Zeder – Denn Tote kehren wieder

Auferstanden in Ruinen.

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Irgendwo zwischen Rimini und Bologna liegt, eingehüllt in einen Wald, die Colonia Provincia Varese. Von den Faschisten im Zweiten Weltkrieg als Ferienanlage für Kinder errichtet, ist einige Jahrzehnte später nur noch eine Ruine mit morbidem Charme geblieben, vergleichbar mit der verwilderten Nazi-Siedlung Prora auf Rügen. Jeder Locationscout dürfte sich nach so einem Ort die Finger lecken. Der italienische Regisseur Pupi Avati hat hier mit Zeder – Denn Tote kehren wieder (Zeder, 1983) einen atmosphärischen Horrorfilm gedreht.

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Bis heute ist Avati als Regisseur unterschiedlicher Genres tätig, bekannt ist er aber vor allem für seine frühen Horrorfilme wie Das Haus der lachenden Fenster (La casa dalle finestre che ridono, 1976). Obwohl er in Insider-Kreisen hoch geschätzt wird, ist Avati nie so berühmt wie seine Landsmänner Mario Bava, Dario Argento oder Lucio Fulci geworden. Anders als deren Arbeiten ist Zeder weder visuell extravagant noch besonders blutig, lässt sich aber in seinen besten Momenten ganz auf die Ausstrahlungskraft seiner unheimlichen Schauplätze ein. Die verwilderte Feriensiedlung ist in Zeder etwa eine so genannte K-Zone – ein Ort, an dem die Toten wieder lebendig werden.

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Bis der Film dort ankommt, muss jedoch erst einmal ein glatter Protagonist ohne Eigenschaften der Herkunft seiner Schreibmaschine aus zweiter Hand nachgehen. Schriftsteller Stefano (Gabriele Lavia) findet auf den Farbbändern seines Schreibinstruments einige kryptische Sätze über eine Tür zum Reich der Toten. Wie ein Detektiv geht er den spärlich verstreuten Hinweisen nach, trifft Experten des Okkulten, einen Priester oder einen voyeuristischen Tankstellen-Besitzer. Zwischendurch kreuzen natürlich auch schöne Frauen und finster dreinblickende Männer seinen Weg. Immer wieder blitzt im Verlauf der Handlung auf, dass Avati ein Regisseur ist, der durchaus düstere Szenarios beschwören kann, wie es sich etwa bei einem Stromausfall in einem verlassenen Schwimmbad beobachten lässt. Mit der Suche nach einem kausalen Zusammenhang der Geschehnisse sollte man sich allerdings nicht zu lange aufhalten.

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Holzschnittartige Figurenzeichnungen und dramaturgische Unsauberheiten sind fast schon ein Markenzeichen des italienischen Horrorfilms der 1970er und -80er Jahre. Oft ist es aber der inszenatorische Einfallsreichtum, auf den der Blick gelenkt wird. Das ist auch bei Zeder so. Im etwas zähen Mittelteil besteht der Film noch überwiegend aus dialoglastigen Szenen, in denen Stefano irgendjemanden besucht, um an neue Informationen zu kommen. Solche Augenblicke sind mitunter erstaunlich trocken umgesetzt, mit banalen Schuss-Gegenschuss-Auflösungen und uninspiriert ausgeleuchteten Räumen. In der letzten halben Stunde läuft Zeder dann allerdings zur Höchstform auf.

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Mit subtil einnehmenden Bildern begleitet Kameramann Franco Delli Colli den Protagonisten bei seiner Reise in die Dunkelheit. Er steigt mit ihm in dunkle Keller, folgt ihm durch Treppenhäuser mit Schattenornamenten und endlose Korridore, bis zu jenem Ort, an dem eine Gruppe von Wissenschaftlern ihren Experimenten nachgeht. Die Schranke zwischen der Welt der Toten und der Lebenden wurde schon in zahlreichen Horrorfilmen geöffnet. Den Mief der immergleichen Requisiten, den auch Avati in einer 30 Jahre früher angesiedelten Einleitung noch beschwört, tauscht der Film jedoch gegen von moderner Architektur gerahmte Bilder und den Einsatz neuer Technologien aus. Im Gewölbe der Colonia Provincia Varese landet Stefano etwa in einem improvisierten Fernsehstudio mit unheilvoll flackerndem Licht, in dem Kameras den ersten Augenaufschlag einer Leiche im Inneren ihres Sarges festhalten. Gerade weil hier die beunruhigende Stimmung der K-Zone Zeder so bemerkenswert macht, fragt man sich, warum Avati sich so lange mit einem mittelmäßigen Verschwörungsthriller aufgehalten hat. 

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