Zwölf Stühle

Ulrike Ottingers Version des bereits mehrfach verfilmten, russischen Romans Die Zwölf Stühle ist eine Symbiose aus Fiktion und aktueller Reisedokumentation mit einer ironischen Sicht auf heutige und damalige Verhältnisse.

Zwölf Stühle

Mit Die Zwölf Stühle meistert Ulrike Ottinger die Herausforderung, eine alte Romanvorlage auf ihre Aktualität zu prüfen. Basierend auf der mehrfach verfilmten Satire Dvenadtsat Stulyev von Ilja Ilf und Jewgeni Petrow aus den zwanziger Jahren schildert der Film eine komödiantische Schatzsuche im Russland von 1927, die schon als Vorlage für Mel Brooks zweiten Spielfilm (The Twelve Chairs, 1970) diente. Eine alte russische Aristokratin lüftet am Sterbebett ihrem Schwiegersohn das Familiengeheimnis: Ihren Juwelenschmuck hat sie in einem von 12 Stühlen einer nach der Revolution enteigneten Salongarnitur versteckt, die inzwischen über das ganze Land verteilt ist. Der Schwiegersohn macht sich auf die Suche nach den Juwelen, dicht gefolgt von einem gewitzten Gauner und vom gierigen Dorfpfaffen, der der Aristokratin die letzte Beichte abgenommen hat. Eine witzige und rasante Jagd beginnt durch das ganze Land, um die Stühle aufzutreiben.

Antrieb der Satire ist die Gier, welche aus Gutbürgern gewissenlose Ganoven macht. Ulrike Ottinger erzählt ihre Interpretation der Geschichte in einer bemerkenswerten Mischung von Fiktionalität und Reisedokumentarismus über die aktuellen GUS-Staaten. Der Kunstgriff, Schauspieler in historischen Kostümen an heutigen Orten spielen zu lassen gibt der eigentlichen Satire eine äußerst spannende Subkomik, eine nie langweilig werdende, ironische Sicht auf die heutigen und damaligen Verhältnisse. Mit Die Zwölf Stühle gelingt Ottinger, mit viel Gespür für Details, eine sanfte Komödie, die sich viel Zeit lässt, in der Erzählung zu schwelgen.

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