Zatoichi Meets Yojimbo

Zatoichi Meets Yojimbo ist die 19. Fortsetzung eines Samuraifilms aus dem Jahr 1962. Ermüdungserscheinungen zeigen hier jedoch weder Zatoichi, noch Yojimbo und auch sonst keiner der Beteiligten.

Zatoichi Meets Yojimbo

Wenige Schauspieler sind so sehr mit einer einzigen Rolle identifizierbar wie Shintaro Katsu. In insgesamt 26 Spielfilmen und einer vierstaffeligen Fernsehserie war dieser zwischen 1962 und 1989 als blinder Masseur Zatoichi zu sehen, der im vormodernen Japan mithilfe seines Intellekts und einer erstaunlichen Körperbeherrschung Bösewichten aller Art das Handwerk legt. Vor allem Katsus Kinoarbeiten sind bis heute Mittelpunkt einer großen Fankultur, die weit über Japan hinausreicht und die dank Takeshi Kitanos Neuauflage (2003) dieser Schwertkampflegende in den letzten Jahren noch einmal großen Zulauf erhielt.

Zatoichi Meets Yojimbo (Zatoichi to Yojinbo) ist der zwanzigste Teil der langlebigen Kinoserie. Wie der Titel andeutet, stellte die Produktionsgesellschaft Toho ihrem Kassenmagneten zum Jubiläum eine weitere bekannte Figur der japanischen Filmgeschichte zur Seite. Toshiro Mifune spielt einen Leibwächter (japanisch „Yojimbo“) namens Sassa, eine Rolle, die stark an die ebenfalls von Mifune verkörperte Hauptfigur aus den von Akira Kurosawa inszenierten Genreklassikern Yojimbo (1961) und Sanjuro (1962) angelehnt ist.

Zatoichi Meets Yojimbo

Das Verhältnis zwischen Zatoichi und Sassa ist um einiges komplexer, als es der Titel des Films vermuten lässt. Die Handlung des Films spielt in einem Dorf, das von dem brutalen Masagoro (Masakane Yonekura) und seinen Handlangern beherrscht wird. Sassa wurde von Masagoro als Leibwächter angeheuert, verfolgt jedoch auch seine eigenen Interessen, die unter anderem mit seiner Zuneigung für die umtriebige Ueno (Ayako Wakao) zusammenhängen. Zatoichi trifft zufällig in demselben Dorf ein und wird von Masogoros Vater angeheuert, der eine tiefe Abneigung gegen seinen Sohn entwickelt hat.

Die Fronten in dem in narrativer Hinsicht äußerst anspruchsvollen Zatoichi Meets Yojimbo sind selten klar auszumachen, und zahlreiche Nebenhandlungen verkomplizieren die Lage zusätzlich. Sobald im zweiten Filmabschnitt jedoch ein versteckter Goldschatz in das Zentrum des Geschehens rückt, wird schnell klar: Der Antriebsmotor der Handlung ist eindeutig und ausschließlich die Gier nach Geld. Und diese Gier teilen in Zatoichi Meets Yojimbo ausnahmslos alle Figuren. Für Geld und nur für Geld verraten sie ihre Familien, morden, legen Feuer und haben Sex. Helden und Schurken lassen sich, wenn überhaupt, nur durch feine Nuancen der Bösartigkeit unterscheiden. Dieser amoralische, anarchische Materialismus rückt den Film in die Nähe des Italowestern, dessen Ikonografie und Dramaturgie unzweifelhaft einen großen Einfluss nicht nur auf diesen Film, sondern auf die gesamte Serie ausübte. Ähnlich wie in den Filmen eines Leone oder Corbucci sind die Figuren in Zatoichi Meets Yoiimbo nicht als psychologisch ausformulierte Charaktere angelegt, sondern übernehmen spezifische stereotypisierte Funktionen, die in der Genretradition angelegt sind und deshalb vom Publikum von Anfang an als gegeben akzeptiert werden.

Zatoichi Meets Yojimbo

Der Regisseur des Films, Kihachi Okamoto, hat seine Wurzeln in der Hochphase der klassischen japanischen Filmindustrie und arbeitete in seiner fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere in den unterschiedlichsten Genres. Zatoichi Meets Yojimbo zeigt einen Regiehandwerker auf der Höhe seiner Kunst. Originelle und abwechslungsreiche Bildkompositionen in Zusammenarbeit mit einer auffällig dynamischen Montage zeichnen zahlreiche Filme Okamotos aus dieser Arbeitsphase aus. In diesem Fall stand dem Regisseur außerdem ein ausgezeichnetes Skript zur Verfügung, welches die einzelnen Handlungsstränge konsequent durchdekliniert und einem ekstatischen Höhepunkt entgegenführt.

Vor allem die zweite Hälfte des Films kann so als Highlight nicht nur der Zatoichi-Serie, sondern des gesamten japanischen Genrekinos dieser Phase – einem, nebenbei bemerkt, äußerst fruchtbaren und hierzulande wenig bekannten Abschnitt der Filmgeschichte – betrachtet werden. Die bereits im ersten Teil immer wieder ausbrechenden Kämpfe zwischen den einzelnen Parteien werden zunehmend heftiger und steigern sich schließlich zu einem permanenten Kriegszustand, der das gesamte Dorf zu involvieren scheint und immer wieder über die einzelnen Handlungsstränge hereinbricht. Schließlich gipfelt diese Gewaltorgie in einem epischen Showdown, in welchem die Hauptfiguren des Films gegeneinander antreten, während sich das Ziel ihrer Wünsche buchstäblich in Luft auflöst.

 

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