Wolf Creek
Folter und Mord im australischen Outback: Trotz aller äußerlichen Ähnlichkeiten zu Filmen wie The Texas Chainsaw Massacre und The Hills Have Eyes bietet Greg McLeans wahrhaft erschreckend intensiver Horrorfilm mehr als reine Genrekost.
Liest man einige der Kritiken, die zum US-Start des australischen Horrorfilms Wolf Creek – pünktlich zum Weihnachtsfest 2005 – erschienen sind, so bekommt man den Eindruck, man habe es mit einem besonders widerwärtigen Beispiel des Genres zu tun, einem äusserst explizit brutalen Vertreter jener „neuen Härte“ im Horrorgenre, die man etwa in Saw II und Hostel heraufdämmern sehen könne. Moira Macdonald, Kritikerin der Seattle Times, verliess das Kino vorzeitig, entsetzt über die Darstellung von Gewalt als reinem Nervenkitzel, und Roger Ebert fragte sich öffentlich, was, bitteschön, Sinn und Zweck „dieses sadistischen Zelebrierens von Schmerz und Grausamkeit“ sein könne. Man bekommt den Eindruck, die letzte halbe Stunde des Films sei eine einzige, noch dazu äusserst frauenfeindliche Aneinanderreihung von Folterszenen.
Allerdings scheinen sich die Reaktionen von Ebert und Macdonald auf einen anderen Film zu beziehen, denn wer nach Splatterorgien in Blutrot sucht, die dem Publikum als Spektakel dargeboten werden, wird bei Wolf Creek nicht fündig; Der beträchtliche Schrecken, den Greg McLean in seinem ersten Spielfilm verbreitet – er zeichnet auch für das Drehbuch verantwortlich –, entsteht auf subtilere Weise als durch die möglichst detaillierte Ausweidung menschlicher Körper.
Dabei hätte der Film alle Voraussetzungen dafür: Drei etwas unbedarfte junge Leute fahren mit einem ziemlich gebrauchten Wagen durch das australische Outback und geraten dort in die Hände des zurückgezogen lebenden sadistischen Mörders Mick Taylor (John Jarratt), der große Freude daran findet, ahnungslose Touristen zu foltern und nach allen Regeln der Kunst umzubringen. Nur geht es McLean gar nicht hauptsächlich um die körperliche Qual, sondern, nichts könnte schrecklicher sein, um die Furcht der Opfer.
So lässt er sich zunächst fast die Hälfte des Films lang Zeit, um seine Figuren vorzustellen, die britischen Rucksacktouristinnen Liz und Cristy (Cassandra Magrath und Kestie Morassi) und ihren australischen Freund Ben (Nathan Phillips). Mit Handkamera-Aufnahmen, zum Teil mit Material wie aus Bens kleiner Videokamera, rückt McLean den Zuschauer ganz nahe an seine Protagonisten heran – dank der für das Genre eher ungewöhnlich guten Schauspieler bleiben diese keine gesichtslosen Typen. Auch später, während Liz’ und Cristys Fluchtversuchen, bleibt die Kamera bei den Opfern und nimmt nur äußerst selten einmal den Blickwinkel Taylors an. Die Furcht und Verzweiflung, aber eben auch die Desorientierung, die entsteht, als sie versuchen, im Dunkeln aus Taylors mitten in der Wüste gelegenem Lager zu entkommen, wird dadurch unmittelbar spürbar.
Zu keinem Zeitpunkt lässt der Film es zu, sich mit Taylor zu identifizieren; anders als solche Monster des Slasher- und Horrorkinos wie Michael Myers aus der Halloween-Reihe (1978-1998), Freddy Krueger (Nightmare on Elm Street, 1984-1994) oder eben auch Leatherface aus Blutgericht in Texas (The Texas Chainsaw Massacre, 1974) ist er nie übermenschlich, sondern immer auch ein Mensch wie du und ich. Unter seiner unnachgiebigen Grausamkeit verbergen sich Abgründe der Unmenschlichkeit, auf die man eigentlich nur mit entsetztem Schweigen reagieren kann.
McLean unterstützt diesen Eindruck noch, indem er sich in den Momenten des Tötens von den Opfern zurückzieht auf eine noch immer beunruhigend nahe, aber doch fast klinisch distanziert wirkende Beobachterposition, die einerseits das Entsetzen der Opfer einzufangen vermag und andererseits die Nüchternheit, fast möchte man sagen, trockene Professionalität Taylors herausstellt: Der Mörder als Handwerker des Todes und als Trophäensammler noch dazu.
Natürlich weiß McLean, dass er es dabei die ganze Zeit mit Genre-Konventionen zu tun hat, mit denen er aber durchaus gekonnt spielt: So manche Erwartung wird erfüllt, während einige andere, insbesondere über den Fortgang der Handlung, schlichtweg ignoriert werden. Dies führt dann auch zum erwähnten Vorwurf der Frauenfeindlichkeit: McLean interessiert sich nicht für das genretypische Final Girl, das dem Monster bis zuletzt die Stirn bietet.
Wolf Creek ist aber kein Spiel, sondern ein Film, der das Töten ernst nimmt und nicht verharmlosen will, der aber gerade deshalb so immens zu verstören vermag. Taylor setzt das Töten in einigen Äußerungen sowohl in den Kontext der Ungeziefervernichtung – am Lagerfeuer erzählt er ausführlich von seinen Erfahrungen – als auch in den Kontext des Kriegshandwerks. Man könnte auch sagen: Wolf Creek zeigt den Tod in seinem ganzen Schrecken, wie er üblicherweise im Kriegs- und Actionfilm nicht zu sehen ist, weil er dort die Handlung oder die patriotische Botschaft stören würde.
Zugleich inszeniert McLean das Outback – das australische Pendant jenes amerikanischen Hinterlandes, in dem seit jeher und zuletzt dieses Jahr wieder im Remake von Hügel der blutigen Augen (The Hills Have Eyes, 1977) das Böse lauert – als gefahrvolle Leere: Keine Hilfe, nirgends. In vielen Totalen während der ersten Hälfte des Films und schließlich in den Fluchtsequenzen zum Schluss hin dominiert die Natur das Bild, Auto und Menschen verschwinden fast in der Weite der Umgebung.
Dass ganz zum Schluss die Natur allerdings noch ein Sinnbild für die moralische Verkommenheit der Menschen abwerfen muss – eine totale Sonnenfinsternis verdunkelt die Erde –, das hätte dann doch nicht sein müssen. Wolf Creek setzt sich auch so in den Gehirnwindungen fest, wenn man sich traut: Empfindsameren Naturen ist der Film nicht zu empfehlen.
Kritik von Rochus Wolff
Fotos: © Kinowelt
Veröffentlicht am 08.07.2006
Film-Angaben:
Titel: Wolf Creek (Wolf Creek)
Australien 2005
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Greg McLean
Produktion: Greg McLean, David Lightfoot
Darsteller: John Jarratt, Cassandra Magrath, Kestie Morassi, Nathan Phillips
Kinostart: 13.07.2006
DVD-Angaben:
Titel: Wolf Creek
Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Bild: 1,78:1, 16:9
Sprache(n): Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Spieldauer: 88 Minuten
Extras: Audiokommentar von Greg McLean, Matt Hearn, Cassandra Magrath und Kestie Morassi; Making of; Deleted Scenes; TV Spots & Trailer
Zeitgleich erscheint im Verleih und Verkauf eine ungekürzte, ca. 95 Minuten lange Version ohne Jugendfreigabe. Die restlichen Inhalte sind identisch.
Verleih ab: 23.01.2007
Verkauf ab: 09.03.2007
Kommentare
mandy aus hia
Sonntag, 17-08-08 16:54
parkeson aus ffm
Sonntag, 17-08-08 00:18
einfach nur schlecht!!! langweilig auch!!!
Creeper
Freitag, 25-01-08 09:47
Ich fand den Film recht gut aber es ist schon unrealistisch zu denken, dass alles so gewesen ist wie dort gespielt, selbst wenn der Film tatsächlich auf einer wahren Begebenheit beruhen sollte. Der Überlebende konnte gar nicht wissen, was mit den anderen passiert ist, das kann man sich also nur ausgedacht haben, da man ja auch hinterher nichts gefunden hat. Dass man nichts gefunden hat ist auch unlogisch, mehr ...
Herr Lich (21) momentan in Australien
Montag, 07-01-08 07:44
Also... zu den vielen, teilweise ueberfluessigen kommentaren, muss ich jetzt auch mal was loswerden. der film laesst mit sicherheit jeden an einigen stellen mit den augen rollen, was die dummheit der protagonisten angeht. teilweise zu recht. das aber an der produktion auszulassen ist ungerechtfertigt. z.b., dass das ganze geschehen um die 2 maedels komplett fiktiv ist. absolut richtig! aber: mehr ...
dominik
Sonntag, 06-01-08 23:19
welcher Film ist ohne Altersbeschränkung? Ich glaub du hast da was mistverstand er hat keine Jugendfreigabe.Das heisst er ist erst über 18 Jahren freigegeben.
PAtrick
Samstag, 05-01-08 16:33
Wenn ihr mich fragt ist das ein langweiliger, in die länge gezogener möchtegern Horrorfetzten. Sie hätten zu genüge Momente im Film gehabt, an denen sie Schreckmomente einbauen hätten können. Wie gesagt, billiger abklatsch von TCM
CarooooLiin
Sonntag, 09-12-07 20:37
so ich wollte hier einmal was loswerden! ich finde der film sollte nicht ab null jahren sein, denn ich ´kann mir nicht vorstellen, dass ein 3 jähriqer davon keine albträume bekommt. ich selbst bin 14 und habe den film qesehen. ich bin abqebrochen weil es schrecklich für mich war!
Matthias Haueter
Sonntag, 17-06-07 15:55
Das der Film und Täter erfunden ist würde ich nicht sagen, aber ich sage er lässt Fragen um Fragen offen und macht sich so etwas unglaubwürdig. Wie kann man sich solches erklären: 1.Der Typ der überlebt hatte, wie wusste er wie die Frauen, der Täter reagiert und aggiert haben? Was sich halt alles abgespielt hatte? Er hing ohne Sichkontakt aufgespiesst in einem Schacht oder Höhle. 2. mehr ...
towerofungol
Dienstag, 03-04-07 11:20
Eigentlich kann ich der Kritik von Heidenblut nichts hinzufügen. Ein ganz langweiliger Abklatsch von TCM. Extrem dünne Story, dünner geht es nicht mehr. Man vergleiche mal den Sheriff Hoyt aus TCM mit diesem Killer. Er hat seine Rolle zwar nicht schlecht gespielt aber geschockt hat er nur ein einziges Mal. Das war die Szene mit dem Messer. Fazit: Rohstoffverschwendung.
Cecil
Montag, 26-03-07 13:01
Hallo Sirana, ich würde gerne mehr über die wahre Geschichte nachlesen. Kannst Du mir ein paar Links / Infos geben wo ich das finde? Danke LG Cecil
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ein ganz schrecklicher film nicht im sinne von gruselig sondern von todlangweilig auch wenn die schauspieler im großen und ganzen sehr talentiert sind und die geschichte echt spannend ist er sehr schlecht umgesetzt... es echt sehr schade weil gerade so eine geschichte mit psychoterror oder folter sehr spannend sind... also ich war sehr entäuscht...sehr