Berlinale-Notizen - Tag 4

Die frühe Schiene der Pressevorführungen um neun Uhr morgens bietet auf der Berlinale traditionell den Gewinnerfilm und überhaupt eine Auswahl, die man ungern misst. So muss nicht selten abgewogen werden, ob etwas weniger Schlaf noch zu verkraften ist.

Blood Simple

Doch die Befürchtung, renommierte Regisseure zeigten im Berlinale-Wettbewerb nur ihre Zwischenwerke, die Filme zwischen ihren Meisterwerken, hielt wohl so einige Kollegen heute dann doch vom Besuch der Vorführung von Zhang Yimous A Woman, a Gun and a Noodle Shop (San qiang pai an jing qi) ab, einem Remake vom Erstling der Coen-Brüder, Blood Simple (1984). Neben mir blieben etliche Plätze frei, ganz anders als tags zuvor bei Shutter Island, der lief allerdings auch erst um zwölf Uhr mittags.

Kanikōsen

Nun, es ist tatsächlich keine Überraschung, auch hier hat ein Regisseur, der hervorragend mit Bildern zu erzählen weiß, das Ziel verfehlt. Dabei funktioniert der Film über weite Strecken komplett ohne Dialoge, da erzählen sich die Situationen, die nicht abbrechen wollenden Quidproquos wie von selbst, durch wiederkehrende Bilder, sich wiederholende Handlungen und parodistischen Slapstick en masse. Zu sehr scheint Zhang allerdings sein eigener Stil zu gefallen, die bunten Kleider, die Waffen, ein Arsenal an Utensilien in Zeitlupe. Darüber entgleitet ihm ein wenig das Timing, das für eine solche Komödie, vor allem ohne elegisches oder episches Moment und angesichts der Beschränkung auf ein Haus mit Keller und ein Stück Wüste, unerlässlich ist. So einige Bilder bleiben hängen, da ist er dem Film Kanikōsen im diesjährigen Forum nicht unähnlich. So bleibt abzuwarten, wie A Woman, a Gun and a Noodle Shop die nächsten Tage und Bilderfluten in meiner Erinnerung übersteht.

Napoleon Dynamite

Mit Gentlemen Broncos hat die Berlinale in diesem Jahr einen ihrer stärksten Filme in der Sektion Generation 14plus versteckt. Regisseur Jared Hess unterstreicht hier, was schon in Nacho Libre (2006) deutlich wurde: einen Hang zum Brachial- und Fäkalhumor. Der zeigt sich beispielsweise, wenn eine Schlange plötzlich ihre Notdurft verrichtet. Doch zum einen sitzen derlei überraschende Momente, zum anderen sind sie weniger Selbstzweck als in die Gesamtkomposition des Films eingebunden. Vor allem aber kehrt Hess nach dem Star-Vehikel Nacho Libre hier zu seinen Napoleon Dynamite-Wurzeln (2004) zurück, was ihm sichtlich gut tut.

Anders als Jack Black, der mit seiner immergleichen One-Man-Visagenshow nicht nur in Nacho Libre, sondern auch bei anderen Auteurs wie Michel Gondry und dessen Abgedreht (Be Kind Rewind, 2007) ein Fremdkörper blieb, zählt Ben Stiller neben Adam Sandler zu den Komödienstars, die aufgrund ihrer größeren Wandlungsfähigkeit auch in anderen Genres und Rollen zu überzeugen wissen.

Greenberg

In Noah Baumbachs Greenberg spielt Stiller leiser und zurückhaltender als gewohnt. Sein Charakter bleibt verschroben, weist der Tragikomödie entsprechend allerdings beide Facetten auf. Insofern wirkt der Film nicht ganz so brüllend komisch wie Gentlemen Broncos, fügt sich jedoch sehr passend in das kleine Œuvre des Regisseurs von Der Tintenfisch und der Wal (The Squid and the Whale, 2005). Der Weggefährte von Wes Anderson erzählt eine Liebesgeschichte und fast en passant eine recht unübliche Familiengeschichte. Wie bei Gentlemen Broncos weiß auch hier der Musikeinsatz zu überzeugen. Mehr über den Film in unserer Kritik.

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