Zurück nach Dalarna!
Die in Stockholm lebende Mia fährt nach 15 Jahren zum 70. Geburtstag ihres Vaters in ihr Heimatdorf Dalarna. Die anfängliche Ruhe ist trügerisch und hält nicht lange. Mit Witz inszeniert Maria Blom diese altbekannte Geschichte einer Heimkehr.

Die Geschichte klingt nicht neu: Großstadtmensch kehrt in die dörfliche Heimat zurück, zwei scheinbar unvereinbare Lebensweisen prallen aufeinander und am Ende gelingt doch eine Annäherung. Jüngst spielte der ebenfalls schwedische Wie im Himmel (Så som i himmelen, 2004) mit diesen Elementen genauso wie die amerikanischen Elizabethtown (2005) und Garden State (2004). Verlauf und Ausgang ist in diesen „Heimatgeschichten“ meist vorbestimmt.
Auch Zurück nach Dalarna bildet keine Ausnahme. Die Story von der ungebundenen Wahl-Stockholmerin Mia (Sofia Helin), die nach 15 Jahren in ihren Heimatort zurückkehrt und sich mit ihrer spitzzüngigen, verheirateten Schwester Eivor (Kajsa Ernst) und der frisch geschiedenen Gunilla (Anna Petrén) auseinandersetzen muss, sich für ihr neues Auto zu rechtfertigen hat und zum, zumindest zeitweise, beschaulichen Landleben in der pittoresken Einöde Schwedens gezwungen wird, ähnelt den vielen Vorgängern. Zwar rückt der Konflikt mit den Eltern in den Hintergrund, dafür dürfen die drei Schwestern – der Vergleich mit Tschechow ist sicherlich gewollt – umso heftiger miteinander ringen.

Maria Bloms Film aber zeichnet sich aus durch treffende Dialoge, die die Verletzungen und Abneigung der Charaktere genauso deutlich machen wie die allen Beziehungen unterliegende Zuneigung füreinander. Dabei wird die Kamera gnadenlos auf die Gesichter der Schauspieler gerichtet. Die hatten ganz offensichtlich Spaß an der Verkörperung ihrer Figuren, die von ihnen in ihrer Exzentrik zwar überzeichnet werden, aber nie zur Karikatur geraten.
Blom gelingt es, Balance zu halten zwischen den komischen Momenten und den tragischen Konflikten, die während der Geburtstagsfeier offen ausbrechen. Der Einsatz einer Handkamera lässt den Zuschauer unmittelbar in das Geschehen eintauchen, quasi an Mias Kampf mit sich und der Heimat, der sie entkommen zu sein glaubte, teilnehmen. Vor allem gibt es dem Film eine Lebendigkeit, die auf der Handlungsebene dem turbulenten Fortgang der Geschichte entspricht. Dies macht Zurück nach Dalarna zu einem tragikomischen Vergnügen, nicht neu, aber in seiner Inszenierung unterhaltsam.
Filmkritik von Meike Stolp
Veröffentlicht am 04.02.2006
Kommentare zu Zurück nach Dalarna!
Martin Z. 09.03.2010 12:21
In dieser Dramödie geht es um eine Familienfeier. Da stehen die drei Schwestern des Hauses im Mittelpunkt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre Figuren verkörpern nicht nur drei unterschiedliche Lebensentwürfe, sondern auch den Gegensatz zwischen Stadt und Land - hier Hauptstadt und Provinz. Und wie in jeder Familie liegen da ja auch noch einige Leichen im Keller, die im Laufe des Abends nach genügend Alkoholkonsum ausgegraben werden. Gut vorbereitet und dann sukzessiv aus der Verpackung gepellt, wird da so einiges zu Tage gefördert. Und dann gibt’s auch noch unerwartete Überraschungen. Treffende Dialoge begleiten die genau beobachteten Szenen, wobei sich Traurig-Tragisches und Seltsam-Komisches aber auch irgendwie Eigenartig-Lustiges mit einander abwechseln. Die Handlung ist so lebensnah, dass jeder an der einen oder anderen Stelle nickend zustimmen muss, weil es ihm so oder ähnlich ergangen ist. Eine runde Sache, wenn man mal vom völlig überflüssigen Epilog absieht.
Hinterlassen Sie hier Ihre Meinung oder Anmerkungen zu Zurück nach Dalarna!. Kommentare werden in der Regel innerhalb eines Tages freigeschaltet.
Kommentar schreiben
Blog: Berlinale im Dialog

Verfolgen Sie das Festivalgeschehen der Berlinale auch im deutsch-französischen Berlinale-Blog des DFJW auf critic.de/berlinale-im-dialog
Film-Angaben
Titel: Zurück nach Dalarna!
Originaltitel: Masjävlar
Schweden 2004
Laufzeit: 98 Minuten
Regie: Maria Blom
Drehbuch: Maria Blom
Produktion: Lars Jönsson
Darsteller: Sofia Helin, Kajsa Ernst, Ann Petrén, Barbro Enberg, Joakim Lindblad, Inga Ålenius, Willie Andréason, Lars-Gunnar Aronsson, Peter Jankert, Maja Andersson, Alf Nilsson
Kinostart: 09.02.2006
DVD-Angaben
Titel: Zurück nach Dalarna!
Vertrieb: Indigo
Bild: 1,85:1, 16:9
Sprache(n): Deutsch (DD 2.0/DS), Schwedisch (DD 2.0/DS)
Untertitel: Deutsch
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Spieldauer: 94 Minuten
Extras: keine
Verleih ab: k.A.
Verkauf ab: 17.11.2006
Copyright Zurück nach Dalarna!
Fotos: © Memfis Film
BERLINALE 2012

Unser Special zur Berlinale 2012 - mit Kritiken, Empfehlungen und Trailern. www.critic.de/berlinale/
Berlinale 2012: Empfehlungen
Filmempfehlungen für Forum, Forum Expanded und Panorama der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin. weiter
Berlinale: Kritiken
Glaube, Liebe, Tod
R: Peter Kern
Shadow Dancer
R: James Marsh
Marina Abramović: The Artist is Present
R: Matthew Akers
Captive
R: Brillante Mendoza
Die Wand
R: Julian Pölsler
Barbara
R: Christian Petzold
Revision
R: Philip Scheffner
Caesar Must Die
R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani
Death for Sale
R: Faouzi Bensaïdi
Aujourd'hui
R: Alain Gomis
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Neu im Kino
09.02.2012
Die Unsichtbare
R: Christian Schwochow
Der Junge mit dem Fahrrad
R: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne
Hugo Cabret
R: Martin Scorsese
In Darkness - Eine wahre Geschichte
R: Agnieszka Holland
Black Gold
R: Jean-Jacques Annaud
02.02.2012
Moneyball
R: Bennett Miller
Die Summe meiner einzelnen Teile
R: Hans Weingartner
Underworld Awakening
R: Måns Mårlind, Björn Stein
Dame, König, As, Spion
R: Tomas Alfredson
Demnächst im Kino
Gefährten
R: Steven Spielberg
Extrem laut und unglaublich nah
R: Stephen Daldry
Don 2
R: Farhan Akhtar
Take Shelter - Ein Sturm zieht auf
R: Jeff Nichols
Shame
R: Steve McQueen
Barbara
R: Christian Petzold
Beauty
R: Oliver Hermanus
Das Turiner Pferd
R: Béla Tarr
Der Schnee am Kilimandscharo
R: Robert Guédiguian
Viva Riva
R: Djo Munga
Kaddisch für einen Freund
R: Leo Khasin
Der Preis
R: Elke Hauck
Young Adult
R: Jason Reitman
Der perfekte Ex
R: Mark Mylod
Der König von Bastøy
R: Marius Holst
Kill Me Please
R: Olias Barco
Martha Marcy May Marlene
R: Sean Durkin
Das Leben gehört uns
R: Valérie Donzelli
UFO in Her Eyes
R: Xiaolu Guo
Beloved
R: Christophe Honoré
The Yellow Sea
R: Na Hong-jin
Leb wohl, meine Königin!
R: Benoît Jacquot
Die Wand
R: Julian Pölsler
Neu auf DVD
Crazy, Stupid, Love.
R: Glenn Ficarra, John Requa
Sieben Tage Sonntag
R: Niels Laupert
Boardwalk Empire Season 1
R: Timothy Van Patten, Allen Coulter ...
Aktuell im TV
L.A. Confidential
Nacht von Mo auf Di, 13.02-14.02., 02:00 Uhr, arte
Im Schatten
Di 14.02, 20:25 Uhr, 3Sat
Hotel Ruanda
Nacht von Di auf Mi, 14.02-15.02., 00:15 Uhr, BR








1 Kommentar