Zwei Mütter

Der Samenspender wartet im Fast-Food-Restaurant.

Zwei Muetter 01

Es ist ein rein technischer Akt, der Isabella (Karina Plachetka) und Katja (Sabine Wolf) noch zum ganzen Glück fehlt. Oder etwa doch nicht? Das lesbische Paar möchte ein Kind haben, Isabella ist enthusiastisch ob ihrer Rolle als austragende Mutter. Es fehlt nur noch das nötige Sperma. Doch schon die Anrufe bei diversen Samenbanken lassen erahnen, dass das weiße Gold für ein homosexuelles Paar schwerer aufzutreiben ist als gedacht. Was folgt, ist eine Odyssee; immer wieder stellen sich den beiden Protagonistinnen neue Probleme in den Weg. Die meisten Samenbanken behandeln aufgrund einer rechtlichen Grauzone keine gleichgeschlechtlichen Paare, und wenn dann doch ein Arzt gefunden ist, koppelt dieser die Behandlung an einen erfolgreichen Finanzcheck beim Anwalt: Nur reiche Lesben dürfen Kinder bekommen.

Regisseurin Anne Zohra Berrached bietet sorgfältig aufbereitetes Hintergrundwissen zum Thema gleichgeschlechtliche Eltern, vermeidet es aber, die vage, größtenteils fragwürdige Gesetzeslage und die daraus folgende strukturelle Diskriminierung rhetorisch auszuschlachten und Zwei Mütter so als aufdringliche Systemkritik daherkommen zu lassen. Vielmehr legt sie einen sezierenden Fokus auf die Beziehung der beiden Frauen, die nach und nach immer tiefere Einrisse davonträgt: Als endlich ein behandelnder Arzt gefunden ist, schlagen die unzähligen (und teuren!) Inseminationen nicht an. Isabella verfällt in einen regelrechten Wahn, sie will alles probieren, um dieses Kind zu bekommen. Die sich immer mehr übergangen fühlende Katja geht diesen Weg nach und nach nur noch stoisch zögernd mit.

Zwei Muetter 02

Auf tragikomische Treffen mit dubiosen, Hilfsmittel verkaufenden Experten und allerlei privaten Samenspendern folgen Momente der Entfremdung und des Unverständnisses, in hellen und entsättigten Bildern fängt Berrached den steigenden Egoismus und die schwindende Zweisamkeit ihrer Figuren ein. Der dokumentarisch wirkende Stil versucht dabei den emotionalen Abstand zum Zuschauer zu verkürzen und das skizzierte Schicksal nicht nur faktisch – der Film beruht laut Abspann lose auf tatsächlichen Erfahrungen gleichgeschlechtlicher Paare –, sondern auch ästhetisch in die Realität zu hieven. Dies gelingt nicht zuletzt aufgrund der schauspielerischen Leistung von Plachetka und Wolf, die die angelegte Gegensätzlichkeit der beiden Frauentypen – hier die naiv-plappernde Hysterikerin, da die mehr überlegt und beherrscht agierende Coole – sehr pointiert herausschälen. Und so sind es denn auch die Probleme und Reize einer jeden Beziehung, egal ob homo- oder heterosexuell, die Zwei Mütter sichtbar werden lässt.

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