Zulu

Das Apartheid-Regime lebt fort in einem düsteren zeitgenössischen Thriller, den es unverhofft und unverdient nach Cannes als Abschlussfilm verschlagen hat.

Zulu 01

Die Story von Zulu endet in der Wüste bei leuchtendem Licht. Das ist als Kontrapunkt zu verstehen, denn es kann nicht gut ausgehen für Ali (Forest Whitaker), den Helden, der die Geschichte von Südafrika als persönliches Trauma mit sich herumträgt. Er hat es immerhin zum Polizeikapitän geschafft, trotz oder wegen eines Chefs, der zu den Schuldigen unter dem Apartheid-Regime zählte. Er vergräbt sich in Arbeit, ist das Workaholic-Klischee unter den Cops, ein Getriebener, der in sozialen Belangen apathisch ist. Seine Biografie als schwarzes Kind während der Apartheid inszeniert Jérôme Salle in seiner Romanadaption als Hintergrund und Legitimation für die pessimistischen Volten, die das Drehbuch schlägt. Das Leiden von einst setzt sich fort, wie eine Plage lauert es an jeder Ecke und gibt den Protagonisten jede Handlungsberechtigung: In einem Land, wo Recht und Ordnung nicht zu halten sind, wo der Rassismus allumgreifend nach wie vor herrscht, wo der Cop noch immer eine Rechnung offen hat – da muss mit allem gerechnet werden. Der Gewalt- und Rache-Spirale, die sich entfaltet, spielt ein neuer Fall in die Hände, bei dem alles auf eine rassistisch-kapitalistische Verschwörung hindeutet.

Zulu 02

Das Drehbuch von Jérôme Salle und Julien Rappeneau gibt sich alle Mühe, aus dem konventionellen Thrillerplot ein existenzialistisches und politisches Psychodrama zu schustern. Dabei schielen sie aber zugleich in Richtung leichter Zugänglichkeit: Obwohl Ali das offensichtliche emotionale Zentrum von Zulu ist, wagt sich Salle nicht, ihm den Raum und die Zeit zur Entfaltung der nötigen psychologischen Differenziertheit zu geben. Stattdessen führt der Film über eine andere Figur zu ihm hin: Brian (Orlando Bloom) ist das Alkoholiker-Klischee unter den Cops, ein Schürzenjäger, stets kurz vor oder nach dem Absturz, schlechter Vater und Ex-Mann, aber natürlich ein loyaler Partner für Ali. Über seine Perspektive dämpft Zulu die Intensität des Thrillers und bremst die Spannungsdramaturgie durch eine Reihe an uninspirierten Nebensträngen.

Zulu 03

Neben dem zwischen solide und fad schwankenden Drehbuch ist die schwache Regie das größte Ärgernis. Nicht nur bleiben die Protagonisten zu sehr Konstrukt, auch die interessanteren Entwicklungen und Wendungen, denen stets der Wunsch nach einem Bruch mit dem schlichten Krimistoff abzulesen ist, finden nie ausreichend Resonanz in der Inszenierung. Bis zum Schluss wird kaum ein Bild oder eine Spannung je gehalten, nie kriegt Whitaker die Aufmerksamkeit, die sein Spiel verdiente, und selbst die rasanteren Szenen lösen sich im Wohlgefallen einer routinierten, den Überblick wahrenden Kameraführung und der entsprechend lieblosen Montage auf. Kein Wunder, dass die behauptete depressive Atmosphäre sich selten entfalten kann.

Zulu 04

In den Beziehungen zwischen den verschiedenen Cops, den Cops zu den Gangstern und den Gangstern zur Macht liegen eine ganze Reihe an spannenden Ansätzen, um das Südafrika der Gegenwart heraufzubeschwören. Es wäre der Mühe wert, in diesen zu graben. Stattdessen reißt Zulu sie an die Oberfläche, präsentiert sie auf dem Silbertablett eines vermeintlich politisch bewussten Kinos, das mit den Anlagen, den Konflikten und der Historie kaum etwas anzufangen weiß. Wenn der Plot in der Wüste ein Ende findet, dann ist der Kriminalfall gelöst und es gilt, das Kindheitstrauma zu bewältigen. Der Film gibt vor, mit viel Gewalt auch hierauf eine Antwort zu haben, dabei hat er noch nicht einmal die Fragen richtig gestellt. Zulu ist ein Film, der auf sein Remake gespannt macht.

Trailer zu „Zulu“


Trailer ansehen (2)

Kommentare

Es gibt bisher noch keine Kommentare.






Kommentare der Nutzer geben nur deren Meinung wieder. Durch das Schreiben eines Kommentars stimmen sie unseren Regeln zu.