Deutscher Filmpreis 2007

In Form einer Galaveranstaltung ehrte die seit zwei Jahren für die Vergabe zuständige Deutsche Filmakademie gestern Abend in Berlin die herausragenden Leistungen des vergangenen Jahres. Die Zeremonie orientierte sich bis ins kleinste Detail an der Oscarverleihung – einem Marcus H. Rosenmüller wurde nach wenigen Worten des Dankes das Wort per Musik abgeschnitten, allerdings nicht aus dem Orchestergraben, sondern vom Band. Den Verstorbenen gedachte man via Video-Leinwand und eingängiger Musik, vergeben wurden goldene Statuen, durch das Programm führte der Comedian vom Dienst, Michal „Bully“ Herbig. Der ist seines Zeichens Mitglied der ProSieben-Star-Force.

 

Obwohl die Verleihung noch vom ZDF ausgestrahlt wurde, waren auch gestern bestimmte Tendenzen offensichtlich. Das bemühte Schielen in Richtung Traumfabrik ist Teil einer gezielten Politik, die, vereinfacht gesprochen, von einer Art Südachse betrieben wird, und eine Kluft in Deutschland verdeutlicht. Bernd Eichinger ist der augenscheinlichste Repräsentant des Interessennetzwerk Constantin-Bavaria-ProSieben, das gerne auf Mitarbeiter der Münchner Filmhochschule setzt. Auf der anderen Seite gibt es die Berliner Filmhochschulen, denen in Verbund mit Talenten aus Wien und Hamburg, gerne das Prädikat „Neue Berliner Schule“ verliehen wird. Deren Protagonisten geht es vor allem um ein unabhängiges Kino mit eigenständiger Sprache, das sich nicht nur an amerikanischen oder globalen Konventionen orientiert. Für diese Gruppierung ist momentan bei einer Verleihung wie dem Deutschen Filmpreis wenig Platz. Hatten es zu Zeiten einer unabhängigen Jury immer wieder auch radikale Filme wie Die Unberührbare (2000), Die Innere Sicherheit (2000; Filmpreis 2001) oder Gegen die Wand (2004) zur Auszeichnung als Bester Film geschafft, musste es gestern schon als positive Überraschung gelten, dass Eichingers Großproduktion Das Parfum neben fünf weiteren Auszeichnungen „nur“ die Silberne Lola gewann.

Neben Tom Tykwers Bestselleradaption ragten vor allem zwei weitere Filme heraus: Wer früher stirbt, ist länger tot, der bayerische Überraschungserfolg des vergangenen Jahres, erhielt ebenfalls eine silberne Lola, sowie die Auszeichnung für Beste Regie, Bestes Drehbuch und Beste Filmmusik. Der Hauptpreis, die Goldene Lola für den Besten Film, ging an Vier Minuten von Chris Kraus, dessen Hauptdarstellerinnen Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung konkurrierten um den Preis in ihrer Kategorie. Auch bei dieser Entscheidung orientierte sich die Akadamie am amerikanischen Vorbild: Während die ältere der beiden als Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, erhielt Nachwuchshoffnung Hannah Herzsprung zunächst einmal den Preis als Beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in Das wahre Leben. Ihr männliches Pendant war Devid Striesow, ausgezeichnet als Bester Nebendarsteller für das Portrait eines zwielichtigen SS-Mannes in Die Fälscher. Die Ehrung als Bester Hauptdarsteller wurde Josef Bierbichler für seine Rolle in Winterreise, neben Wer früher stirbt, ist länger tot eine weitere Heimatfilmvariation, zuteil.

Weitere Preise gingen an Detlev Buck für seinen Kinder- und Jugendfilm Hände weg von Mississippi, sowie Michael Glawogger für seinen Dokumentarfilm Workingman’s Death.

Den genannten Tendenzen des Abends entsprechend wurde mit Stolz auf die Entwicklung des letztjährigen Gewinners Das Leben der Anderen hingewiesen. Florian Henckel von Donnersmarcks Regiedebüt hatte schließlich auch den Europäischen Filmpreis und den Oscar gewonnen. Und niemand geringeres als ein Oscargewinner sollte schließlich den Ehrenpreis empfangen: Armin Mueller-Stahl. Als Festredner stand Mario Adorf zur Verfügung, der, passenderweise, bei Fassbinders Film mit dem Titel Lola das erste Mal mit Mueller-Stahl zusammengearbeitet hatte. In seiner Laudatio würdigte Adorf dessen vielseitige Karriere in der DDR, der BRD und eben Hollywood.

Zu diesem Zeitpunkt mochte man sich fragen, was wohl das Enfant Terrible Fassbinder selbst von so einer Veranstaltung gehalten hätte, und so ein wenig mag diese Frage auch Michael Ballhaus, Kameramann bei Lola und selbst mit Hollywood-Karriere, durch den Kopf gegangen sein. Nur ganz selten fingen die Fernsehbilder diesen großen Künstler des Kinos ein. Eines Kinos von Weltrang. Nicht zu verwechseln mit Weltkino im Sinne Eichingers.

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