Jean-Luc Godard Edition

Er hat mit Außer Atem das Aushängeschild der Nouvelle Vague geschaffen und steht bis heute wie kaum ein anderer für das intellektuelle, politisch engagierte Kunstkino Frankreichs. Mit der vorliegenden Box erscheint eine breit gefächerte Auswahl seiner Spielfilme auf DVD, davon drei erstmals in Deutschland.

Jean-Luc Godard Edition

Wer versucht, die Arbeit von Jean-Luc Godard auf einen Begriff zu bringen, der muss die Vielfalt der Stile, Ausdrucksweisen und Genres leugnen, in denen sich der Meister des selbstreflexiven und -referenziellen Kinos bewegt. Naheliegend ist die Zuspitzung daher nur aufgrund von Godards starker Handschrift. Es ist die eines linken Intellektuellen, der das Medium seines Ausdrucks stets fokussiert – ob subtil oder manifest –, um zugleich die allgemeine Befangenheit in vorhandenen Erzählmustern und Bildern zu offenbaren und einen möglichen Ausweg aus dem Teufelskreis der Bildproduktion zu suchen. Sein Projekt der Aufklärung über die „faschistischen“ Bilder, das bisweilen einer revolutionären Haltung entspringt, äußert sich insbesondere in seiner Bild-Ton-Montage, die in vielen seiner Werke auf Asynchronität, Lücken und Wiederholungen setzt.

Jean-Luc Godard Edition

Mit zehn Spielfilmen ist die von Arthaus veröffentlichte DVD-Box die bisher umfangreichste Kollektion von Filmen Godards in Deutschland. Sie deckt ein großes Spektrum seines Schaffens ab, von den Klassikern Außer Atem (À bout de souffle, 1959) und Elf Uhr nachts (Pierrot le fou, 1965) über sein Meisterwerk des modernen Kinos Die Verachtung (Le mépris, 1963) bis hin zu experimentelleren Werken wie Passion (1982), der als deutsche DVD-Premiere erscheint und ein Musterbeispiel für die verfremdende Methode Godards im Umgang mit Bildern und Erzählungen ist. Made in USA (1966), ebenfalls erstmals auf deutscher DVD, lässt sich als postmoderne Parodie auf die Amerikanisierung der französischen Gesellschaft lesen und zugleich als ironische Huldigung an den US-Gangsterfilm. Mit der Veröffentlichung von Alphaville (1965) schließt Arthaus die vielleicht gravierendste Lücke unter den hiesigen Godard-DVDs, nachdem erst kürzlich die filmedition suhrkamp eine deutsche Sprachfassung der Histoire(s) du cinéma (1988-1998) herausgebracht hat. Der Schwarzweiß-Film Alphaville vollzieht mittels einer existenzialistisch angehauchten Spionage-Geschichte die überspitzte Vereinnahmung des Science-Fiction-Genres für einen philosophischen und politischen Diskurs. Sein einziger Science-Fiction-Film legt den Schluss nahe, Godards experimentelle Anordnungen fänden ihre beste Entsprechung in diesem Genre. Dass Godard freilich die Risse und Reibungsflächen sucht – und nicht das passende Genre –, das vermittelt auch Alphaville.

Jean-Luc Godard Edition

Die DVD-Edition, die mit zehn Spielfilmen und zwei Kurzfilmen immerhin einen recht weit gefächerten Einblick in die Arbeit Godards ermöglicht (seine Filmografie zählt bereits über 90 Regiearbeiten), konzentriert sich auf die Filme selbst. Das Bonusmaterial besteht aus nur wenigen Extras, vornehmlich kurzen filmhistorischen Einführungen in die einzelnen Filme. Einen kleinen Wermutstropfen müssen die frankophonen Zuschauer verbuchen: Bei den meisten Filmen lassen sich die Untertitel nicht ausschalten, sodass die Wahl lediglich zwischen synchronisierter Fassung und Originalversion mit Untertiteln besteht. Vom Vergnügen am (Wieder-)Entdecken Godards dürfte das aber nicht allzu sehr ablenken.

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