Tagträume vom Mars, Nazis hinterm Mond

12.02.2012

Erster Film der Retro ist natürlich Aelita, jener sowjetische „Science-Fiction“-Film von 1924, über den im Vorfeld dieser Berlinale immer geschrieben wurde, wenn von den alten russischen Stummfilmen die Rede war, die hier wunderbarerweise zu sehen sind. Science-Fiction in Anführungsstrichen deshalb, weil die Szenen in der Parallelwelt des Mars lediglich die Tagträume des Protagonisten sind, den im nachrevolutionären Moskau die Eifersucht quält. Aber diese Szenen haben es in sich! Zur Live-Klavierbegleitung sieht man skurrile expressionistische Kostüme (die Soldaten sehen ein wenig so aus wie die imperialen Sturmtruppen in Star Wars) in einem Bühnenbild aus Treppen und Kegeln, in dem es – wir sehen schließlich ein Produkt der „Roten Traumfabrik“ – auch noch zur Revolution der geknechteten Arbeiter kommt.  weiter

Highway: Nepalesisches Kino auf der Berlinale

11.02.2012

Nepal im Berlinale-Panorama. Das klingt auf dem Papier wie ein Hingucker. Und gerade für die Erforschung weithin unbekannter Kinematografien eignet sich ein so breit gefächertes Festival wie die Berlinale ganz besonders. Früher gab es dafür im Forum Länderschwerpunkte, die den Bemühungen eines fokussierteren Programms unter Christoph Terhechte zum Opfer fielen. Dennoch ist dieser Ansatz der vorbehaltlosen Neugierde auch 2012 präsent – etwa in der Vorstellung eines verschollenen Kinos: des kambodschanischen aus der Zeit vor der Zerstörung durch die Roten Khmer. Die Erwartungen an Filmfestivals sind widersprüchlich, auch die ein und derselben Person. Selbstverständlich freue auch ich mich auf die Möglichkeit, einen nepalesischen Film zu sehen. weiter

Ein verheißungsvoller Auftakt

11.02.2012

Nach den ersten beiden Wettbewerbsfilmen, Leb wohl, meine Königin! von Benoît Jacquot und Aujourd'hui von Alain Gomis, mag man schnell verleitet sein, eine neue Berlinale-Wettbewerbs-Ära auszurufen. Welch ein Auftakt! Der staubige Daldry außer Konkurrenz, Extrem laut und unglaublich nah, darf getrost übersehen werden. Schwieriger wird es aber schon, wenn man das Kindesmissbrauchs-Drama À moi seule verteidigen will: halb-subtil, halb-komplex, mit reichlich abgestandener Großaufnahmen-Ästhetik, ein letztlich feiger Versuch, ein schwieriges Sujet zu inszenieren, ohne Risiko. Schlicht ein Film ohne Haltung. Den überragenden Einstand in die 62. Berlinale kann uns der schnell vergessene Film dennoch nicht mies machen. Weiter zu unserer Berlinale-Seite mit Kritiken, Trailern und Specials.

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Kino-Empfehlungen

Dame, König, As, Spion

GB 2011. Regie: Tomas Alfredson. Mit: Gary Oldman, Tom Hardy
Start: 02.02.2012

Der minimalistische Blick: Tomas Alfredson adaptiert John le Carrés Spionageroman aus dem Jahre 1974 – mit herausragenden Darstellern und sicherem Gespür für klassisches Spannungskino abseits üblicher Schauwerte. weiter

Weitere Kino-Empfehlungen

  • The Artist

    Die originelle Hommage eines Franzosen an das Hollywood der Stummfilmära – in Schwarzweiß und (fast) ohne Ton.

  • Drive

    Gewaltrausch in Zeitlupe.

  • Ein riskanter Plan

    Im Netz. Wenn Sam Worthington an den Abgrund tritt, begegnen sich Struktur und Chaos.

  • Once Upon A Time in Anatolia

    Reise ans Ende der Nacht, Reise ans Ende der Welt.

  • Amer - Die dunkle Seite deiner Träume

    Der Tod, das Fleisch, der Schnitt, das Blut, die Klinge, der Handschuh, das Leder, das Rasiermesser – Amer nimmt das Giallo-Kino in die extreme Nahaufnahme.

  • Faust

    Eintauchen in die groteske Welt des Mittelalters. Aleksandr Sokurov inszeniert das deutsche Drama schlechthin.

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DVD-Empfehlungen

Boardwalk Empire Season 1

USA 2010. Regie: Timothy Van Patten, Allen Coulter .... Mit: Steve Buscemi, Michael Pitt
Start: 10.02.2012 (Verkauf)

Tausend Bühnen namens Amerika. weiter

Weitere Empfehlungen

  • Nader und Simin - Eine Trennung

    Asghar Farhadi hat sich mit Nader und Simin - Eine Trennung zu einem der interessantesten iranischen Filmemacher entwickelt.

  • The Firm

    So hässlich kann England sein. In seinem letzten Film widmet sich Alan Clarke einer Gruppe kleinbürgerlicher Hooligans. 

  • Greetings to the Devil

    Der kolumbianische Film Greetings to the Devil liefert raues, sperriges Actionkino und vermittelt eine bedrückende Atmosphäre der omnipräsenten Gewalt.

  • Attack the Block

    Aliens in da hood: In Joe Cornish’s rasantem Regiedebüt Attack the Block verteidigt eine Teen-Gang ihren süd-londoner Sozialbauwohnblock gegen die Invasion aus dem All.

  • Die Spezialisten

    Gauner-Coup par excellence. Patrice Lecontes Heist-Movie aus dem Jahr 1984 ist stilsicheres, spannendes Actionkino.

  • Midnight in Paris

    Nach London und Barcelona nun Paris. Woody Allens neueste Europa-Station führt ihn zurück zum Dialoghumor und in die Künstler-Dekadenz der 20er Jahre.

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Aktuell im TV

Cincinnati Kid

So 12.02.2012, 20:15 Uhr, arte

In Jewisons Cincinnati Kid (The Cincinnati Kid, 1965) treten Edward G. Robinson, Schauspielveteran der goldenen Ära Hollywoods, und Sixties-Stilikone Steve McQueen als Pokerrivalen gegeneinander an – wer da wohl gewinnt? weiter

Weitere Filme im TV

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Neue Kritiken

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Blog: Berlinale im Dialog

Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog

 

Überlebensstrategien im Japan der Nachkriegszeit

Retrospektive des japanischen Filmemachers Kawashima Yuzo im Forum auf der Berlinale 2012. weiter

 

Boardwalk Empire

Die erste Staffel der HBO Serie auf DVD weiter

 

Christoph Terhechte: abhängig, ohne Verpflichtungen

Interview mit Christoph Terhechte, Leiter des Forums der Berlinale. weiter

 

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