Paranoia und Deutsches
Notizen vom Filmfest München 2010 - Teil 2
So einen beeindruckenden Film aus Hongkong habe ich lange nicht mehr gesehen. Der von Johnny To produzierte Accident beginnt mit einer Eingangssequenz fast auf dem Niveau von jener aus David Mamets Heist (2001). Hier greift ein Rädchen ins andere, ehe der perfekt inszenierte Mord wie ein Unfall aussieht. Doch schon bald hören wir eine Platte mit Sprung und ahnen: Das Räderwerk kann täuschen. Der vermeintliche Actionthriller dehnt sich zum Paranoiatrip.
Paranoia steht auch Christian Berkel in Der letzte Angestellte auf der Stirn geschrieben. Was beginnt wie ein Politthriller oder Wirtschaftskrimi, begibt sich dann erstaunlich gradlinig auf den Pfad des Psychohorrors. Regisseur Alexander Adolph, der im letzten Jahr mit So glücklich war ich noch nie überzeugte, scheut sich nicht, tief in die Mottenkiste des Genres zu greifen. Licht flackert, das Radio sendet auf seltsamer Frequenz, Personen tauchen gespenstisch auf und verschwinden wieder. Man erwartet einen doppelten Boden, hofft schließlich darauf, doch nein – das ist alles so schlicht und ernst gemeint, wie es daherkommt.
Das letzte Schweigen beginnt wie Der letzte Angestellte: Die Kamera blickt auf ein Hochhaus, der Ton vibriert. Baran bo Odars Literaturverfilmung setzt ein beeindruckendes Schauspielerensemble in Gang, bemüht bei der Engführung diverser Schicksale rund um zwei Schwerverbrechen viele Montagesequenzen und Parallelmontagen. Der Film wirkt wie ein Bewerbungsvideo für internationale Großproduktionen, mit Bild- und Toneffekten, die der Gesamtstruktur nicht guttun. Am Ende steht das Bild eines vermeintlich bemitleidenswerten pädophilen Täters. Will ich das sehen?
Veröffentlicht am 29.06.2010
Fotos: Filmfest München
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