Elementarteilchen, Capote und München – Was bringt 2006?

So mancher Titel geisterte bereits durch die Spalten der Gazetten, wenn es um Stars, Festivals und Preise ging. Einige im Kinojahr 2006 anlaufende Filme sind bereits bekannt, andere wecken große Erwartungen.

Die Golden-Globe-Nominierungen sind publik und auch Oscarfavoriten werden bereits gehandelt. In deutschen Kinos laufen viele dieser Filme in den Anfangsmonaten des neuen Jahres an und man darf die Nominierungen diesmal zum Teil nicht nur als Indikator für gute Unterhaltung, sondern für zum Teil außergewöhnliche Inszenierungen und Darstellungen nehmen. Philip Seymour Hoffman zelebriert Capote in dem vielschichtigen gleichnamigen Drama und darf zu recht als Favorit für die wichtigsten Preise des Jahres gelten. Auch sein Kollege Joaquin Phoenix verkörpert mit Johnny Cash eine historische Künstlerfigur und sammelt an der Seite von Reese Witherspoon Pluspunkte für den ansonsten hoffnungslos ideenlosen Walk the Line. Charlize Theron gibt ein halbes Monster in Kaltes Land (North Country) und konkurriert mit dem bereits Emmy-prämierten Desperate Housewife Felicity Huffman als Transsexuelle(r) in Transamerica.

Besonders gespannt sein darf man auf den Auftritt des grandiosen John Sayles-Darstellers David Strathairn, aus unzähligen Independent-Produktionen und Nebenrollen in Filmen wie L.A. Confidential (1997) oder Sneakers (1992) bekannt. In George Clooneys zweiter Regiearbeit Good Night, and Good Luck bekämpft er als Fernsehjournalist den Kommunistenhasser Robert McCartney. Der Film ist ebenso in der Sparte Drama nominiert wie Woody Allens kürzlich angelaufener Match Point, David Cronenbergs kontroverser A History of Violence, Ang Lees Venedig-Gewinner Brokeback Mountain und Fernando Meirelles’ neues Meisterwerk Der ewige Gärtner (The Constant Gardener). Allen, Clooney, Lee und Meirelles müssen sich mit Peter Jackson (für King Kong als besten Nachfolgefilm von Herr der Ringe) und Steven Spielberg um den goldenen Regie-Globe streiten. Spielbergs Munich rollt das Geiseldrama der Olympischen Sommerspiele von 1972 sowie dessen Folgen in Thrillermanier auf.

Aus bürokratischen und filmpolitischen Gründen wurde Michael Hanekes Caché nicht als Kandidat für den besten fremdsprachigen Film zugelassen, erhielt allerdings unter großem Jubel den Europäischen Filmpreis und darf getrost jetzt schon als eines der Kinoereignisse 2006 angekündigt werden.

Sieben Jahre nach der Auszeichnung für Der schmale Grat (The Thin Red Line) stellt Großmeister Terrence Malick auf der diesjährigen Berlinale sein neuestes Werk The New World über die Besiedlung Amerikas vor.

Ebenfalls auf dem größten deutschen Filmfest werden die heimischen Produktionen Elementarteilchen von Oskar Roehler nach dem Skandalerfolg von Michel Houellebeq und Hans-Christian Schmids Reqiuem Premiere feiern. Der im Schwaben der Siebziger Jahre angesiedelte Film basiert wie schon Der Exorzismus von Emily Rose (The Exorcism of Emily Rose) auf dem authentischen Fall der Anneliese Michel.

Schon im Januar werden Andreas Dresens großartiger Berlinfilm Sommer vorm Balkon und Oliver Hirschbiegels ganz persönlicher Untergang-Abgesang Ein ganz gewöhnlicher Jude mit Ben Becker auf den Leinwänden zu sehen sein. Nach zwanzig Jahren kommt Patrick Süskinds Bestseller Das Parfüm mit internationalen Topdarstellern unter der Regie von Tom Tykwer in die Kinos.

Erst im Spätherbst dürfen wir Martin Scorseses The Departed, ein Remake des modernen Hong-Kong-Klassikers Infernal Affairs (Wu jian dao, 2002), mit Leonardo DiCaprio und Matt Damon erwarten. Dann dauert es auch nicht mehr lange, ehe wir kurz vor Weihnachten das erste Mal Daniel Craig (

Layer Cake</em>[filmid]) als James Bond mustern werden. Dass Endlosreihen zwar funktionieren können, aber durchaus mal eine Frischzellenkur benötigen, hat sich noch nicht bis zu Sylvester Stallone durchgesprochen. Der hat nach einer rekordverdächtigen Reihe von Flops in den vergangenen zehn Jahren jetzt den Strohhalm ergriffen und wird wieder als <em>Rocky</em> in den Ring steigen und sich als <em>Rambo</em> auf Kriegspfad begeben. Die Neunziger Jahre waren durchaus kein Terrain für diese beiden Figuren, doch wer weiß, vielleicht ist die Zeit ja reif für die Rückkehr solcher Helden.

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