen.

(Christian Fischer)

Golden Exits (2017, Regie: Alex Ross Perry) u.a.

Golden Exits

In Golden Exits habe ich ihn auf einmal vermisst. Die Beobachtung lässt mich nicht mehr los. Sonst taucht er nämlich überall auf: In So Long Enthusiasm (Adiós entusiasmo) wird er besungen, in Barrage beerdigt, in The Wound bekämpft, in Chavela thront er dekorativ auf einem Sessel, in From the Balcony (Fra balkongen) hört man ihn schallend lachen, in Canoa streunt er mit seinen Kumpanen durchs Dorf. Kinematografische Verschwörung oder anthropologische Erkenntnis? Wildes Raubtier oder bester Freund des Menschen? Auch wenn auf der Berlinale der Bär als begehrte Trophäe gilt: Der heimliche Held des diesjährigen Festivals ist der Hund.

(Lisa Cathérine Fuderer)

Just Like Our Parents (Como Nossos Pais, 2017, Regie: Laís Bodanzky)

Como Nossos Pais

Portugiesisch klingt manchmal wie eine Mischung aus Spanisch und Französisch. Hunderte von Silben werden in den Kinosaal ausgestreut, während auf der Leinwand gerade die verschiedenen Generationen einer Familie aufeinander losgehen. Rosas Töchter verlangen lautstark nach mehr Aufmerksamkeit. Sie selber muss sich ständig vor ihrer Mutter rechtfertigen, die ihrerseits nicht müde wird, den Schwiegersohn zu glorifizieren, und dabei viel zu viel raucht. Diverse Nebengeräusche mischen sich in die hitzige Diskussion, bis ein Platzregen knallend diese erste Szene auflöst.

(Tabea Niemeyer)

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