(Ganz) Junge Kritik: FUNUKE, Show Some Love, You Losers!
Zeigt ein bisschen Liebe (für diesen Film), ihr Versager!
Von einem Film aus dem Land der aufgehenden Sonne erwartet man kaum, dass einem ein gewöhnliches Kinoerlebnis geboten wird, doch im Werk FUNUKE, Show Some Love, You Losers! von Daihachi Yoshida wird der Zuschauer mit teilweise sehr makaberem Humor und schrillen Charakteren konfrontiert. Aber gerade das trägt den Film: Für Menschen, die an überspitzt bösen Darstellungen Gefallen finden, dürfte gerade dieser Film äußerst interessant sein, denn hier wird selbst das gewaltsame Ableben der Eltern noch versucht zu veralbern, indem man als einziges Überbleibsel eine Hand mit noch glühendem Zigarettenstängel zeigt.
Verschroben ist auch die gesamte Konstellation der Familie, die in diesem Film gezeigt wird: Die ältere Schwester, zu überzeugt von sich um zu erkennen, dass sie nicht schauspielerisch talentiert ist, quält ihre jüngere Schwester, die zunächst als das anscheinend malträtiert Opfer auch selber sadistische Tendenzen entwickelt. Der Stiefbruder dagegen wirkt anfangs wie der neutrale Vermittler zwischen beiden Fronten, ist aber selbst emotional abhängig von der mit der älteren der beiden Schwestern und schläft mit ihr, obwohl er mit einer anderen verheiratet ist.
Dass die ganze Szenerie auch noch in eine ländliche Dorfgegend Japans gesetzt wurde und nicht in eine der Metropolen, macht diesen ganzen Film zu einem noch bizarreren aber doch sehr unterhaltsamen Erlebnis. Die Macken und Neurosen der Charaktere, wie zum Beispiel die trotz ständiger Wutausbrüche ihres Mannes immer quietschfidele Ehefrau des Stiefbruders, sorgen für ein heiteres Sehvergnügen beim Publikum.
Dieser Film hat es wirklich verdient, dass man ihm mehr als ein bisschen Liebe entgegenbringt, denn dieses Werk ist durchgängig unterhaltsam für den Zuschauer, rutscht dabei aber nicht ins Alberne ab, sondern schafft eine gesunde Balance mit einer Prise Ernsthaftigkeit.
Kritik von Christin Kühne, Carolin Castorf (Primo-Levi-Oberschule Berlin)
Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast, Schwesterherz
Zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, eine schön und scheinbar erfolgreich, die andere unscheinbar. Der klassische Bruderzwist, nur diesmal auf Japanisch - und weiblich. Sumika macht der kleineren Kiyomi das Leben zur Hölle, mit der Begründung, sie sei schuld an ihrer gefloppten Schauspielkarriere. Doch das junge Zeichengenie kann es einfach nicht lassen und dokumentiert weiterhin die Eskapaden der großen Schwester.
Soviel zur Theorie, die praktische Umsetzung gleicht jedoch eher einer Farce als einem Familiendrama mit psychologischem Hintergrund. Zwar scheint Sumika unter echten Minderwertigkeitskomplexen zu leiden, hinter grellen Farben, ihrem wenig Mitleid erhaschenden schlechten Charakter und billigen Lachern sind diese allerdings schnell in Vergessenheit geraten. Die, abgesehen von ihrem konsequenten Egoismus, absolute Gehaltlosigkeit Sumikas Charakter langweilt, oder, beziehen wir noch einige Halbnacktszenen in das Urteil mit ein, überrascht nach einer Viertelstunde nicht mehr.
Auch die ebenfalls im Haus wohnende Machiko, arrangiert angeheiratete Frau des Halbbruders Shinji, weckt keine unerwartete Faszination für das ferne Japan, viel eher verkörpert sie das europäische Klischee zwischen Digitalkamera, Karate und Sushi: Dauergrinsen, Gastfreundlichkeit und immer eine Höflichkeitsfloskel auf den Lippen.
Jedoch kann man dem Film einen gewissen Humor nicht aberkennen. Wenn Kiyomi in einem dramatischen Moment plötzlich vor der abgefahrenen Hand, inklusive noch glimmender Zigarette, ihres eben verstorbenen Vaters steht, dann hat das schon seinen ganz eigenen „Charme“.
Man könnte jetzt sagen, „Sie sind eben was ganz besonderes, diese japanischen Produktionen“, aber letztlich ist FUNUKE, Show Some Love, You Losers! ein Film wie viele andere: sieht sich nett an und stellt nach dem Kinobesuch auch keine höheren Ansprüche mehr.
Kritik von Lucie Rohr (Gymnasium Neubiberg, München)
Drama nach japanischer Art
Spricht man von einem Drama, in dem die Zuschauer lachen oder manchmal durch die Gewaltverherrlichung, die wie in einem Manga übertrieben dargestellt wird staunen?
Der Regisseur Yoshida Daihachi spricht von seinem Film, der die oben genannten Punkte beinhaltet, und bezeichnet diesen als Drama. Nach einem schrecklichen Ereignis, dass die ganze Familie betraf, kehrt Sumika in die Heimat zurück, weil ihre Eltern gestorben sind. Sie lebt mit ihrer jüngeren Schwester, mit der sie im Streit steckt, mit ihrem Bruder, mit dem sie ein Geheimnis hat, und mit der Frau ihres Stiefbruders zusammen. Sie versucht, Kontakt zu einem Regisseur aufzunehmen, um als Schauspielerin groß zu werden und um aus der Stadt zu kommen, was jedoch fehlschlägt. Ihre jüngere Schwester ist eine talentierte Mangazeichnerin, die sich aber zurück hält, da ihre Zeichnungen einen großen Streit zwischen ihr und der Schwester verursacht haben. Der Streit nimmt seinen Lauf und wirkt sich auch auf den Stiefbruder aus, der darunter leidet und sich umbringt.
In dem Film wird die Stärke der Bedeutung des Mangas gut dargestellt, indem der Regisseur Eigenschaften des Mangas visuell in den Film einbaut, zum Beispiel wird am Anfang des Films die Szene mit übertrieben viel Blut gezeigt. Der Zuschauer bekommt einen Film geboten, der ihn oft durch lustige Szenen oder Witze zum Lachen bringt, jedoch ist die Geschichte, die er erzählt, ein wenig langweilig, da sie zu lang wirkt. Der Film ist im Kontrast zu anderen Dramen sehr verschieden, dass muss jedoch nicht heißen, dass er keiner ist.
Kritik von Mario Karbowiak (Gesamtschule Welper, Hattingen)
We are family…
Im Debütfilm FUNUKE, Show Some Love, You Losers! von Daihachi Yoshida geht es um einen emotionalen Umbruch in der Beziehung zweier Schwestern. Die ehrgeizige Sumika möchte Schauspielerin werden. Ihre jüngere Schwester Kiyomi drückt ihre Emotionen in ihren Mangas aus. So weit, so gut. Aber da ist ja noch der erwachsene Bruder Shinji, der seine Ehefrau tyrannisiert und ein dunkles Geheimnis hütet.
Der 110 Minuten lange Film lässt sich nicht zwangsläufig einem Genre zuordnen - er gehört zu der Gruppe der Videos, die vieles vereinen. Er behandelt zwar die gestörten Familienverhältnisse und den Hass der Schwestern zueinander - ein ernstes Thema, gar keine Frage - ist aber dennoch mit viel Witz und brutalen Szenen versehen. Schon zu Beginn des Films wird eine unschuldige kleine Katze von einem Laster überfahren, die meterlange Blutspuren auf dem Asphalt hinterlässt.
Funukedomo, Kanashimino Ai Wo Misero, so der japanische Originaltitel, ist, um es schlicht und ergreifend zu sagen, gelungen. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt die geniale Umsetzung und Kombinationen vieler verschiedener Dialoge und Bilder. Selten und sehenswert!
Kritik von Michel Patrick Brzozowski (Schulzentrum Walle, Bremen)
FUNUKE, Show Some Love, You Losers! (Funukedomo, Kanashimino Ai Wo Misero); Japan 2007; 111 Minuten; Regie: Yoshida Daihachi; Drehbuch: Yoshida Daihachi; Produzent: Takeshi Sawa; Mit Eriko Sato, Aimi Satsukawa, Hiromi Nagasaku, Masatochi Nagase
Veröffentlicht am 23.05.2007
Fotos: © SIC
Diese Kritiken sind entstanden im Rahmen von La Toute Jeune Critique
Semaine internationale de la Critique de Cannes 2007.
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