Berlinale 2005: Retrospektive und Ausstellungen

Auch in diesem Jahr wusste die Retrospektive der Internationalen Filmfestspiele von Berlin wieder zu überzeugen. Was sich „Production Design“ nannte, entpuppte sich als eine verdeckte Stanley Kubrick-Werkschau. Schon im Odyssee im Weltraum-Jahr 2001 war Kubrick neben eben jenem Film mit Wege zum Ruhm (Paths of Glory, 1957) und Spartacus (1960) sowie der Dokumentation seines langjährigen Produzenten Jan Harlan prominent vertreten. Harlan reiste in diesem Jahr wie damals gemeinsam mit Kubricks Witwe Christine, einer Nebendarstellerin aus Wege zum Ruhm, an.

Neben der kompletten Werkschau in der Retrospektive boten noch zwei Ausstellungen guten Anlass: die Wanderausstellung des Deutschen Filmmuseums Frankfurt am Main ist noch bis zum 11.4. im Martin Gropius-Bau präsent, weist mit vielen Produktionsmaterialien und Installationen auf.

In der Ausstellung des Filmmuseums zum Production Design nimmt Kubrick naturgemäß nur einen untergeordneten Platz ein. Auch diese, den Räumlichkeiten entsprechend wesentlich weniger voluminöse Ausstellung, weiß insgesamt zu überzeugen. Die 120 Exponate von 28 Produktionsdesignern sind in fünf verschiedene räumliche Konstellationen eingeteilt. Dabei stehen oft moderne Designer klassischen antithetisch gegenüber. Besonders beeindruckend sind das Modell eines der größten Sets bis dato überhaupt: der Terminal von Steven Spielbergs gleichnamigem Erfolgsfilm mit Tom Hanks und ein Modell der Villa Arpel aus Jaques Tatis Mein Onkel (Mon Oncle, 1958). In Wort, Text und Gegenstand wird zudem Alain Resnais’ riesige Nachbildung eines Golfplatzes in Smoking/No Smoking (1993) vorgestellt. Zu Ehren kommt mehrfach der noch junge Produktionsdesigner Uli Hanisch, der bereits für Schlingensief, Petzold und Tykwer gearbeitet hat. In Erinnerung bleibt sein Entwurf der Gefängnisanlage in Oliver Hirschbiegels Das Experiment (2001).

Schon die Pressekonferenz zur Retrospektive und deren Ausstellung verdeutlichte die schwindende Bedeutung der Sektion innerhalb des Festivals: Dieter Kosslick ließ sich kurzfristig entschuldigen und war in Sachen Jury unterwegs. Der ehemals wichtige Ehrenbär, in den vergangenen beiden Jahren kurzfristig und eher stiefmütterlich an Anouk Aimée bzw. Fernando Solanas vergeben, ging dieses Jahr beinahme unbemerkt an den koreanischen Regisseur Im Kwon-Taek.

Neben den bekannten Kubrick-Klassikern bot die Retro auch einige seltener zu sehende Werke wie den russischen Frühling (Wesna, 1946, Regie Grigorij Alexandrow) oder Luschino Viscontis opulenten Sandra (Vaghe stelle dell’Orsa, 1965).

Begleitet wurde die Filmreihe von der Deutschen Kinemathek mit Gesprächen im Filmhaus, an denen unter anderem Michel Ciment teilnahm. Die Production Design-Ausstellung ist dort noch bis zum 19. Juni präsent.

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