Berlinale 2007: Filmempfehlungen aus den Sektionen

Panorama

Der Terrorismus ist nach wie vor eines der Themen, die Filmemacher stark beschäftigen. Hal Hartleys Panorama-Beitrag Fay Grim fällt dabei gerade im Vergleich zu Filmen wie Syriana (2005) oder dem im Wettbewerb vertretenen Der gute Hirte (The Good Shepherd, 2006) durch den Blickwinkel der Komödie auf.

Durch aberwitzige Umstände rutscht Fay Grim (Parker Posey) immer tiefer in die Tiefen des internationalen Terrorismus. Im Auftrag der CIA wird sie auf die Suche nach Notizbüchern ihres verstorbenen Ehemannes geschickt, die angeblich die nationale Sicherheit der USA bedrohen. Hal Hartley inszeniert dies als atemlose Jagd durch Europa und überschüttet die Zuschauer dabei mit (bewusst unnötigen) Informationen und Wendungen. Trotz aller Komik besitzt Fay Grim dabei einen überaus ernsten Unterton, und Hal Hartley zeigt, wie aus einer unbescholtenen Bürgerin eine angeblich gefährliche Terroristin gemacht wird.

Perspektive Deutsches Kino

Wie lebt es sich eigentlich als junge Frau in Kreuzberg, diesem fast schon mythisch verklärten Berliner Stadtteil, in dem das Miteinander der Kulturen nicht Theorie, sondern Alltag ist? Der Dokumentarfilm Prinzessinnenbad von Bettina Blümner bleibt nah an seinen Protagonistinnen, drei 15-jährigen Freundinnen aus Berlin-Kreuzberg. Ohne dass der Film je ins Voyeuristische kippt, erfährt man viel vom Verhältnis der Mädchen untereinander, zu Jungs und Sexualität und nicht zuletzt zu ihren Eltern – alle drei stammen aus klassischen Patchwork-Familien, in denen zum Teil Menschen unterschiedlicher Nationalität zusammengefunden haben.

Generation 14plus (ehem. Kinderfilmfest)

Manch ein Fan japanischer Anime-Filme wird zuerst einmal skeptisch sein, wenn er den Namen des Regisseurs erfährt: Tekkonkinkreet wurde nicht von einem Japaner, sondern von dem amerikanischen Special-Effects Experten Michael Arias konzipiert. Doch das Ergebnis schneidet nicht nur im Vergleich mit anderen Produktionen des Genres der letzten Jahre ausgesprochen gut ab; gerade auch den amerikanischen Trickproduktionen der letzten Jahre erteilt Tekkonkinkreet eine Lektion in Sachen Einfallsreichtum. Den zahllosen dreidimensional animierten Tierabenteuern der letzten Jahre setzt Arias einen manchmal fast klassisch anmutenden Zeichentrickfilm mit einer äußerst intelligenten Ästhetik entgegen, der Elemente des Jugend- wie des Gangsterfilms scheinbar mühelos in einem der visuell eindrücklichsten Werke der letzten Zeit vereint.

Forum

Seit Jahren ist das Forum der Berlinale eine Plattform der Filme der sogenannten Berliner Schule. So fanden sich letztes Jahr beispielsweise mit Montag kommen die Fenster, Lucy und Aus der Ferne gleich drei Werke aus diesem Umfeld im Programm. 2007 sind zwar Arbeiten von Thomas Arslan und Christian Petzold auch in anderen Sektionen vertreten, Angela Schanelec jedoch, das in mancher Hinsicht radikalste Mitglied der Gruppe, bleibt dem Forum treu. Nachmittag basiert auf Motiven von Tschechovs „Die Möve“ und erzählt in episodischem Stil die Geschichte eines jungen Schriftstellers und seiner diversen Beziehungsprobleme. Formal ist das stimmungsvolle Werk ähnlich streng wie die Vorgänger, aufgrund einer verhältnismäßig überschaubaren Handlungsstruktur erscheint es jedoch leichter zugänglich als die letzten Arbeiten der Regisseurin.

Ein Knochenjob: Campaign dokumentiert die Wahlkampfarbeit eines japanischen Kommunalpolitikers namens Kazuhiko Yamaguchi, der für die seit Jahrzehnten das Land regierende konservative LDP antritt. Nicht nur muss er auf zahllosen Veranstaltungen wie auf offener Straße Tag und Nacht den Wählern seinen Namen und sein Gesicht bekannt machen, zusätzlich sitzen ihm die lokalen Parteifürsten im Nacken. Kazuhiro Sodas Film verfolgt den wenig charismatischen Yamaguchi in der Tradition des Direct Cinema der Maysles-Brüder über mehrere Wochen und zeichnet das Bild eines Mannes, der sich nicht so ganz am richtigen Platz zu befinden scheint sowie der politischen und institutionellen Seilschaften des gegenwärtigen Japans.

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