Die besten Filme des Jahrzehnts
In den vergangenen Wochen habe ich knapp 150 Filme des sich dem Ende neigenden Jahrzehnts aufgelistet und zum Teil vorgestellt, die mich besonders begeistert, beeindruckt, angeregt haben. Es war und ist ein spielerisches Unterfangen, zu dessen Abschluss man nun auch schreiben kann: Die Würfel sind gefallen. Aus der Vorauswahl habe ich meine ganz persönliche Favoritenliste des Jahrzehnts zusammengestellt. Lässt sich überhaupt etwas – abgesehen von meiner eigenen Kino-, Psycho- und Soziogenese – aus dieser doch auch zufälligen Anordnung ableiten?
Drei Tendenzen fallen mir beim Blick auf die Listen auf: Dem südkoreanischen Kino ist vor allem zu Beginn des Jahrzehnts eine Rolle als innovationsfreudige, katalysierende Bewegung zuzuordnen. So unterschiedliche Regisseure Kim Ki-duk, Bong Joon-ho und Park Chan-wook haben das Jahrzehnt geprägt. In den vergangenen Jahren haben sich andere Länder des asiatischen Raumes hervorgetan, etwa Thailand mit Apichatpong Weerasethakul und die Philippinen mit Brillante Mendoza oder Lav Diaz, die hierzulande noch weitestgehend zu entdecken sind (was zumindest bei Zweiterem auch für mich gilt). Hongkong, bis in die 90er Jahre hinein, gerade was das taktile und kinetische Kino anbelangt, auch in Bezug auf das Bloodshed-Cinema eines John Woo, aber weit darüber hinaus, eine asiatische Kinohochburg, hat seine zentrale Rolle etwas eingebüßt. Die Infernal-Affairs-Trilogie (Wu jian dao 1-3, 2002-2003) liegt nun auch schon einige Jahre zurück und die Nachfolgefilme der Macher konnten nicht überzeugen. China, an der Spitze Zhang Yimou, ist mittlerweile fast naturgemäß als kraftvolles und wirkungsmächtiges Kinoland zu nennen.
Mein Blick auf Europa schweift beinahe an einem sich im Tiefschlaf befindlichen Frankreich vorüber, Claire Denis einmal ausgenommen. Die belgischen Dardenne-Brüder dominieren den Sprachraum und haben mit Der Sohn (Le Fils, 2002) die Möglichkeiten der digitalen Handvideokamera in der Skizzierung human-sozialer Prozesse so weit ausgelotet, wie sonst in einem vergleichbaren Rahmen vielleicht nur Andreas Dresen. Er steht, gemeinsam mit Christian Petzold und dem im Fernsehsegment reüssierenden Dominik Graf an der Spitze eines deutschen Kinos, das in Sachen Kraft und Qualität endlich an längst vergangene Zeiten anknüpft. Petzold weist womöglich das konstant hochwertigste Oeuvre überhaupt auf. Das liegt vielleicht im seinem Arbeitsprinzip begründet, das von einem harmonierenden Kollektiv lebt. Durch die vielen hervorragenden Einzelbeteiligten scheint dem Regisseur jederzeit die nötige Rückversicherung möglich. Den Begriff der Berliner Schule allerdings, dies nur als Fußnote, sollte man vielleicht endgültig ablegen.
Das amerikanische Independentkino befindet sich seit einigen Jahren an der Krise, was sicherlich mit den veränderten Produktionsstrukturen zu tun hat. Kaum ein vermeintlich unabhängiger amerikanischer Film, der nicht dem Sub-Label eines Studios zugeordnet wäre. Eine der wenigen Ausnahmen und für mich der herausragende Regisseur der vergangenen Jahre: James Gray. Im März wird sein Two Lovers (2008) endlich auch in Deutschland auf DVD erhältlich sein. Vorher, im Januar, läuft der Film im Rahmen des Unknown Pleasures Festivals im Berliner Babylon Mitte.
Hollywood profitierte in diesem Jahrzehnt von den Südamerikanern: Fernando Meirelles und Alejandro González Inárritu haben mit Produktionen wie Babel (2006) und Der ewige Gärtner (The Constant Gardener, 2005) dem Begriff des World Cinema eine neue Nuance verliehen. Über dieses Phänomen und ob es sich dabei um Demokratisierungsprozesse handelt oder nicht, wird in der nächsten Zeit noch viel nachzudenken und zu schreiben sein. Auch der Neuseeländer Andrew Dominik gehört zu Hollywoods aktuellen Trümpfen. Gemeinsam mit seinem australischen Nachbarn John Hillcoat konnte er den Western ein weiteres Mal von den Toten erwecken.
Nach diesen Annotationen nun also zu den Top 10, die mal wieder keine Top 10 geworden sind. An der Spitze, das mutet ein wenig langweilig an, schien mir aber unausweichlich, steht David Lynch. Er ist als einziger Regisseur gleich zweimal in meiner Abschlussliste vertreten. Zwischen seinen beiden Alpträumen findet sich Michael Mann wieder. Dem Regisseur ist es in den vergangenen drei Jahrzehnten gelungen, jeweils mindestens ein Meisterwerk vorzulegen. In den 2000ern war das Miami Vice (2006). Dafür haben mich Ali (2001), Collateral (2004) und Public Enemies (2009) zum Teil bodenlos enttäuscht. Gar nicht in der Liste taucht Martin Scorsese auf. Unabhängig davon, ob es ihm mit der Dennis-Lehane-Adaption Shutter Island gelingt, seinen ersten ganz großen Film mit Leonardo Di Caprio zu präsentieren, hat die berufliche Trennung von Robert De Niro nicht nur ihm, sondern auch dem Schauspieler geschadet, der ebenfalls ohne Titel in meiner Liste ist. Beide gelten – genauso wie zwischenzeitlich Michael Mann – mit dem Projekt Frankie Machine assoziiert. Man darf gespannt sein, ob hier potentieller Toplisten-Stoff entsteht.
Alle hier aufgeführten Filme würde ich bedenkenlos mit dem Etikett „Meisterwerk“ verzieren, da dann Abstufungen vorzunehmen, fällt schwer. Meinem Kurzzeitgedächtnis ist es vermutlich zu verdanken, dass sich gleich mehrere Filme der aktuellen Kinosaison weit nach vorne geschoben haben.
- Mulholland Drive (David Lynch, 2001)
- Miami Vice (Michael Mann, 2006)
- Inland Empire (David Lynch, 2006)
- Bin-Jip (Kim Ki-duk, 2004)
- Tödliches Kommando (Kathryn Bigelow, 2009)
- Hunger (Steve McQueen, 2008)
- Das Bourne Ultimatum (Paul Greengrass, 2007)
- Der Sohn (Jean-Pierre und Luc Dardenne, 2002)
- Die Werckmeisterschen Harmonien (Béla Tarr, 2000)
- Zatoichi – Der blinde Samurai (Takeshi Kitano, 2003)
- Million Dollar Baby (Clint Eastwood, 2004)
Veröffentlicht am 23.12.2009
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Kommentare zu Die besten Filme des Jahrzehnts
Anton Aristovitch 23.08.2010 09:35
deine liste ist ganz gut.kenn manche zum teil nicht,aber wenn du schon von den besten filmen des jahrzents redest.dann sollten schon sachen wie herr der ringe,starwars.pate,batman u.v.m vorkommen.
gruß anton
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