Superman Returns
Der neue Superman ist der alte Superman. Dieser Eindruck drängt sich zumindest beim Anblick Brandon Rouths auf, der die Rolle der neben Batman weltweit bekanntesten Superheldenfigur vom 2004 verstorbenen Christopher Reeve übernimmt.

Die Ähnlichkeit beider Schauspieler ist erstaunlich und beschränkt sich nicht nur auf die Optik: wie Reeve war auch Routh vor seinem ersten Auftritt als Superman wenig bekannt und arbeitete bisher vor allem für das Fernsehen. In Superman Returns füllt er seine Rolle von der ersten Minute an derart perfekt aus, dass man sich fragen muss, ob der 26-Jährige nicht tatsächlich auf dem Planeten Krypton geboren ist.
Wer einen Film über Superman drehen will, lädt sich zwangsläufig die Bürde einer langen medialen Vorgeschichte samt zugehöriger Fanerwartungen auf. Als Richard Donner 1978 Superman drehte, den ersten amerikanischen Superheldenfilm im Blockbusterformat, war der Titelheld des Streifens bereits 40 Jahre alt. Im Juni 1938 erblickte der Kryptonianer, ein Kämpfer für Freiheit, Gerechtigkeit und den American Way of Life, in der ersten Ausgabe des Magazins „Action Comics“ das Licht der Welt. Seither befindet sich das von Joe Shuster und Jerry Siegel erschaffene Franchise auf einem beispiellosen Siegeszug in allen medialen Ausprägungen rund um die Welt. Ins Kino gelangte der Mann aus Stahl zuerst durch Max und Dave Fleischers inzwischen legendäre Zeichentrickkurzfilme (1941-43), anschließend folgten verschiedene Serials und zahlreiche Spielfilme, nicht nur in Amerika, sondern auch - mit oder ohne offizielle Genehmigung - in zahlreichen anderen Ländern wie Indien oder der Türkei. Neben der Cartoonversion der Fleischers ist es jedoch vor allem die Serie von Hollywood-Blockbusterverfilmungen (1978-1987), die das Bild der nach Captain America zweitamerikanischsten aller Heldenfiguren bis zum heutigen Tage prägt.

An diese Filme schließt nun Superman Returns an, der fünfte Teil der Kinoserie, inszeniert vom genreerfahrenen Bryan Singer (X-Men, 2000; X-Men 2, 2004). In der Tat ging der Produktion von Superman Returns eine lange Folge unterschiedlicher Entwürfe für das Leinwandcomeback der Figur voraus, unter anderem nahm man Tim Burton, McG und Brett Rattner als Regisseure für das Projekt unter Vertrag, unterschiedlichste Drehbuchvarianten waren im Gespräch, und sogar ein Superheldengipfeltreffen Superman vs. Batman unter der Regie von Wolfgang Petersen wurde lange diskutiert. Bryan Singers Version jedoch schließt nun inhaltlich direkt an die bei Publikum wie Kritik äußerst erfolgreichen ersten beiden Filme der Serie an.
Kents Dauer-„gute-Freundin“ Lois Lane (Kate Bosworth) hat sich in Supermans fünfjähriger Abwesenheit – der Weltenretter hatte sich auf die Suche nach den Überresten seines Heimatplaneten begeben – verlobt. Ihr Zukünftiger heisst Richard White (James Marsden), ist Sohn von Perry White (Frank Langella), dem Herausgeber der Tageszeitung „Daily Planet“, bei welcher Kent und Lane immer noch angestellt sind. Auch Mutter ist die mutige Journalistin inzwischen geworden. Ihr Sohn Jason (Tristan Lake Leabu) stammt angeblich aus der Beziehung mit Richard, ist allerdings komischerweise bereits vier Jahre alt. Die sich hieraus ergebenden Fragen – vorehelicher Sex war auf jeden Fall im Spiel - nehmen jedoch nur einen kleinen Teil der Handlung ein, denn bald stellt sich heraus, dass zeitgleich mit Supermans Heimkehr auch dessen Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) wieder aktiv zu werden gedenkt.

Supermans Auseinandersetzung mit Lex Luthor entwickelt sich entlang ähnlicher Vorzeichen wie 1978: Wieder plant der Superschurke eine ebenso gigantische wie unmenschliche Grundstückspekulation, wieder spielt Clark Kents Love Interest Lois Lane eine entscheidende Rolle in der Dramaturgie. In der Tat erscheint Superman Returns oft weniger als eine Fortsetzung, denn als ein Remake der ersten beiden Filmabenteuer der Serie. Die Dialoge greifen viele der bekannten und von Fans geliebten Schlagworte der Originalfilme direkt auf. Auch die visuelle Inszenierung richtet sich in vielen Sequenzen an Donner und Lester aus.
Dennoch unterscheidet sich die Grundstimmung des Singerschen Superman-Films deutlich von älteren Versionen. Vor allem fällt auf, dass der digital gedrehte, optisch jedoch nicht allzu einfallsreiche Superman Returns um einiges düsterer geraten ist als seine Vorgänger. Definierten sich vor allem Richard Lesters Beiträge zur Filmserie – neben Superman 2 (1980) auch Superman 3 (1983) – über die Verbindung aus naiven Abenteuergeschichten mit überdrehtem, oft selbstreflexivem Humor, nehmen in Singers Version komische Elemente wesentlich weniger Platz ein. Die Differenz der beiden Herangehensweisen lässt sich am Vergleich einzelner Plotelemente deutlich machen: Der Palast der Einsamkeit, Supermans am Nordpol gelegener Rückzugsort, wurde in den alten Filmen als verkitschte Art-Deco-Fantasie dargestellt, in Superman Returns erinnert er dagegen eher an Saurons Festung im Mordor aus der Herr der Ringe-Trilogie (The Lord of the Rings, 2001-2003). Insgesamt ist vor allem die zweite Hälfte des Films fast humorfrei und orientiert sich optisch wie dramaturgisch an den Science-Fiction-Blockbustern der letzten Jahre.

Hier wird auch ein Problem des Films deutlich: Superman Returns gelingt es nicht, anders als etwa Christopher Nolans quasinaturalistischem Batman Begins (2005), ein eigenes Profil zu entwickeln, welches den Streifen entscheidend vom Superheldenoverkill der letzten Jahre abheben könnte. So erscheint Superman Returns wie ein – vor allem im ersten Abschnitt durchaus unterhaltsamer – Aufguss altbekannter Ideen, zu gering ist die Differenz zu den ersten beiden X-Men-Fortsetzungen oder Sam Raimis Spiderman-Serie (seit 2002).
Als Erweiterung des Superman-Universums ist Singers Werk durchaus gelungen, angesichts der harten Konkurrenz wäre der Mann aus Stahl allerdings gut beraten, sich für seine nächste Rückkehr eine etwas risikofreudigere Produktion auszusuchen.
Kritik von Lukas Foerster
Fotos: © Warner Bros.
Veröffentlicht am 16.08.2006
Film-Angaben:
Titel: Superman Returns (Superman Returns)
USA 2006
Laufzeit: 154 Minuten
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Dan Harris, Michael Dougherty
Produktion: Gilbert Adler, Jon Peters, Bryan Singer
Darsteller: Brandon Routh, Kate Bosworth, Kevin Spacey, James Marsden, Frank Langella, Tristan Lake Leabu, Parker Posey
Kinostart: 17.08.2006
DVD-Angaben:
Titel: Superman Returns
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,35:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: k.A.
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 148 Minuten
Extras: Dokumentation: Die Auferstehung von JOR-EL; Kino-Trailer; Making Of in 5 Kapiteln: Requiem to Krypton (Länge: ca. 172 Minuten); Nicht verwendete Szenen
Zeitgleich erscheint eine limitierte Auflage als „Steelbook“ mit denselben Inhalten.
Verleih ab: 15.12.2006
Verkauf ab: 15.12.2006
DVD-Angaben:
Titel: Superman Returns
Vertrieb: Warner Home Video
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: k.A.
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 148 Minuten
Extras: Dokumentation: Die Auferstehung von JOR-EL; Kino-Trailer; Making Of in 5 Kapiteln: Requiem to Krypton (Länge: ca. 172 Minuten); Nicht verwendete Szenen
Zeitgleich erscheint eine limitierte Auflage als „Steelbook“ mit denselben Inhalten. Am 30.11.2007 erscheint im Verkauf eine Single-Disc-Edition ohne Bonusmaterial und mit folgenden Untertiteln: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte.
Verleih ab: 15.12.2006
Verkauf ab: 15.12.2007
Kommentare
Kratos
Montag, 15-10-07 03:58
ramses
Sonntag, 21-01-07 20:13
meine critic zu "SM R"sorry aber nach 10min wollte ich den dvd wieder raus werfen und hätte am liebesten alles vergessen was sah!leider zog ich mir den ganzen sch... rein zum bedauern meiner phantasie!zumall die ganze story was von abgelutsch u. langweilig warbis zur regie!hätte liber x-man weitermachen sollen hatte mir sehr viel mehr erwarte!und die schauspieler sooory aber lex alias k.spacy sorry mehr ...
Chris
Sonntag, 03-09-06 19:18
Man David bist ja ein richtiger Kritiker wa? Haus voll auf die Kacke. In einem hast du Recht: Kevin Spacey als Lex Luthor ist wirklich spitze. Aber das Brandon Routh als Sperman keine "männlichkeit" ausstrahlt ist doch ein bisschen weit hergeholt oder? Superman hat auch ein Herz also kann er ruhig etwas schnulzig sein wenn es um die Frau geht die er liebt. Hätte er kein Herz und wäre nicht ein wenig mehr ...
Ivorie
Dienstag, 29-08-06 02:14
So! Nun habe ich ihn auch gesehen und ich bin bitter enttäuscht! Die Story war okay, typisch Superman. Kann man nix gegen sagen! Aber für mich war da eindeutig zu viel Schnulze drin! Kind hier, Lois da und dann noch der andere Typ von Lois, das war zu viel! Eindeutig! Hätten die Leute mal lieber an der Schnulze gespart. Dann wäre der Film nicht so langatmig gewesen und ich hätte den Euro für mehr ...
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Zu meinem Bedauern, und zu Chris Missfallen muss ich mich leider in die Nörgler einreihen. Ich habe als Kind die Superman- Filme regelrecht verschlungen, war (Und bin immer noch) überzeugter und stolzer Fan der Comics und trat natürlich mit entsprechend hoher Erwartung an Superman Returns heran. Beim verlassen des Kinos sagten mir dann Freunde dass es mehr Sinn gehabt hätte ihnen allen eine Pizza mehr ...