Cars

Traurige Nachricht: John Lasseters lang erwarteter Cars ist der erste Pixar-Film, der enttäuscht. Und das ausgerechnet zum zwanzigjährigen Jubiläum des Animationsstudios.

Cars

Pixar blickt auf eine höchst erfolgreiche Karriere zurück. Die produzierten Filme, angefangen beim ersten Kurzfilm Luxo Jr. (1986) bis hin zu The Incredibles - Die Unglaublichen (The Incredibles, 2004), waren alles ausschließlich Erfolge. Filmstudios wie 20th Century Fox und Dreamworks bauten ihre Animationsabteilungen für digitale Tricktechnik aus und versuchten Pixars Quasi-Monopol zu brechen. An die Klasse der Pixar-Filme reichten jedoch die wenigsten heran.

Der Erfolg der Filme beruht im Grunde auf einem Schema, an dem sich in den vergangenen zwanzig Jahren wenig geändert hat. Im Zentrum von Luxo Jr. standen zwei Schreibtischlampen und John Lasseter gelang es ihnen durch simple Bewegungen quasi-menschliche Ausdrücke zu verleihen. Diese Vorgehensweise entwickelte sich zum tragenden Element der Filme und nach Spielsachen, Insekten, Fischen und Monstern werden in Cars (2006) nun Motorfahrzeuge mit einer individuellen Persönlichkeit ausgestattet.

Cars

Der Film kreist um die Abenteuer Lightning McQueens, einem Rennwagen mit übergroßem Ego, der vollkommen auf den Sieg im prestigeträchtigen Piston Cup fokussiert ist. Ein paar Tage vor dem wichtigen Rennen verschlägt es ihn jedoch in ein verschlafenes Nest an der Route 66. Nachdem er die Hauptstraße zerstört hat, wird er dazu verdonnert, sie wieder zu reparieren. Hat er anfangs ausschließlich die Flucht im Sinn, so findet er immer mehr Gefallen am ruhigen Leben abseits des Rennzirkus. John Lasseter entwirft in Cars eine Welt, die ausschließlich von Vierrädern bevölkert ist. Tausende von Autos feuern die Rennwagen an, Traktoren schlafen nachts friedlich auf der Wiese und selbst Fliegen brummen als kleine Transporter durch die Gegend.

Schon in den ersten Minuten fällt auf, dass Cars ganz im Gegensatz zu den bisherigen Pixar-Filmen als großes Spektakel konzipiert worden ist. Die Szenen zu Beginn im Stadion erinnern an das Kolosseum aus Gladiator (2000) oder an Sequenzen aus den neuen Star Wars-Filmen (1999, 2002, 2005). Gleichzeitig wird kleinen Details wie beispielsweise den Lastwagen-Fliegen immer noch große Aufmerksamkeit geschenkt, oft drohen sie jedoch von den bombastischen Einstellungen geradezu verschluckt zu werden.

Cars

Die erste rasante Filmhälfte, in der Lightning McQueen und der Rennzirkus vorgestellt werden, schafft es noch zu verbergen, was dann in der zweiten Hälfte immer deutlicher wird. Die Geschichte, die in Cars erzählt wird, ist ausgesprochen dünn und beruht auf bestens bekannten Versatzstücken. Lightning McQueen trifft auf die ehemalige Anwältin Sally, verliebt sich in sie und merkt, dass er in einer Scheinwelt gelebt hat. Die banale Botschaft die dabei – laut Pressenotiz – vermittelt werden soll: „Die Überholspur zu nehmen ist nicht das Wichtigste im Leben.“ Die Einfachheit der Plot-Konstruktion findet sich auch in den einzelnen Charakteren wieder. Hippie-Bus, patriotischer Militärjeep, ehemaliger Rennwagen, trotteliger alter Lastwagen - jede Figur besteht aus klar definierten Stereotypen, die sich im Verlauf der Handlung nur geringfügig ändern.

Cars lässt sich als ein Kommentar zu Action-Filmen der vergangenen Jahre wie Nur noch 60 Sekunden (Gone in Sixty Seconds, 2000), die The Fast and the Furious-Filme (2001, 2003, 2006) und der MTV-Serie Pimp my Ride (seit 2004) deuten. Während diese Filme die moderne Autotechnologie zelebrieren, blickt Lasseter sehnsüchtig zurück und ortet in der Vergangenheit das wahre Glück. Diese Haltung ergibt einen paradoxen Effekt, der sich auch in zahlreichen Hollywood-Blockbustern wiederfinden lässt. Mittels modernster Technologie wird da eine Filmwelt erschaffen, in der gerade diese moderne Technik negativ konnotiert ist. Die Filmemacher der bisherigen Pixar-Filme vermieden diesen Spagat und sprachen die Thematik gar nicht erst an. Nur ist sie in Cars ein zentraler Bestandteil der Geschichte. John Lasseters Film gehört so zu den Animationsfilmen, die trotz spektakulären Bildern und wunderbarer kleiner Details nie so richtig in Fahrt kommen.

 

Kritik von Hannes Brühwiler

Fotos: © Buena Vista

Veröffentlicht am 02.08.2006



Film-Angaben:

Titel: Cars (Cars)
USA 2006
Laufzeit: 116 Minuten

Regie: John Lasseter
Drehbuch: John Lasseter, Joe Ranft, Jorgen Klubien, Dan Fogelman, Kiel Murray, Phil Lorin
Produktion: Darla K. Anderson

Kinostart: 07.09.2006



DVD-Angaben:

Titel: Cars: Autos wie wir
Vertrieb: Buena Vista
Bild: 2,40:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Spieldauer: 112 Minuten

Extras: Kurzfilm „Die Einmannband"; Kurzfilm „Hook und das Geisterlicht"; Hinter den Kulissen „Inspiration für Cars" von John Lasseter; Zusätzliche Szenen; Epilog; Trailershow

Verleih ab: 18.01.2007
Verkauf ab: 18.01.2007





 




Kommentare

 

scholl67 aus Dreisbach

Mittwoch, 27-01-10 17:08

Also die Kritik ist doch wohl wirklich absolut Schwachsinnig. Mein Sohn liebt diesen Film über alles und auch ich als Vater,der diesen Film bisher rund 20x mit angesehen hat,muß sagen das er mir von Anfang an Super gefallen hat.Obwohl ich eigentlich nicht auf so Animationsfilme stehe.Aber der Sound,die Bilder und die Story sind wirklich 1.Klasse.

Ich

Freitag, 28-09-07 21:49

Alles war sie über Cars geschrieben haben ist absolut falsch! Jetzt sag ich ihnen mal was, Mister! Ich will ja nicht beleidigend wirken oder so, aber Cars ist der beste Film aller Zeiten und wenn sie den Film nicht verstanden haben ist das nicht mein Probleme! ICh habe den Film bestimmt 30 mal gesehen, ich weiß was er übermittelt, aber sie? Ich darf doch bitten! Ich setzte mich hier für meinen mehr ...

 

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